Nahrungsergänzung für Kinder: Was die DGE empfiehlt und was nicht

Kurzantwort: Gesunde Kinder, die abwechslungsreich essen, brauchen laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung keine Nahrungsergänzungsmittel. Empfohlen sind nur vier Ausnahmen im Säuglingsalter: Vitamin D (10 bis 12,5 µg täglich) bis zum zweiten Frühsommer, Fluorid (0,25 mg) bis zum ersten Zahn, Vitamin K bei den Untersuchungen U1 bis U3 und 50 µg Jod bei selbst gekochter Beikost. Vitamin-Gummibärchen und Multivitamine für Kinder haben keine Empfehlung. Die Höchstmengen des BfR für Präparate gelten erst ab 15 Jahren, Erwachsenenprodukte sind für Kinder deshalb nicht geeignet.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Gib deinem Kind kein Präparat auf Verdacht und ändere die Dosis eines verordneten Mittels nicht ohne Rücksprache mit der Kinderärztin. Bewahre Vitamin- und Eisenpräparate außer Reichweite auf, Kinder halten sie für Süßigkeiten. Bei Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, auffälliger Müdigkeit oder Muskelschwäche nach der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten gehe sofort zur Ärztin, das können Zeichen einer Überdosierung mit erhöhtem Calciumspiegel sein.

Bunte Gummibärchen mit Vitaminen, Kindersäfte mit Eisen, Multivitamin-Kautabletten: Der Markt für Kinderpräparate ist groß. Die Frage, ob ein Kind sie braucht, beantworten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ziemlich einheitlich.

Hier findest du, welche Präparate für welche Altersgruppe empfohlen sind, warum Erwachsenenprodukte für Kinder tabu sind und wie viele Jugendliche in Deutschland trotzdem Präparate nehmen.

Was die DGE für Kinder empfiehlt

Die DGE formuliert es in ihren Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln (Stand Juni 2026) so: Gesunde Personen, die sich ausgewogen ernähren, sind in der Regel ausreichend mit essenziellen Nährstoffen versorgt. Ein ungünstiges Ernährungsverhalten lässt sich durch Präparate nicht ausgleichen. Nur in bestimmten Lebenssituationen und bei einzelnen Nährstoffen ist eine gezielte Ergänzung nötig.

Für gesunde Kinder ab dem zweiten Lebensjahr, die Mischkost essen, steht in der DGE-Tabelle nur ein Eintrag: Vitamin D, 20 µg pro Tag, aber nur bei fehlender körpereigener Bildung. Das betrifft Kinder, die sich bei Sonnenschein kaum im Freien aufhalten oder deren Haut ganz bedeckt ist. Für alle anderen Nährstoffe gibt es bei gesunden Kindern keine Empfehlung.

Die vier Ausnahmen im Säuglingsalter

Im ersten Lebensjahr sieht das anders aus. Hier empfiehlt die DGE vier Präparate, die in Deutschland Standard sind:

  • Vitamin D: 400 bis 500 Internationale Einheiten (10 bis 12,5 µg) täglich ab der ersten Lebenswoche bis zum zweiten erlebten Frühsommer. Säuglinge sollen keine direkte Sonne abbekommen, und Muttermilch enthält kaum Vitamin D. Ohne Präparat droht Rachitis.
  • Vitamin K: je 2 mg als Tropfen bei den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3. Neugeborene haben keine ausreichenden Vitamin-K-Speicher, das Präparat beugt inneren Blutungen vor.
  • Fluorid: 0,25 mg täglich bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns, meist als Kombitablette mit Vitamin D. Danach hängt es davon ab, ob fluoridhaltige Zahnpasta verwendet wird.
  • Jod: 50 µg täglich, wenn die Beikost selbst gekocht wird. Pflanzliche Beikost ist jodarm, und Salz gehört nicht in Säuglingsnahrung.

Alle vier verordnet oder bespricht die Kinderärztin bei den Vorsorgeuntersuchungen. Du musst nichts selbst kaufen und dosieren.

