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Kurzantwort: Nahrungsergänzung in den Wechseljahren hat nach der S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause“ eine schmale Belegbasis. Isoflavone aus Soja oder Rotklee und Cimicifuga-Präparate „können“ bei Hitzewallungen angewendet werden, mit dem schwächsten Empfehlungsgrad. Am zuverlässigsten wirkt laut Cochrane-Analyse Genistein mit 30 bis 60 mg pro Tag; Isoflavone über 30 mg wirken in manchen Studien, in anderen nicht. Frauen mit Brustkrebs sollen keine Phytoöstrogene nehmen. Sicher belegt ist der Nutzen für die Knochen: 1.000 mg Calcium und 800 IE Vitamin D täglich.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Nimm Isoflavone, Cimicifuga oder Johanniskraut nicht ohne Rücksprache, wenn du an Brustkrebs erkrankt bist oder warst, Blutverdünner oder andere Dauermedikamente nimmst; Johanniskraut schwächt viele Arzneimittel ab. Ändere die Dosis eines Medikaments nie eigenmächtig. Bei Blutungen nach der Menopause, Gelbfärbung der Haut, dunklem Urin oder starken Oberbauchschmerzen unter pflanzlichen Präparaten gehe sofort zur Ärztin.
Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen: Für die Beschwerden der Wechseljahre gibt es ein ganzes Regal an Präparaten. Soja-Isoflavone, Rotklee, Traubensilberkerze, Leinsamen, Vitamin E, Omega-3. Die Frage, was davon wirkt, hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe mit anderen Fachgesellschaften in einer S3-Leitlinie beantwortet, der höchsten Leitlinienstufe.
Hier findest du die Empfehlungen dieser Leitlinie zu pflanzlichen Präparaten, die Sicherheitsbewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu Isoflavonen und die Nährstoffe, die in dieser Lebensphase unabhängig von Hitzewallungen wichtig werden.
Was die S3-Leitlinie empfiehlt
Die Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ (AWMF-Registernummer 015-062, Version 2.3, Stand Januar 2020) stellt die Hormontherapie als wirksamste Behandlung vasomotorischer Beschwerden voran. Zu den Alternativen formuliert sie eine evidenzbasierte Empfehlung: Kognitive Verhaltenstherapie, Isoflavone und Cimicifuga-Präparate können bei vasomotorischen Symptomen angewendet werden. Der Empfehlungsgrad ist 0, also die schwächste Stufe, bei Evidenzgrad 1b.
„Können“ bedeutet: Es spricht nichts dagegen, ein Nutzen ist möglich, ein sicherer Effekt ist nicht belegt. Die Leitlinie ordnet Isoflavone mit 30 bis 80 mg pro Tag, Genistein mit 30 bis 60 mg, Rotklee, Cimicifuga, Akupunktur und Johanniskraut in die Kategorie „Nutzen möglich“ bei geringem Risiko ein.
Isoflavone: Was die Studien zeigen
Die Leitlinie stützt sich auf den Cochrane-Review von Lethaby und Kollegen mit 43 Studien und 4.364 Teilnehmerinnen. Untersucht wurden sojareiche Ernährung, Sojaextrakte und Rotkleeextrakte mit jeweils mehr als 30 mg Isoflavonen pro Tag, Genistein, Leinsamen, Hopfen und andere Phytoöstrogene. Ergebnis: Genistein mit 30 bis 60 mg pro Tag zeigt die zuverlässigste Wirkung. Isoflavone über 30 mg sind in manchen Studien wirksam, in anderen nicht. Leinsamen ab 100 mg, Equol 10 mg und Rhabarberwurzel sind möglicherweise wirksam.
Ein zweiter Review mit 62 Studien und 6.653 Teilnehmerinnen fand, dass Phytoöstrogene die Häufigkeit von Hitzewallungen signifikant senken, nicht aber nächtliche Schweißausbrüche. Für Leinsamen zeigte eine Meta-Analyse mit 9 Studien nur eine Tendenz ohne Signifikanz. Zur Sicherheit fanden die meisten Studien keine Unterschiede zur Kontrollgruppe; eine Zunahme der Gebärmutterschleimhaut wurde in keiner Studie beobachtet.
Sicherheit: Die EFSA-Bewertung von 2015
Isoflavone wirken schwach östrogenartig. Deshalb prüfte die EFSA 2015 die Risiken für Brustdrüse, Gebärmutter und Schilddrüse. Ergebnis: Für Frauen nach der Menopause gab es bei den in Nahrungsergänzungsmitteln üblichen Dosen keinen Hinweis auf Schäden an diesen drei Organen. Die Aussage gilt ausdrücklich nur für die untersuchten Dosen und Einnahmedauern von drei Monaten bis knapp unter einem Jahr. Für Frauen in der Übergangsphase und für Frauen mit Krebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte fehlten Daten; für sie konnte die EFSA keine Aussage treffen.
