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Kurzantwort: Magnesium steht in der Migräne-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als vorbeugende Option mit geringerem Wissensstand, genannt wird eine Dosis von 2 × 300 mg am Tag. Die Leitlinie stuft die erwartete Wirkung als eher gering ein, die Verträglichkeit als sehr gut. Diese Menge liegt über der Höchstmenge von 250 mg, die das BfR für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt. Ob und wie lange du Magnesium gegen Migräne nimmst, besprichst du deshalb mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei einem schlagartig einsetzenden, noch nie erlebten Kopfschmerz, bei Kopfschmerz mit Fieber und steifem Nacken oder mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, die anders verlaufen als deine gewohnte Aura, gehe sofort in die Notaufnahme. Die Leitlinie verlangt bei Kopfschmerzen mit ungewöhnlichem Verlauf eine Bildgebung, um zum Beispiel eine Hirnblutung auszuschließen.
Magnesium gehört zu den am häufigsten empfohlenen Mitteln gegen Migräne. Die Frage ist, ob es die Zahl der Attacken tatsächlich senkt.
Die Antwort steht in der Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ (AWMF-Register 030/057, Version 7.1, Stand 8. August 2025) und in den Studien, auf die sie sich stützt.
Was die deutsche Leitlinie sagt
Die Leitlinie der DGN und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft führt Magnesium unter „Weitere Substanzen“ zur Migräneprophylaxe. Sie fasst die Datenlage so zusammen: Die Studiendaten sind nicht völlig schlüssig, die Reduktion der Attackenfrequenz ist nicht sehr ausgeprägt, Akzeptanz und Verträglichkeit sind im Alltag sehr gut. Höhere Dosierungen werden wegen Durchfall nicht immer erreicht.
Ihr Fazit: Magnesium eignet sich für Menschen, die keine Prophylaxe mit einem dafür zugelassenen Medikament wünschen. Die Patientenleitlinie vom September 2025 nennt dafür 2 × 300 mg am Tag und stellt Magnesium neben Vitamin B2 und Coenzym Q10 als Nahrungsergänzungsmittel mit Wirkung, aber geringer wissenschaftlicher Gewissheit.
Die zwei Studien aus dem Jahr 1996
Fast alles, was zu Magnesium und Migräne belegt ist, geht auf zwei Studien zurück, die 1996 in der Fachzeitschrift Cephalalgia erschienen.
Die Studie von Peikert und Kollegen behandelte 81 Patientinnen und Patienten mit durchschnittlich 3,6 Attacken im Monat. Nach vier Wochen Beobachtung bekamen sie zwölf Wochen lang 600 mg Magnesium als Trimagnesiumdicitrat oder Placebo. In den Wochen 9 bis 12 sank die Attackenhäufigkeit unter Magnesium um 41,6 Prozent, unter Placebo um 15,8 Prozent. Auch die Migränetage und der Verbrauch an Akutmedikamenten gingen zurück. Nebenwirkungen: Durchfall bei 18,6 Prozent, Magenreizung bei 4,7 Prozent.
Die Studie von Pfaffenrath und Kollegen fand nichts. 69 Teilnehmende erhielten zwölf Wochen lang zweimal täglich 10 mmol Magnesium (etwa 2 × 243 mg) oder Placebo. In beiden Gruppen sprachen genau 10 Personen an, 28,6 gegenüber 29,4 Prozent. Die Studie wurde nach der Zwischenauswertung abgebrochen. 45,7 Prozent der Magnesiumgruppe meldeten weichen Stuhl oder Durchfall, in der Placebogruppe waren es 23,5 Prozent.
Der Fachbericht des US-amerikanischen NIH zu Magnesium deutet den Unterschied so: In der negativen Studie könnte das Magnesium wegen der vielen Durchfälle schlecht aufgenommen worden sein.
Meta-Analyse und US-Leitlinie
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2016 (Chiu und Kollegen, Pain Physician) wertete 10 Studien mit 789 Teilnehmenden zu oralem Magnesium aus. Ergebnis: Magnesium senkte Häufigkeit und Intensität der Migräne, mit Odds Ratios von 0,20 und 0,27. Die Autoren merken an, dass einige der Studien keine saubere Randomisierung hatten.
Die American Academy of Neurology und die American Headache Society stuften Magnesium 2012 als „wahrscheinlich wirksam“ zur Migräneprophylaxe ein, Evidenzstufe B, dieselbe Stufe wie Vitamin B2 und Mutterkraut.
Dosis, Verträglichkeit und die Höchstmengen-Frage
Die Studiendosis von 600 mg am Tag liegt deutlich über dem, was Behörden für Nahrungsergänzungsmittel empfehlen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt 250 mg am Tag als Höchstmenge und rät, diese Menge auf zwei oder mehr Portionen zu verteilen. In den USA liegt die tolerierbare Obergrenze für Magnesium aus Präparaten bei 350 mg.