Warum Erwachsenenpräparate nichts für Kinder sind

Das BfR hat 2024 seine Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln aktualisiert. Diese Höchstmengen gelten ausdrücklich für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene. Die Begründung: Kinder unter 15 Jahren haben deutlich niedrigere tolerierbare Aufnahmemengen. Hätte das BfR sie berücksichtigt, wären keine sinnvollen Höchstmengen für Erwachsene mehr möglich gewesen.

Ein Beispiel ist Vitamin D. Die EFSA hat 2023 als tolerierbare Obergrenze für Erwachsene 100 µg pro Tag festgelegt, für Kinder von 1 bis 10 Jahren 50 µg, für Säuglinge unter sechs Monaten 25 µg. Ein Erwachsenenpräparat mit 50 µg schöpft bei einem Grundschulkind die Obergrenze also allein aus, bevor Sonne und Ernährung dazukommen.

Für Kinderprodukte hat das BfR keine eigenen Höchstmengen abgeleitet. Was auf einer Packung Gummibärchen steht, hat der Hersteller festgelegt.

Wie viele Jugendliche Präparate nehmen

Das Robert Koch-Institut hat in der Ernährungsstudie EsKiMo II (2015 bis 2017) 1.356 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren befragt. 16,4 Prozent hatten in den vier Wochen davor ein Nahrungsergänzungsmittel genommen. Am häufigsten Vitamin C und Magnesium, der häufigste Grund war „die Gesundheit verbessern“. Sportlich aktive Jugendliche griffen öfter zu Präparaten, übergewichtige seltener.

Gegenüber der ersten EsKiMo-Studie von 2006 ist der Anteil leicht gesunken, damals waren es 18,5 Prozent.

Vegetarisch oder vegan aufwachsende Kinder

Bei ovo-lacto-vegetarischer Ernährung lassen sich laut DGE die meisten Nährstoffe über eine bewusste Lebensmittelauswahl decken. Vitamin B12 sollte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.

Bei veganer Ernährung ist Vitamin B12 als Präparat Pflicht. Für Kinder und Jugendliche schreibt die DGE ausdrücklich, dass die Höhe der Supplementation individuell mit der Kinderärztin abgesprochen werden soll. Das gilt auch für Jod, wenn wenig jodhaltige Lebensmittel gegessen werden.

Was das für dich bedeutet

Ein gesundes Kind, das isst, was auf den Tisch kommt, braucht kein Multivitamin. Wenn du unsicher bist, weil dein Kind sehr wählerisch isst, viel krank ist oder blass wirkt, ist der richtige Weg ein Gespräch mit der Kinderärztin und bei Bedarf ein Blutbild. Ein nachgewiesener Mangel wird gezielt behandelt, mit der passenden Dosis für das Alter.

Häufige Fragen

Brauchen Kinder Vitamintabletten?

Gesunde Kinder mit ausgewogener Ernährung laut DGE nicht. Ausnahmen sind die vier Präparate im Säuglingsalter und Vitamin D bei fehlender Sonnenbildung.

Sind Vitamin-Gummibärchen sinnvoll?

Es gibt keine Empfehlung dafür. Die BfR-Höchstmengen gelten erst ab 15 Jahren, für Kinderprodukte legt der Hersteller die Dosis fest.

Wie lange bekommt ein Baby Vitamin D?

Laut DGE ab der ersten Lebenswoche bis zum zweiten erlebten Frühsommer, täglich 10 bis 12,5 µg.

Darf mein Kind mein Magnesium- oder Vitamin-D-Präparat nehmen?

Nein. Die Höchstmengen für Erwachsene liegen über den tolerierbaren Mengen für Kinder. Die EFSA-Obergrenze für Vitamin D beträgt bei 1- bis 10-Jährigen die Hälfte des Erwachsenenwerts.

Braucht ein vegan ernährtes Kind Präparate?

Ja, Vitamin B12 in jedem Fall. Dosis und weitere Nährstoffe wie Jod legt laut DGE die Kinderärztin fest.

Woran erkenne ich eine Überdosierung?

Bei Vitamin D laut BfR an Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen durch einen erhöhten Calciumspiegel. Dann sofort zur Ärztin.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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