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Kurzantwort: Für die Stillzeit empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Netzwerk Gesund ins Leben genau ein Präparat für alle: 100 µg Jod pro Tag, zusätzlich zu jodiertem Speisesalz. Wer selten Seefisch isst, soll die 200 mg DHA pro Tag über ein Präparat erreichen. Vegan lebende Mütter brauchen dauerhaft Vitamin B12 und eine ärztliche Begleitung. Alles andere deckt eine abwechslungsreiche Ernährung; ein Multivitamin für Stillende empfiehlt keine der beiden Institutionen.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Nimm in der Stillzeit keine hochdosierten Präparate ohne Rücksprache, und bei einer Schilddrüsenerkrankung kein Jod ohne ärztliche Freigabe. Bei Herzrasen, Zittern, starkem Schwitzen oder ungewolltem Gewichtsverlust unter einem Jodpräparat gehe zur Ärztin. Wirkt dein Baby ungewöhnlich schläfrig, schlaff oder trinkschwach, lass es sofort kinderärztlich ansehen.
Stillen kostet Energie und Nährstoffe. Trotzdem ist die Liste der Präparate, die Fachgesellschaften für diese Zeit empfehlen, kurz. Sie steht in den Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben, das die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung trägt, und in den Referenzwerten der DGE.
Hier findest du, welche Nährstoffe in der Stillzeit tatsächlich knapp werden, welches Präparat du brauchst und welche du dir sparen kannst.
Was sich am Bedarf ändert
Die DGE schätzt den Mehrbedarf an Energie bei ausschließlichem Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten auf 500 kcal pro Tag. Beim Protein steigt der Referenzwert auf 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht, das sind rund 23 g mehr am Tag.
Auch einige Vitamine und Mineralstoffe bekommen höhere Referenzwerte: Jod 230 µg statt 150 µg, Folat 450 µg statt 300 µg, Vitamin B12 5,5 µg statt 4,0 µg, Vitamin A 1.300 µg statt 700 µg Retinolaktivitätsäquivalent, Selen 75 µg statt 60 µg. Das Netzwerk Gesund ins Leben schreibt dazu: Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung deckt diesen Bedarf. Zwei Ausnahmen gibt es, und beide betreffen Nährstoffe, die in der Muttermilch direkt von der Ernährung der Mutter abhängen.
Jod: das eine Präparat für alle
Die Empfehlung lautet wörtlich: Während der Stillzeit sollten zusätzlich zu Jodsalz Jodtabletten mit 100 µg Jod pro Tag eingenommen werden. Die DGE schreibt dasselbe in die Fußnote ihres Referenzwerts. Der Grund: Stillende erreichen den Referenzwert häufig nicht, und der Jodgehalt der Muttermilch hängt von der Ernährung der Mutter ab. Schon eine milde Unterversorgung wirkt sich laut Handlungsempfehlung negativ auf die Entwicklung des Kindes aus.
Drei Regeln stehen dabei: Nimm nicht mehrere jodhaltige Präparate gleichzeitig, denn hohe Jodmengen können bei einer unerkannten Schilddrüsenautonomie eine Überfunktion auslösen. Eine Gesamtzufuhr bis 500 µg pro Tag gilt als sicher. Getrocknete Algen und Tangpräparate meiden, weil ihr Jodgehalt je nach Sorte extrem hoch ist. Frauen mit Schilddrüsenerkrankungen lassen sich vorher ärztlich beraten.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt für Nahrungsergänzungsmittel, die sich an Schwangere und Stillende richten, eine Höchstmenge von 150 µg Jod pro Tagesdosis vor. Für alle anderen Präparate sind es 100 µg.
DHA: Fisch oder Kapsel
Stillende sollen im Durchschnitt mindestens 200 mg DHA pro Tag aufnehmen. Das ist mit zwei Portionen Meeresfisch pro Woche zu schaffen, mindestens eine davon fettreich, also Hering, Makrele, Lachs oder Sardine. DHA ist wichtig für die Entwicklung von Sehvermögen und Nervensystem des Kindes, und regelmäßiger Fischverzehr in der Stillzeit scheint das Allergierisiko beim Kind zu senken.
Große Raubfische wie Hai, Thunfisch und Schwertfisch sind stärker mit Quecksilber belastet; Schwangere und Stillende sollen darauf verzichten. Wer nicht regelmäßig Fisch isst, kann die 200 mg DHA laut Handlungsempfehlung über ein Präparat erreichen. Damit ist DHA der zweite Fall, in dem ein Nahrungsergänzungsmittel ausdrücklich vorgesehen ist.