Die Leitlinie zieht daraus eine klare Grenze: Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind oder waren, sollen keine Östrogene, keine Gestagene und keine Phytoöstrogene wie Isoflavone, Genistein, Rhabarberwurzel oder Rotklee gegen ihre Beschwerden bekommen. Als sichere Ansätze nennt sie für diese Gruppe Akupunktur, Verhaltenstherapie und Johanniskraut, letzteres mit dem Vorbehalt der Wechselwirkungen.
Traubensilberkerze: Arzneimittel statt Kapsel aus dem Regal
Cimicifuga racemosa, die Traubensilberkerze, gibt es als zugelassenes Arzneimittel und als Nahrungsergänzungsmittel. Die Leitlinie hält die Sicherheit vieler Präparate mit Cimicifuga für ungewiss, weil sich die Zubereitungen unterscheiden und Wechselwirkungen berichtet wurden. Sie rät Nutzerinnen deshalb zu registrierten Arzneimitteln, um Risiken ungeprüfter oder gepanschter Produkte zu vermeiden. Zur Leber: Eine Meta-Analyse mit 1.117 Patientinnen und eine Sicherheitsauswertung mit 13.492 Patientinnen fanden keine Hinweise auf Leberschäden durch Cimicifuga. Die Gesellschaft für Phytotherapie gab ein Sondervotum ab und empfiehlt ausschließlich zugelassene Cimicifuga-Arzneimittel.
Calcium, Vitamin D, Eisen: Die Nährstoffe hinter den Beschwerden
Mit dem Östrogenabfall beschleunigt sich der Knochenabbau. Die Leitlinie empfiehlt in ihrem Osteoporose-Kapitel eine Zufuhr von 1.000 mg Calcium und 800 IE Vitamin D täglich; Präparate sollen eingenommen werden, wenn diese Menge nicht sicher über Ernährung und Sonnenlicht erreicht wird. Laut DGE liegt der Vitamin-D-Referenzwert bei fehlender körpereigener Bildung bei 20 µg, das sind 800 IE. Calcium liefern Milchprodukte, Grünkohl, Brokkoli und calciumhaltiges Mineralwasser über 150 mg pro Liter.
Eisen ändert sich in die andere Richtung. Mit dem Ende der Menstruation sinkt der DGE-Referenzwert von 16 auf 14 mg pro Tag. Ein Eisenpräparat aus der Zeit starker Blutungen sollte nach der Menopause nicht ohne Blutbild weitergenommen werden, weil der Körper überschüssiges Eisen kaum ausscheidet.
Was ohne Beleg bleibt
Vitamin E mit 800 IE pro Tag war in einem von der Leitlinie zitierten Review bei Hitzewallungen unwirksam. Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B6, Magnesium und Nachtkerzenöl kommen in der Leitlinie nicht vor. Die EU-Liste zugelassener Gesundheitsangaben enthält für keinen Nährstoff eine Aussage zu Wechseljahresbeschwerden. Ein Hersteller darf deshalb nicht behaupten, sein Präparat lindere Hitzewallungen. Steht es trotzdem auf der Packung, ist die Angabe nicht zugelassen.
Häufige Fragen
Welche Nahrungsergänzung hilft in den Wechseljahren?
Laut S3-Leitlinie können Isoflavone und Cimicifuga bei Hitzewallungen angewendet werden, mit schwachem Empfehlungsgrad. Für die Knochen sind 1.000 mg Calcium und 800 IE Vitamin D belegt.
Wie viel Soja-Isoflavone pro Tag?
Die Leitlinie nennt 30 bis 80 mg Isoflavone oder 30 bis 60 mg Genistein pro Tag. Ob das für dich passt, klärst du mit deiner Ärztin.
Sind Isoflavone sicher?
Laut EFSA 2015 für Frauen nach der Menopause bei üblichen Dosen bis knapp ein Jahr ohne Hinweis auf Schäden. Bei Brustkrebs in der Vorgeschichte rät die Leitlinie ab.
Hilft Traubensilberkerze?
Die Leitlinie stuft sie unter „Nutzen möglich“ ein und rät zu zugelassenen Arzneimitteln statt zu Nahrungsergänzungsmitteln.
Brauche ich in den Wechseljahren mehr Vitamin D?
Der Referenzwert bleibt bei 20 µg, aber die Knochen brauchen ihn jetzt besonders. Die Leitlinie empfiehlt 800 IE täglich, bei Bedarf als Präparat.
Kann ich Johanniskraut mit anderen Medikamenten kombinieren?
Nur nach Rücksprache. Die Leitlinie nennt Wechselwirkungen unter anderem mit Blutverdünnern, Midazolam und Docetaxel.
Quellen
- AWMF — S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen, Registernummer 015-062, Version 2.3, Stand 01.01.2020, abgerufen am 11.09.2026
- EFSA — Isoflavones in food supplements for post-menopausal women: no evidence of harm (21.10.2015), abgerufen am 11.09.2026
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D, abgerufen am 11.09.2026
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Ausgewählte Fragen und Antworten zu Eisen, abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.







