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Vitamin H Mangel: Symptome, Ursachen und wer gefährdet ist

Kurzantwort: Vitamin H ist der alte Name für Biotin, ein B-Vitamin. Ein ernährungsbedingter Mangel kommt laut BfR bei gesunden Menschen mit gemischter Kost praktisch nicht vor. Typische Zeichen laut DGE sind Hautveränderungen, Haarausfall, Bewegungsstörungen und Lethargie. Auslöser sind vor allem viel rohes Eiklar über lange Zeit, künstliche Ernährung ohne Biotinzusatz, hoher Alkoholkonsum, Rauchen, bestimmte Epilepsiemedikamente und der angeborene Biotinidasemangel, auf den jedes Neugeborene in Deutschland getestet wird.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Bei plötzlichem, ausgedehntem Haarausfall, schuppenden Hautausschlägen um Augen, Nase und Mund oder bei Krampfanfällen und Bewegungsstörungen gehe zur Ärztin. Wenn du Biotin einnimmst, sag das vor jeder Blutabnahme, weil hohe Dosen Laborwerte verfälschen können.

Wer „Vitamin H Mangel“ sucht, hat meist Haarausfall oder brüchige Nägel und ist auf ein Präparat gestoßen, das Biotin gegen genau das verspricht. Die Werbung nutzt den alten Namen, weil das H nach Haut und Haar klingt.

Die Datenlage ist ernüchternder als die Werbung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagen übereinstimmend: Die Bevölkerung in Deutschland ist über die Ernährung ausreichend versorgt, ein Mangel ist selten. Dieser Text erklärt, wann er trotzdem entsteht, woran du ihn erkennst und was hochdosiertes Biotin mit deinen Laborwerten macht.

Was Vitamin H ist

Vitamin H, Vitamin B7 und Biotin bezeichnen denselben Stoff. 1931 gab der Arzt Paul György dem Faktor, der Hautschäden nach dem Verzehr von rohem Eiklar verhindert, den Namen Vitamin H. 1940 zeigte er, dass Vitamin H und das schon bekannte Biotin identisch sind.

Biotin ist ein wasserlösliches B-Vitamin und arbeitet als Coenzym im Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel. Es ist laut BfR an der Fettsäuresynthese, am Abbau bestimmter Aminosäuren, an der Regulation der Genexpression und an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt. Die DGE nennt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr 40 µg am Tag für Jugendliche und Erwachsene, 45 µg für Stillende.

Wie selten ein Mangel ist

Laut Nationaler Verzehrsstudie II nehmen Frauen in Deutschland im Median etwa 36 bis 42 µg Biotin am Tag auf, Männer 43 bis 48 µg. Der Schätzwert wird also erreicht oder überschritten. Das BfR schreibt in seiner FAQ vom 21. Mai 2026: Ein ernährungsbedingter Biotinmangel kommt bei gesunden Menschen mit gemischter Ernährung praktisch nicht vor.

Ein Grund dafür ist die breite Verteilung des Vitamins. Es steckt in Leber und Niere, Haferflocken, Sojabohnen, Linsen, Pilzen, Eigelb, Nüssen und Sonnenblumenkernen. Milch und Milchprodukte enthalten weniger, tragen aber wegen der verzehrten Menge laut DGE stark zur Versorgung bei. Aus Lebensmitteln nimmt der Körper etwa 50 Prozent des Biotins auf, aus Präparaten fast 100 Prozent.

Symptome eines Biotinmangels

Die DGE beschreibt als Folgen eines Mangels Wachstumsverzögerung, Hautveränderungen, Haarausfall, neurologische Störungen wie Bewegungsstörungen und Lethargie sowie Störungen des Immunsystems. Wikipedia ergänzt aus der Fachliteratur Depressionen, extreme Mattigkeit, Muskelschmerzen, Fehlempfindungen und Appetitlosigkeit.

Keines dieser Zeichen ist spezifisch. Haarausfall hat Dutzende Ursachen, von Eisenmangel über Schilddrüsenstörungen bis zu Hormonumstellungen. Brüchige Nägel ebenso. Ob Biotin fehlt, lässt sich im Blut oder Urin messen, allerdings gibt es laut DGE weder einheitliche Analysemethoden noch einheitliche Beurteilungskriterien. In der Praxis zählt deshalb die Vorgeschichte, also einer der Auslöser aus dem nächsten Abschnitt.

Ursachen und Risikogruppen

Rohes Eiklar

Rohes Eiklar enthält das Protein Avidin. Es bindet Biotin so fest, dass der Darm es nicht mehr aufnehmen kann. Beim Erhitzen verliert Avidin diese Eigenschaft. Ein Mangel entsteht laut BfR nur bei sehr hohem Konsum von rohem Eiweiß über lange Zeit, etwa durch tägliche Eiweiß-Shakes aus rohen Eiern. Gekochte Eier sind dagegen eine gute Biotinquelle.

