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Kurzantwort: Die Migräne-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Version 7.1, 2025) nennt vier Nahrungsergänzungsmittel mit einer Wirksamkeit in der Vorbeugung: Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Coenzym Q10 und Pestwurz. Die wissenschaftliche Evidenz stuft sie als gering ein. Belegt sind die Effekte in kleinen Studien: 400 mg Riboflavin täglich halbierten bei 59 Prozent der Teilnehmer die Kopfschmerztage, 3 × 100 mg Q10 bei 47,6 Prozent. Pestwurz ist wegen Leberschäden in Deutschland nicht mehr als Arzneimittel erhältlich. Mutterkraut als CO2-Extrakt war in zwei Studien wirksam. Alle anderen Präparate sind laut Leitlinie unwirksam.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Migränemedikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei einem schlagartig einsetzenden, noch nie erlebten Kopfschmerz, bei Kopfschmerz mit Fieber und steifem Nacken oder mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, die anders verlaufen als deine gewohnte Aura, gehe sofort in die Notaufnahme. Wer Triptane oder Kombinationsschmerzmittel an 10 oder mehr Tagen im Monat nimmt, riskiert laut Leitlinie einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch und sollte das ärztlich klären.
Wer Migräne hat und keine Betablocker oder Antikörper nehmen möchte, landet schnell bei Nahrungsergänzungsmitteln. Die Auswahl ist groß, die Studienlage dünn. Hier steht, was die deutsche Leitlinie und die zugrunde liegenden Studien belegen.
Die Grundlage ist die S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ der DGN und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (AWMF-Register 030/057, Version 7.1, Stand 8. August 2025).
Was die Leitlinie zusammenfasst
Im Kapitel zu Medikamenten mit geringerer Evidenz steht der entscheidende Satz: „Nahrungsergänzungsmittel mit einer Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe umfassen Magnesium, Pestwurz, Riboflavin und Coenzym Q10. Die wissenschaftliche Evidenz ist aber gering.“
In der Übersichtstabelle zur Prophylaxe stehen Magnesium sowie die Kombination aus Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 in der Spalte „Medikamente mit geringerer Evidenzlage“, neben Opipramol, Venlafaxin, ACE-Hemmern und Sartanen. Sie sind als Zusatz oder Alternative zur medikamentösen und nicht medikamentösen Prophylaxe gedacht.
Für alle anderen Präparate ist die Leitlinie im Kapitel 11 deutlich: „Nahrungsergänzungsstoffe und Probiotika sind in der Prophylaxe der Migräne nicht wirksam.“ Vitamin B12 wurde nur in einer offenen Studie mit 20 Patienten geprüft, Vitamin D nur in Kombination mit Simvastatin. Beides taugt laut Leitlinie nicht als Nachweis.
Vitamin B2: 400 mg am Tag
Die wichtigste Studie stammt von Schoenen und Kollegen (Neurology, 1998). 55 Migränepatienten bekamen drei Monate lang 400 mg Riboflavin oder Placebo. Riboflavin senkte Attackenhäufigkeit und Kopfschmerztage signifikant. Der Anteil der Patienten, bei denen sich die Kopfschmerztage mindestens halbierten, lag bei 59 Prozent unter Riboflavin und bei 15 Prozent unter Placebo. Die Number needed to treat betrug 2,3.
Die Leitlinie ordnet das ein: Es liegen nur kleinere placebokontrollierte Studien vor, beide von derselben Autorengruppe. Als Nebenwirkung wird eine intensive Gelbfärbung des Urins beschrieben, darüber hinaus keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder Kontraindikationen. Die Tagesdosis in der Leitlinie: 2 × 200 mg.
Das BfR hat für Vitamin B2 in Nahrungsergänzungsmitteln seit 2021 keine Höchstmenge festgelegt. Die Studiendosis liegt trotzdem weit über dem, was ein normales Präparat enthält, und gehört in ärztliche Absprache.
Coenzym Q10: 3 × 100 mg
Sándor und Kollegen (Neurology, 2005) verglichen 3 × 100 mg Coenzym Q10 täglich mit Placebo bei 42 Migränepatienten. Im dritten Behandlungsmonat war Q10 bei Attackenhäufigkeit, Kopfschmerztagen und Tagen mit Übelkeit überlegen. Die Rate der Patienten mit mindestens halbierter Attackenzahl lag bei 47,6 Prozent unter Q10 und 14,4 Prozent unter Placebo. Number needed to treat: 3.
Die Leitlinie nennt aber auch die Gegenstudie: Bei Kindern und Jugendlichen zeigte Q10 in einer doppelblinden Studie keine Überlegenheit gegenüber Placebo. Für Erwachsene bleibt es bei einer einzigen kleinen positiven Studie.
