02021 0635 (2) Sauerkraut with salmon

Nahrungsergänzung für Gelenke: Was die EU als belegt anerkennt

Kurzantwort: Für Gelenke erlaubt die EU nur wenige Aussagen: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Knorpelfunktion bei, Mangan zu einer normalen Bindegewebsbildung, Kupfer zur Erhaltung von normalem Bindegewebe. Für Glucosamin und Kollagenhydrolysat hat die EFSA die beantragten Gelenk-Aussagen abgelehnt, weil kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegt war. Eine kleine Studie mit 139 Sportlern fand unter 5 g Kollagenpeptiden weniger Knieschmerz bei Belastung, der Unterschied zu Placebo war knapp. Wer die drei Nährstoffe mit Angabe über die Ernährung deckt, braucht kein Präparat.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Gelenkschmerzen, die länger als zwei Wochen anhalten, gehören abgeklärt, bevor du Präparate ausprobierst. Bei einem heißen, geschwollenen, geröteten Gelenk, bei Fieber oder wenn du ein Gelenk nicht mehr belasten kannst, gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme. Wer Cumarin-Blutverdünner wie Phenprocoumon nimmt, sollte laut BfR auf Glucosamin verzichten.

Kaum ein Regal in der Drogerie ist so voll wie das für Gelenke. Glucosamin, Chondroitin, Kollagen, Hyaluronsäure, MSM, Hagebutte, dazu Vitamin C, D und Mangan. Was davon als belegt gilt, entscheidet in Europa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Dieser Text sortiert die Präparate nach dem, was die EFSA geprüft hat. Es geht um gesunde Gelenke und Vorbeugung. Zur Arthrose als Krankheit gibt es eine eigene Leitlinie, die Glucosamin ausdrücklich nicht empfiehlt.

Welche Aussagen die EU erlaubt

Seit 2012 dürfen Hersteller nur Gesundheitsaussagen verwenden, die in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 stehen. Jede davon hat die EFSA vorher wissenschaftlich geprüft. Für Gelenke, Knorpel und Bindegewebe sind das genau drei Nährstoffe:

  • Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Knorpelfunktion bei.
  • Mangan trägt zu einer normalen Bindegewebsbildung bei.
  • Kupfer trägt zur Erhaltung von normalem Bindegewebe bei.

Dazu kommen Angaben, die Knochen und Muskeln betreffen: Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen und einer normalen Muskelfunktion bei, ebenso Calcium und Vitamin K für die Knochen. Das Wort „Gelenk“ kommt in keiner zugelassenen Angabe vor.

Wichtig ist das Wort „normal“. Die Angaben beschreiben, was ein Nährstoff im gesunden Körper tut. Sie bedeuten nicht, dass mehr davon die Gelenke stärkt. Wer ausreichend Vitamin C isst, hat durch eine Extraportion keinen zusätzlichen Knorpeleffekt.

Glucosamin: bei der EFSA durchgefallen

Für Glucosamin hat ein Hersteller 2011 die Angabe „trägt zur Erhaltung eines normalen Gelenkknorpels bei“ beantragt. Die EFSA hat den Antrag 2012 geprüft und abgelehnt. Ihre Begründung: Es wurden keine Studien an Menschen ohne Arthrose vorgelegt, aus denen sich ein Effekt auf den Knorpelerhalt ableiten ließe. Die Tier- und Laborstudien stufte sie als schwache Belege ein. Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang sei nicht nachgewiesen.

Dazu kommt ein Sicherheitsaspekt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt in seiner Stellungnahme 004/2010 drei Gruppen, für die Glucosamin ein Risiko sein kann: Diabetiker, Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiko und Personen, die Cumarin-Blutverdünner nehmen. Für die letzte Gruppe empfiehlt das BfR den Verzicht.

Kollagen: eine abgelehnte Angabe und eine kleine Studie

Kollagenhydrolysat ist der Klassiker unter den Gelenkpräparaten. Der Hersteller Gelita hat 2011 bei der EFSA die Angabe „Erhaltung der Gelenkgesundheit“ für körperlich aktive Menschen beantragt. Vorgelegt wurden drei Studien am Menschen, eine Tierstudie und zwei Laborstudien.