Der NIH-Bericht zieht daraus eine klare Folgerung: Weil die typische Migräne-Dosis über der Obergrenze liegt, gehört diese Anwendung unter ärztliche Aufsicht. Das gilt besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Die häufigste Nebenwirkung ist Durchfall. Wer ihn bekommt, kann die Dosis aufteilen, zum Essen einnehmen oder mit der Ärztin über eine besser lösliche Form sprechen. Das NIH nennt Citrat, Aspartat, Laktat und Chlorid als Formen mit höherer Bioverfügbarkeit als Oxid und Sulfat.
Kombination mit Vitamin B2 und Coenzym Q10
Eine feste Kombination aus 2 × 75 mg Coenzym Q10, 2 × 300 mg Magnesium und 2 × 200 mg Vitamin B2 wurde gegen Placebo getestet. Laut Patientenleitlinie reduzierte sie die Schwere der Attacken, die Häufigkeit dagegen nicht. Vitamin B2 in dieser Dosis färbt den Urin intensiv gelb.
Wann eine Prophylaxe überhaupt sinnvoll ist
Die Leitlinie nennt Gründe für eine vorbeugende Behandlung: hohe Attackenfrequenz, starker Leidensdruck, Einschränkung der Lebensqualität, schlechte Wirkung der Akuttherapie oder das Risiko, durch zu häufige Schmerzmittel einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch zu entwickeln. Die Grenze dafür liegt je nach Medikament bei 10 oder 15 Einnahmetagen im Monat.
Für jede Prophylaxe gilt: Die Wirkung kommt bei unspezifischen Substanzen verzögert. Führe ein Kopfschmerztagebuch, prüfe nach 2 bis 3 Monaten in der Zieldosis, ob sich etwas bessert, und bewerte nach 6 bis 12 Monaten neu, ob die Behandlung noch nötig ist. Ausdauersport, Entspannungsverfahren und Biofeedback gehören laut Leitlinie immer dazu.
In der Schwangerschaft hält die Leitlinie orales Magnesium im Bereich der ohnehin empfohlenen 300 mg täglich für vertretbar. Bei Kindern und Jugendlichen sollen nicht-medikamentöse Verfahren bevorzugt werden; Belege für Magnesium gibt es in dieser Altersgruppe nicht.
Häufige Fragen
Wie viel Magnesium bei Migräne?
Die Patientenleitlinie nennt 2 × 300 mg am Tag. Das ist mehr als die 250 mg, die das BfR für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt. Deshalb gehört die Entscheidung zu deiner Ärztin.
Wie lange dauert es, bis Magnesium bei Migräne wirkt?
In der positiven Studie zeigte sich der Effekt in den Wochen 9 bis 12. Die Leitlinie empfiehlt, jede Prophylaxe nach 2 bis 3 Monaten in der Zieldosis zu bewerten.
Welches Magnesium bei Migräne?
Die Studie mit positivem Ergebnis verwendete Trimagnesiumdicitrat. Die Leitlinie nennt keine bestimmte Form. Laut NIH werden Citrat, Laktat, Aspartat und Chlorid besser aufgenommen als Oxid und Sulfat.
Hilft Magnesium auch während einer Attacke?
Die Meta-Analyse von 2016 fand eine Wirkung von intravenösem Magnesium in der Akutbehandlung, das ist eine Klinikmaßnahme. Für Tabletten während der Attacke gibt es keinen Beleg, die Leitlinie nennt Magnesium nur zur Vorbeugung.
Ist Magnesiummangel die Ursache von Migräne?
Laut NIH haben Menschen mit Migräne niedrigere Magnesiumspiegel in Serum und Gewebe als Menschen ohne Migräne. Das belegt einen Zusammenhang. Ob der Mangel die Migräne auslöst, ist damit offen. Der Normbereich im Serum liegt bei 0,75 bis 0,95 mmol/l; ein Blutbild zeigt, ob du darunter liegst.
Quellen
- AWMF/DGN/DMKG — Patientenleitlinie „Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten“, 1. Auflage September 2025 (PDF), abgerufen am 11.09.2026
- AWMF/DGN — S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, Langfassung Version 7.1, Stand 08.08.2025 (PDF), abgerufen am 11.09.2026
- Peikert A, Wilimzig C, Köhne-Volland R — Prophylaxis of migraine with oral magnesium, Cephalalgia 1996 (PubMed, PMID 8792038), abgerufen am 11.09.2026
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements — Magnesium: Fact Sheet for Health Professionals, Stand 06.01.2026, abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.







