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Nahrungsergänzung mit Jod und Selen: Wann das Duo sinnvoll ist

Kurzantwort: Jod und Selen greifen in der Schilddrüse ineinander: Jod ist Baustein der Hormone T3 und T4, selenabhängige Enzyme regeln deren Umbau. Ein Kombipräparat brauchen trotzdem nur wenige. Die DGE nennt als Referenzwert 150 µg Jod und 60 bis 70 µg Selen pro Tag für Erwachsene. Ein Jodpräparat mit 100 (bis 150) µg empfiehlt sie Schwangeren und Stillenden; für Selen gibt es keine allgemeine Präparate-Empfehlung. Das BfR schlägt als Höchstmenge 100 µg Jod und 40 µg Selen pro Tagesdosis vor. Bei einer Schilddrüsenerkrankung gehört beides in ärztliche Hände.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Nimm bei Schilddrüsenknoten, Hashimoto, Morbus Basedow oder unter Schilddrüsenmedikamenten kein Jod- oder Selenpräparat ohne Rücksprache, und ändere die Dosis eines Medikaments nie eigenmächtig. Bei Herzrasen, Zittern, starkem Schwitzen, innerer Unruhe oder ungewolltem Gewichtsverlust unter einem Jodpräparat gehe zur Ärztin. Haarausfall, brüchige Nägel, Übelkeit und knoblauchartiger Atemgeruch unter Selen sind Zeichen einer Überdosierung.

Jod und Selen werden oft zusammen verkauft, meist mit dem Hinweis auf die Schilddrüse. Biochemisch stimmt der Zusammenhang. Ob du deshalb ein Präparat brauchst, ist eine andere Frage, und die beantworten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ziemlich nüchtern.

Hier findest du die Referenzwerte, den Versorgungsstand in Deutschland, die Höchstmengen für Präparate und die Gruppen, für die ein Präparat tatsächlich vorgesehen ist.

Wie Jod und Selen zusammenarbeiten

Jod ist laut DGE ein wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Diese Hormone steuern Energie-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel, die Wärmebildung, das Knochenwachstum und die Entwicklung des Nervensystems. Ohne Jod kann die Schilddrüse keine Hormone bilden.

Selen sitzt in Enzymen. Einige davon wirken antioxidativ und schützen Zellen vor Radikalen, andere regulieren laut DGE den Haushalt der Schilddrüsenhormone, also die Umwandlung der Speicherform T4 in das aktive T3. Die Schilddrüse braucht deshalb beide Spurenelemente. Daraus folgt aber nicht, dass beide zugeführt werden müssen. Es folgt nur, dass ein Mangel an einem der beiden die Schilddrüse trifft.

Die Referenzwerte der DGE

Jod, Stand 2025: 150 µg pro Tag für Erwachsene aller Altersgruppen, 220 µg für Schwangere, 230 µg für Stillende. Kinder brauchen je nach Alter 90 bis 150 µg. Der Wert für Erwachsene lag früher bei 200 µg; die DGE hat den Zuschlag gestrichen, den sie im Jahr 2000 wegen des damaligen Jodmangels eingerechnet hatte.

Selen: 70 µg pro Tag für Männer, 60 µg für Frauen, 60 µg für Schwangere und 75 µg für Stillende. Das sind Schätzwerte, keine empfohlene Zufuhr, weil die Datenlage für eine genaue Ableitung nicht ausreicht.

Wie gut Deutschland versorgt ist

Beim Jod ist die Lage nur mittelmäßig. Laut DGE liegen rund 32 % der Erwachsenen und rund 44 % der Kinder und Jugendlichen mit ihrer Jodzufuhr unter dem von der WHO geschätzten mittleren Bedarf. Deutschland gilt als mildes Jodmangelgebiet. Die Böden sind jodarm, deshalb enthalten pflanzliche Lebensmittel kaum Jod. Die wichtigsten Quellen sind Seefisch, Meeresfrüchte, Milch, Eier und jodiertes Speisesalz.

Beim Selen fehlen aktuelle Zufuhrdaten für Deutschland, weil der Selengehalt im Bundeslebensmittelschlüssel nicht erfasst ist. Die EFSA schätzt die durchschnittliche Zufuhr in EU-Ländern auf 31 bis 66 µg pro Tag. Europäische Böden sind selenarm, deshalb sind Fleisch, Fisch und Eier hier die zuverlässigere Quelle; Tierfutter darf in der EU mit Selen angereichert werden. Vegetarier und vor allem Veganer sind laut DGE im Durchschnitt schlechter mit Selen versorgt. Paranüsse enthalten viel Selen, reichern aber auch radioaktives Radium an; das Bundesamt für Strahlenschutz rät Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen vorsorglich vom Verzehr ab.