Vitamin B12 bei veganer Ernährung
Eine vegane Ernährung der stillenden Mutter birgt laut Netzwerk Gesund ins Leben ernsthafte Risiken, vor allem für die Entwicklung des kindlichen Nervensystems. Veganerinnen, die ihre Ernährungsweise in der Stillzeit beibehalten, sollen dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten lassen und die Versorgung mit kritischen Nährstoffen regelmäßig ärztlich prüfen lassen. Die DGE nennt keine allgemeingültige Dosis; die Höhe wird individuell festgelegt.
Eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung mit Milchprodukten und Eiern kann den Bedarf bei gezielter Lebensmittelauswahl auch in der Stillzeit decken.
Vitamin D, Folsäure, Eisen: kein Pauschalrezept
Vitamin D: Der DGE-Schätzwert liegt für Stillende wie für alle Erwachsenen bei 20 µg pro Tag, und zwar bei fehlender Eigenbildung in der Haut. Wer regelmäßig draußen ist, erreicht die Versorgung laut DGE ohne Präparat. Das Baby bekommt unabhängig davon ab der ersten Lebenswoche seine eigene Vitamin-D-Tablette zur Rachitisvorbeugung.
Folsäure: Die Supplementempfehlung der DGE gilt für Frauen mit Kinderwunsch und das erste Schwangerschaftsdrittel. Für die Stillzeit nennt sie 450 µg Folat-Äquivalent über die Ernährung, ohne Präparat. Eisen: Die Handlungsempfehlungen führen kein Eisenpräparat für Stillende auf. Ob du eines brauchst, klärt ein Blutbild bei deiner Ärztin.
Diät, Multivitamine und der Blick aufs Etikett
Ein mäßiger Gewichtsverlust in der Stillzeit ist normal. Eine starke Gewichtsabnahme durch Diäten sollen Stillende laut Handlungsempfehlung nicht anstreben, weil dabei fettlösliche Schadstoffe aus dem Fettgewebe freigesetzt werden. Für das vorbeugende Weglassen von Lebensmitteln zur Allergievorbeugung beim Kind gibt es laut Leitlinie Allergieprävention keine Belege.
Multivitamine für Stillende tauchen in keiner der Empfehlungen auf. Das BfR schreibt in seiner Stellungnahme zu Höchstmengen: Für die überwiegend gut versorgte Bevölkerung sind Nahrungsergänzungsmittel nicht notwendig. Wenn du eines nimmst, prüfe die Tagesdosis: höchstens 150 µg Jod, bei Vitamin A schlägt das BfR maximal 0,2 mg pro Tagesdosis vor.
Häufige Fragen
Welche Nahrungsergänzung braucht man in der Stillzeit?
Für alle Stillenden 100 µg Jod täglich. Dazu 200 mg DHA, falls du selten Fisch isst, und Vitamin B12 bei veganer Ernährung. Mehr empfehlen DGE und Netzwerk Gesund ins Leben nicht.
Wie viel Jod in der Stillzeit?
Der DGE-Referenzwert liegt bei 230 µg pro Tag. Davon sollen 100 µg aus einem Präparat kommen, der Rest aus Jodsalz, Milchprodukten und Seefisch. Bis 500 µg Gesamtzufuhr gilt als sicher.
Kann ich in der Stillzeit ein Schwangerschaftsvitamin weiternehmen?
Prüfe die Jodmenge und die Vitamin-A-Dosis. Mehr als ein jodhaltiges Präparat gleichzeitig ist nicht vorgesehen. Folsäure ist in der Stillzeit nicht mehr als Präparat empfohlen.
Brauche ich Vitamin D beim Stillen?
Nur bei fehlender Sonne. Der Schätzwert liegt bei 20 µg pro Tag; wer regelmäßig draußen ist, erreicht ihn laut DGE über die Eigenbildung. Das Baby bekommt seine eigene Vitamin-D-Gabe.
Muss ich beim Stillen mehr essen?
Bei ausschließlichem Stillen rechnet die DGE mit 500 kcal Mehrbedarf pro Tag in den ersten vier bis sechs Monaten. Eine Diät mit starkem Gewichtsverlust sollst du vermeiden.
Sind Algenpräparate eine gute Jodquelle beim Stillen?
Nein. Getrocknete Algen und Tang können extrem viel Jod enthalten, und die Handlungsempfehlung warnt ausdrücklich vor dem Verzehr in der Stillzeit.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) — Handlungsempfehlungen: Nährstoffsupplemente in der Stillzeit, Stand 19.08.2016, Teilaktualisierung 2024, abgerufen am 11.09.2026
- Netzwerk Gesund ins Leben (BLE) — Handlungsempfehlungen: Fisch für die stillende Mutter, abgerufen am 11.09.2026
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Jod, Stand der Ableitung 2025, abgerufen am 11.09.2026
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Vitamin D, Schätzwerte bei fehlender endogener Synthese, abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.






