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Kurzantwort: Magnesiumtaurat ist Magnesium, das an die Aminosulfonsäure Taurin gebunden ist. Es wird als „Herz-Magnesium“ beworben, doch die Belege stammen fast nur aus Versuchen an Ratten und Mäusen: Dort senkte Magnesiumtaurat einen künstlich erzeugten Bluthochdruck, und Magnesium-Acetyltaurat erreichte das Gehirn schneller als andere Formen. Die einzige Studie am Menschen aus dem Jahr 2026 hatte keine Kontrollgruppe und kombinierte das Taurat mit Kalium und Lebensstilberatung. Für die Bausteine einzeln gibt es Daten am Menschen: Magnesium senkte in einer Meta-Analyse mit 2.028 Teilnehmern den Blutdruck um rund 2 mmHg, Taurin in einer Meta-Analyse um rund 3 mmHg. Ob die Kombination mehr bringt als die Summe, ist offen.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen gehören in ärztliche Behandlung; ein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt kein Blutdruckmedikament. Setze verordnete Mittel nie eigenmächtig ab. Bei eingeschränkter Nierenfunktion nimm Magnesium nur nach Rücksprache. Bei Brustschmerz, Herzstolpern mit Schwindel, Atemnot oder Ohnmacht gehe sofort in die Notaufnahme.
Stand: September 2026 · geprüft von der Redaktion
Magnesiumtaurat ist die Magnesiumform mit dem größten Versprechen und einer sehr kleinen Datenbasis. Shops nennen es das Magnesium für Herz, Blutdruck und Nerven. Der Preis liegt meist deutlich über Citrat oder Oxid.
Dieser Text trennt drei Ebenen: Was zur Verbindung Magnesiumtaurat selbst untersucht wurde, was über Magnesium allein bekannt ist und was über Taurin allein. Erst zusammen ergibt das ein ehrliches Bild.
Was Magnesiumtaurat ist
Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosulfonsäure, die der Körper selbst bildet und die in Fleisch, Fisch und Energydrinks vorkommt. Im Magnesiumtaurat ist ein Magnesium-Ion an zwei Taurin-Moleküle gebunden. Rechnerisch enthält die Verbindung nur rund 9 Prozent Magnesium: 1.000 mg Magnesiumtaurat liefern etwa 90 mg Magnesium. Auf dem Etikett zählt deshalb die Angabe des elementaren Magnesiums.
Eine Variante ist Magnesium-Acetyltaurat, bei dem das Taurin zusätzlich eine Acetylgruppe trägt. Sie taucht in den Tierstudien häufiger auf als das einfache Taurat.
Die Studien zur Verbindung: drei Tierversuche und eine Beobachtung
Eine Suche in PubMed liefert zu Magnesiumtaurat drei Tierversuche und eine einzige Untersuchung am Menschen, die im Juli 2026 erschien.
Indische Forscher erzeugten 2019 bei Ratten mit Cadmiumchlorid einen Bluthochdruck und gaben anschließend zwei Wochen lang Magnesiumtaurat. Der Blutdruck normalisierte sich, und Schutzenzyme im Herzmuskel erholten sich. Als Vergleich diente das Blutdruckmedikament Amlodipin. Das Modell hat mit menschlichem Bluthochdruck wenig gemein: Cadmium ist ein Schwermetall, das die Tiere vergiftete.
Zwei türkische Arbeiten aus dem Jahr 2019 verglichen die Aufnahme verschiedener Magnesiumverbindungen bei Ratten und Mäusen. Magnesium-Acetyltaurat wurde schnell aufgenommen, erreichte die höchste Konzentration im Gehirn und ging bei den Tieren mit weniger Angstverhalten einher. Magnesiummalat blieb am längsten im Blut. Oxid und Citrat schnitten in dieser Rattenstudie schlechter ab, was anderen Daten am Menschen widerspricht.
Die Studie am Menschen von 2026
Eine türkische Beobachtungsstudie gab 121 Erwachsenen mit leicht erhöhtem Blutdruck drei Monate lang täglich ein Präparat aus Magnesiumtaurat und Kaliumcitrat (121 mg Magnesium, 180 mg Kalium) plus Lebensstilberatung. Der Blutdruck sank um 11 bis 12 zu 8 bis 9 mmHg. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe: Alle Teilnehmer bekamen das Präparat und die Beratung. Wie viel davon auf das Taurat, auf das Kalium oder auf die Beratung zurückgeht, lässt sich nicht trennen. Der Autor fordert selbst randomisierte Studien.