Magnesium: 600 mg als Citrat
Magnesium ist das am häufigsten eingesetzte Mittel, laut Leitlinie wegen der wenigen Nebenwirkungen. Die Datenlage ist gemischt. Eine Studie mit 2 × 10 mmol täglich fand keine Wirkung: 28,6 Prozent Responder unter Magnesium, 29,4 Prozent unter Placebo. Eine Studie mit 81 Patienten und 600 mg Trimagnesiumdicitrat fand in den Wochen 9 bis 12 eine Abnahme der Attacken um 41,6 Prozent gegenüber 15,8 Prozent unter Placebo. Nebenwirkungen: Durchfall bei 18,6 Prozent.
Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 mg Magnesium pro Tag, verteilt auf mehrere Portionen. Die Studiendosis von 600 mg liegt weit darüber und gehört in ärztliche Absprache.
Pflanzliche Extrakte: Pestwurz und Mutterkraut
Pestwurzextrakt hat laut Leitlinie seine Wirksamkeit in zwei placebokontrollierten Studien belegt. In der größeren mit 245 Patienten senkte 2 × 75 mg die Attackenzahl um 48 Prozent, Placebo um 26 Prozent. Trotzdem: „In extrem seltenen Fällen kam es in der Vergangenheit zu schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen. Die Substanz Pestwurzextrakt ist in Deutschland und Österreich nicht mehr als Arzneimittel erhältlich.“ Wer Pestwurz im Internet bestellt, umgeht diese Sicherheitsentscheidung.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium) war laut Leitlinie als CO2-Extrakt in zwei Studien wirksam und ist in dieser Form in Deutschland wieder erhältlich. Andere Zubereitungen sind nicht untersucht. Das Cochrane-Review von Wider und Kollegen (2015) fasst sechs Studien mit 561 Patienten zusammen. Die größte und methodisch beste mit 218 Teilnehmern fand eine Abnahme von 4,8 auf 2,9 Attacken pro Monat unter Mutterkraut, gegenüber 4,8 auf 3,5 unter Placebo. Die älteren Studien waren zu uneinheitlich für eine gemeinsame Auswertung.
Häufige Fragen
Welches Nahrungsergänzungsmittel hilft am besten bei Migräne?
Die Leitlinie stellt Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 gleichrangig als Optionen mit geringer Evidenz dar. Die Responderraten in den Einzelstudien lagen bei 59 Prozent (B2), 47,6 Prozent (Q10) und 41,6 Prozent Attackenreduktion (Magnesium).
Kann ich B2, Q10 und Magnesium kombinieren?
Ja, die Kombination ist in Deutschland als Produkt erhältlich und steht in der Leitlinientabelle. In der zugehörigen Studie senkte sie die Schwere der Attacken, aber nicht ihre Häufigkeit.
Wie lange dauert es, bis Vitamin B2 wirkt?
In der Studie von Schoenen zeigte sich der Effekt innerhalb der dreimonatigen Behandlung. Die Leitlinie sieht für eine Prophylaxe eine Therapiedauer von 6 bis 12 Monaten vor, danach wird die Notwendigkeit geprüft.
Ist Pestwurz gefährlich?
Die Leitlinie berichtet von extrem seltenen schweren Leberfunktionsstörungen. Deshalb ist Pestwurz in Deutschland und Österreich nicht mehr als Arzneimittel erhältlich.
Hilft Vitamin D gegen Migräne?
Nicht belegt. Die einzige Studie kombinierte Vitamin D mit Simvastatin, der Effekt von Vitamin D allein lässt sich daraus nicht ablesen. Im klinischen Alltag ließ sich das Ergebnis laut Leitlinie nicht bestätigen.
Ersetzen diese Präparate eine Prophylaxe mit Medikamenten?
Nein. Sie stehen in der Leitlinie als Zusatz oder Alternative für Menschen, die keine Medikamente mit hoher Evidenz nehmen möchten oder können.
Quellen
- AWMF/DGN/DMKG — S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, Langfassung Version 7.1, Stand 08.08.2025 (PDF), abgerufen am 11.09.2026
- Schoenen J, Jacquy J, Lenaerts M — Effectiveness of high-dose riboflavin in migraine prophylaxis. A randomized controlled trial, Neurology 1998 (PMID 9484373), abgerufen am 11.09.2026
- Sándor PS et al. — Efficacy of coenzyme Q10 in migraine prophylaxis: a randomized controlled trial, Neurology 2005 (PMID 15728298), abgerufen am 11.09.2026
- Wider B, Pittler MH, Ernst E — Feverfew for preventing migraine, Cochrane Database of Systematic Reviews 2015 (PMID 25892430), abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.