Medikamente, Alkohol, Rauchen

Laut DGE behindern hoher Alkoholkonsum und Rauchen die Aufnahme, Antikonvulsiva gegen Epilepsie beschleunigen den Abbau. Wer solche Medikamente dauerhaft nimmt, bespricht die Versorgung mit der behandelnden Ärztin; ein eigenmächtiges Präparat ist wegen der Laborinterferenz keine gute Idee.

Künstliche Ernährung

Wer lange über eine Sonde oder Infusion ernährt wird, bekommt Biotin normalerweise zugesetzt. Fehlt der Zusatz, kann ein Mangel entstehen. Das regelt die Klinik, ein Präparat aus der Drogerie spielt hier keine Rolle.

Biotinidasemangel

Das Enzym Biotinidase löst Biotin aus der Eiweißbindung. Fehlt es angeboren, entsteht ein Mangel trotz normaler Ernährung. Die DGE nennt eine Häufigkeit von etwa 1:80.000, deutsche Screening-Berichte fanden höhere Raten. Folgen ohne Behandlung: Hör- und Sehstörungen, Entwicklungsstörungen, Haarausfall, Krämpfe, im schlimmsten Fall ein tödlicher Verlauf. Deshalb gehört der Test zum Neugeborenenscreening in Deutschland. Betroffene bekommen lebenslang Biotin in Milligramm-Dosen, laut DGE 5 bis 20 mg am Tag, verordnet durch ein Stoffwechselzentrum.

Biotin-Präparate und Labortests

Eine Überdosierung ist nicht bekannt. Die DGE nennt bis 20 mg am Tag ohne nachteilige Effekte, das BfR hat deshalb auf eine Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln verzichtet. Trotzdem gibt es ein Risiko, und das ist gut belegt.

Viele Labortests, sogenannte Immunoassays, nutzen die Bindung zwischen Biotin und dem Protein Streptavidin. Nimmst du Biotin in hoher Dosis, konkurriert es mit den Testreagenzien. Je nach Testaufbau fällt der Wert falsch hoch oder falsch niedrig aus. Das BfArM beschrieb 2019 in einem Rote-Hand-Brief einen Patienten unter Hochdosis-Biotin, bei dem ein falsch niedriger Troponinwert einen Herzinfarkt verschleierte. Auch Schilddrüsenwerte sind betroffen: falsch hohe T3- und T4-Werte, falsch niedriges TSH, was wie eine Überfunktion aussieht.

Laut BfR traten die Probleme in den meisten Fällen ab 150 µg Biotin pro Tag auf. Viele Präparate für Haare und Nägel enthalten 5.000 µg oder mehr, also über das Dreißigfache. Das BfR empfiehlt einen Hinweis auf der Packung, dass du vor Laboruntersuchungen die Ärztin oder das Labor über die Einnahme informierst. Wer eine Blutabnahme vor sich hat, setzt das Präparat nach Rücksprache rechtzeitig ab.

Hilft Biotin gegen Haarausfall?

Die EFSA hat zwei Aussagen zugelassen: „Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei“ und „Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“. Eine Aussage zu Nägeln hat sie abgelehnt, weil die Studien nicht ausreichten. Das BfR betont, dass diese Claims nichts über einen Nutzen von Präparaten sagen, weil die Bevölkerung ohnehin genug Biotin aufnimmt.

Die DGE formuliert es direkt: Durch eine Einnahme über den Schätzwert hinaus lässt sich die Struktur von Fingernägeln und Haaren nicht verbessern. Ein Präparat hilft nur, wenn tatsächlich ein Mangel besteht, und der ist selten.

Häufige Fragen

Ist Vitamin H dasselbe wie Biotin?

Ja. Vitamin H, Vitamin B7 und Biotin sind drei Namen für denselben Stoff.

Wie viel Vitamin H braucht man am Tag?

Die DGE nennt einen Schätzwert von 40 µg für Jugendliche und Erwachsene, 45 µg für Stillende. Die übliche Ernährung in Deutschland liefert das laut Verzehrsstudie.

Woran erkenne ich einen Vitamin-H-Mangel?

An Hautveränderungen, Haarausfall, Mattigkeit und Bewegungsstörungen, aber nur zusammen mit einem Auslöser wie rohem Eiklar, Antiepileptika oder starkem Alkoholkonsum. Ohne Auslöser ist ein Mangel unwahrscheinlich.

Kann man Biotin überdosieren?

Nachteilige Effekte sind laut DGE bis 20 mg am Tag nicht bekannt. Das Risiko liegt woanders: Ab etwa 150 µg täglich können Laborwerte wie Troponin oder TSH verfälscht sein.

Welche Lebensmittel enthalten viel Biotin?

Leber, Niere, Haferflocken, Sojabohnen, Linsen, Pilze, Eigelb, Nüsse und Sonnenblumenkerne. Die DGE rechnet vor, dass 200 g gegarte Champignons allein rund 29 µg liefern.

Warum wird beim Neugeborenenscreening auf Biotin getestet?

Getestet wird auf Biotinidasemangel, eine angeborene Störung. Früh erkannt und mit Biotin behandelt, bleiben Folgeschäden aus; unbehandelt kann sie tödlich verlaufen.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.


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