Was Magnesium allein beim Blutdruck leistet
Für Magnesium gibt es dagegen viele Studien am Menschen. Eine Meta-Analyse von 34 randomisierten Studien mit 2.028 Teilnehmern, veröffentlicht 2016 in der Fachzeitschrift Hypertension, fand unter im Mittel 368 mg Magnesium täglich über drei Monate eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 2,0 mmHg und des diastolischen um 1,8 mmHg. Das NIH stuft diesen Effekt als gering ein.
Magnesium ersetzt damit kein Blutdruckmedikament. Ob eine bestimmte Magnesiumform mehr bringt als eine andere, hat die Meta-Analyse nicht untersucht.
Was Taurin allein leistet
Taurin hat eine eigene Studienlage. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018 fasste sieben Studien mit 103 Teilnehmern zusammen: Taurin in Dosen von 1 bis 6 g am Tag senkte den Blutdruck im Mittel um rund 3 mmHg, ohne berichtete Nebenwirkungen. Eine größere Meta-Analyse von 2024 mit 20 Studien und 808 Teilnehmern bestätigte das: systolisch minus 4 mmHg, diastolisch minus 1,4 mmHg, dazu eine leicht niedrigere Herzfrequenz und bei Herzschwäche eine bessere Pumpfunktion.
Die Dosen in diesen Studien lagen im Grammbereich. Eine Kapsel Magnesiumtaurat mit 1.000 mg enthält rund 900 mg Taurin, also weniger als die niedrigste Studiendosis. Wer die Taurin-Effekte sucht, findet sie in diesen Präparaten kaum.
Was das zusammen bedeutet
Magnesiumtaurat liefert zwei Stoffe, die einzeln jeweils einen kleinen, belegten Effekt auf den Blutdruck haben. Ob die Verbindung besser aufgenommen wird oder mehr wirkt als Citrat plus Taurin aus der Nahrung, hat beim Menschen niemand kontrolliert gemessen. In der Beobachtungsstudie von 2026 traten keine schweren Nebenwirkungen auf.
Für Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln gilt die Höchstmengenempfehlung des BfR von 250 mg am Tag, verteilt auf zwei Portionen. Welche Menge und Form für dich sinnvoll ist, klärst du mit Ärztin oder Apotheke, besonders wenn du Blutdruckmedikamente nimmst.
Häufige Fragen
Ist Magnesiumtaurat gut fürs Herz?
Kontrolliert belegt ist das nur bei Ratten. Magnesium und Taurin senken beim Menschen den Blutdruck jeweils um 2 bis 4 mmHg.
Wirkt Magnesiumtaurat beruhigend?
Bei Mäusen und Ratten zeigte Acetyltaurat weniger Angstverhalten. Studien am Menschen fehlen.
Wie viel Magnesium steckt in Magnesiumtaurat?
Rechnerisch rund 9 Prozent. 1.000 mg Verbindung liefern etwa 90 mg Magnesium.
Magnesiumtaurat oder Citrat?
Für Citrat gibt es kontrollierte Aufnahmestudien am Menschen, für Taurat keine. Wer belegte Daten will, ist mit Citrat besser bedient.
Kann ich Magnesiumtaurat mit Blutdruckmedikamenten nehmen?
Beide Bausteine senken den Blutdruck leicht. Sprich vorher mit deiner Ärztin.
Ist Taurin gefährlich?
In den Meta-Analysen wurden bei 1 bis 6 g täglich keine Nebenwirkungen berichtet. Eine Dosis für dich legt die Ärztin fest.
Quellen
- Shrivastava P et al.: Magnesium taurate attenuates progression of hypertension and cardiotoxicity against cadmium chloride-induced hypertensive albino rats. J Tradit Complement Med 2019 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- Uysal N et al.: Timeline (bioavailability) of magnesium compounds in hours: which magnesium compound works best? Biol Trace Elem Res 2019 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- Ates M et al.: Dose-dependent absorption profile of different magnesium compounds. Biol Trace Elem Res 2019 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- Dereli S: Effects of magnesium taurate-potassium citrate on blood pressure and vascular stiffness in low-risk adults with elevated blood pressure. Magnesium Research 2026 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- Zhang X et al.: Effects of magnesium supplementation on blood pressure: a meta-analysis of randomized double-blind placebo-controlled trials. Hypertension 2016 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- Waldron M et al.: The effects of oral taurine on resting blood pressure in humans: a meta-analysis. Curr Hypertens Rep 2018 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- Tzang CC et al.: Insights into the cardiovascular benefits of taurine: a systematic review and meta-analysis. Nutr J 2024 (PubMed), abgerufen am 10.09.2026
- National Institutes of Health: Magnesium – Fact Sheet for Health Professionals, abgerufen am 10.09.2026
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln (PDF), abgerufen am 10.09.2026
Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.