Wer ein Präparat braucht

Jod: Schwangere und Stillende sollen laut DGE zusätzlich zu Jodsalz täglich 100 (bis 150) µg Jod als Präparat einnehmen, bei Schilddrüsenerkrankungen nach ärztlicher Rücksprache. Wer vegan lebt und wenig jodhaltige Lebensmittel isst, soll laut DGE in ärztlicher Absprache 100 µg pro Tag ergänzen. Für alle anderen lautet der Rat: Jodsalz, zweimal pro Woche Seefisch, Milchprodukte.

Selen: Eine allgemeine Empfehlung für ein Präparat gibt es nicht. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird Selen oft empfohlen; ein Cochrane-Review von 2013 mit vier randomisierten Studien kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Belege unvollständig sind und keine sichere Entscheidung für oder gegen Selen erlauben. Eine Meta-Analyse von 2016 fand sinkende Schilddrüsen-Antikörper unter Selen. Ob das den Krankheitsverlauf verbessert, ist damit nicht gezeigt. Das entscheidet deine Ärztin anhand deiner Werte.

Höchstmengen und Risiken

Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 100 µg Jod pro Tagesdosis, für Produkte für Schwangere und Stillende 150 µg. Die tolerierbare Obergrenze der EU-Bewertung liegt bei 600 µg pro Tag; die D-A-CH-Gesellschaften setzen für Deutschland 500 µg an, weil nach Jahrzehnten des Jodmangels unerkannte Schilddrüsenautonomien häufiger sind. Bei ihnen kann viel Jod eine Überfunktion auslösen. Getrocknete Algen mit mehr als 20 mg Jod pro Kilogramm stuft das BfR als gesundheitsschädlich ein.

Für Selen hat das BfR die Höchstmenge 2023 auf 40 µg pro Tagesdosis für Personen ab 15 Jahren festgelegt, nachdem die EFSA die tolerierbare Obergrenze auf 255 µg pro Tag gesenkt hatte. Wer dauerhaft deutlich mehr über Präparate zuführt, riskiert laut DGE eine Selenose mit Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Haarausfall und gestörter Nagelbildung. Laut DGE enthalten die meisten Selenpräparate bis zu 200 µg pro Tag, das Fünffache der BfR-Höchstmenge.

Kombipräparat oder gar nichts?

Das BfR schreibt in seiner Stellungnahme zu Höchstmengen: In Einzelfällen können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, für die überwiegend gut versorgte Bevölkerung sind sie nicht notwendig. Ein Kombipräparat aus Jod und Selen ist damit nur dann sinnvoll, wenn bei dir beide Lücken belegt sind. Für Jod gilt das in Schwangerschaft und Stillzeit. Für Selen gilt das erst nach einem Laborwert und einem ärztlichen Gespräch. Wer beides prophylaktisch nimmt, bekommt vom Selen leicht zu viel und vom Jod ohne Schilddrüsencheck ein Risiko.

Häufige Fragen

Kann man Jod und Selen zusammen einnehmen?

Ja, biochemisch spricht nichts dagegen. Sinnvoll ist es nur, wenn für beide Stoffe ein Bedarf feststeht. Bei Schilddrüsenerkrankungen entscheidet die Ärztin.

Wie viel Jod und Selen pro Tag?

DGE-Referenzwerte: 150 µg Jod (Schwangere 220, Stillende 230) und 60 bis 70 µg Selen. Präparate sollten laut BfR höchstens 100 µg Jod und 40 µg Selen pro Tagesdosis enthalten.

Hilft Selen bei Hashimoto?

Antikörper sinken in Studien, ein Cochrane-Review von 2013 sieht die Belege für einen Nutzen aber als unvollständig an. Nimm Selen bei Hashimoto nur nach Rücksprache.

Ist Jod bei Hashimoto schädlich?

Die DGE rät bei Schilddrüsenerkrankungen vor jeder Jodsupplementierung zur ärztlichen Rücksprache. Diese Empfehlung bezieht sich auf Präparate, nicht auf jodiertes Speisesalz.

Wer hat ein Risiko für Jodmangel?

Laut DGE Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit veganer Ernährung, besonders wenn sie kein Jodsalz und keine angereicherten Milchalternativen verwenden.

Sind Paranüsse eine gute Selenquelle?

Sie enthalten viel Selen, aber auch Radium. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät zu Zurückhaltung; Schwangeren, Stillenden und Kindern rät es vom Verzehr ab.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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