Die EFSA hat die zentrale Studie mit 147 Sportstudierenden genau angesehen. Sie hatte 15 Parameter zu Gelenkschmerz und Beschwerden gemessen. Nach Korrektur für die vielen Vergleiche gab es bei keinem einzigen einen signifikanten Unterschied zu Placebo. Das Urteil: Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Kollagenhydrolysat und dem Erhalt der Gelenke ist nicht belegt.

Seitdem gibt es eine weitere Studie. Zdzieblik und Kollegen (2017) gaben 139 sportlich aktiven Personen mit funktionellen Knieschmerzen zwölf Wochen lang 5 g spezifische Kollagenpeptide oder Placebo. Der Schmerz bei Belastung nahm auf einer 100-Punkte-Skala um 19,5 Punkte ab, unter Placebo um 13,9 Punkte. Der Unterschied war mit p = 0,046 knapp signifikant. In Ruhe gab es keinen Unterschied. Das ist ein Hinweis auf einen Effekt bei Beschwerden. Für gesunde Gelenke belegt es nichts, und die Studie lief mit einem Hersteller-Produkt.

Hyaluronsäure, Chondroitin, MSM

Für keinen dieser Stoffe steht eine Angabe in der EU-Verordnung. Das bedeutet: Kein Hersteller konnte der EFSA einen Nutzen für Gelenke belegen, oder es wurde gar nicht erst versucht. Hyaluronsäure wird als Spritze ins Kniegelenk medizinisch eingesetzt. Ob sie geschluckt überhaupt im Gelenk ankommt, ist eine offene Frage. Chondroitin lag in der großen GAIT-Studie bei Arthrose 5,3 Prozentpunkte über Placebo, das war nicht signifikant.

Was die Gelenke wirklich brauchen

Die drei Nährstoffe mit zugelassener Angabe steckst du ohne Präparat in den Alltag. Vitamin C liefern Paprika, Brokkoli, Zitrusfrüchte und Kartoffeln. Mangan steckt in Haferflocken, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen. Kupfer in Vollkorn, Nüssen, Kakao und Hülsenfrüchten. Wer abwechslungsreich isst, deckt alle drei ohne Präparat.

Für die Gelenke selbst gilt, was die Gonarthrose-Leitlinie mit stärkstem Empfehlungsgrad festhält: Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining sowie Normalgewicht. Jedes verlorene Gewichtsprozent bringt bei Kniearthrose rund zwei Prozent weniger Schmerz. Kein Präparat kommt an diese Zahlen heran.

Häufige Fragen

Welches Nahrungsergänzungsmittel ist gut für die Gelenke?

Mit zugelassener EU-Angabe für Knorpel und Bindegewebe: Vitamin C, Mangan und Kupfer. Alle drei deckst du normalerweise über die Ernährung.

Hilft Glucosamin gesunden Gelenken?

Die EFSA hat 2012 die Angabe zum Knorpelerhalt abgelehnt, weil keine Studien an Menschen ohne Arthrose vorlagen. Bei Arthrose empfiehlt die deutsche Leitlinie 2024 Glucosamin nicht.

Bringt Kollagen etwas für die Gelenke?

Die EFSA hat 2011 die beantragte Angabe abgelehnt. Eine Studie von 2017 fand bei Sportlern mit Knieschmerz einen knappen Vorteil bei Belastungsschmerz. Für gesunde Gelenke ist kein Nutzen belegt.

Kann ich Hyaluronsäure schlucken?

Es gibt keine zugelassene Gesundheitsangabe für Hyaluronsäure in Lebensmitteln. Ein Nutzen für Gelenke ist nach EFSA-Maßstab nicht belegt.

Wer sollte Gelenkpräparate meiden?

Laut BfR sollten Personen mit Cumarin-Blutverdünnern auf Glucosamin verzichten. Diabetiker und Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiko sollten vorher ärztlich fragen.

Was schützt Gelenke am besten?

Regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining und Normalgewicht. Beides empfiehlt die Gonarthrose-Leitlinie mit dem höchsten Empfehlungsgrad.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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