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Kurzantwort: Die im August 2026 erschienene S2k-Leitlinie „Therapie der Akne“ nennt genau ein Nahrungsergänzungsmittel mit Empfehlung: Zink „sollte empfohlen werden“, ergänzend zur ärztlichen Therapie. Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D „können erwogen werden“. Hochdosierte Präparate mit Vitamin B6 und B12 und Molkeprotein gelten dagegen als mögliche Auslöser unreiner Haut. Am besten belegt ist eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index, die in randomisierten Studien entzündliche Pickel reduziert hat.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze eine verordnete Aknetherapie nie eigenmächtig ab, und nimm Zinkdosen über der tolerierbaren Obergrenze von 25 mg pro Tag nur unter ärztlicher Begleitung. Hochdosierte Vitamin-A-Präparate sind kein Ersatz für verordnete Retinoide. Bei plötzlich einsetzender schwerer Akne mit Fieber, Gelenkschmerzen oder blutenden Knoten gehe sofort zur Hautärztin oder in die Notaufnahme.
Unreine Haut ist meist eine leichte Form der Akne, und Akne ist in Deutschland Sache der Dermatologie. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hat ihre Leitlinie im August 2026 neu aufgelegt, mit einem eigenen Kapitel „Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel“. Das ist neu und die belastbarste Grundlage, die es zu dieser Frage auf Deutsch gibt.
Hier findest du, was die Leitlinie zu Zink, Omega-3, Vitamin D und B-Vitaminen sagt, was ein Cochrane-Review zu Diäten und Teebaumöl gefunden hat und wo die Grenzen für Präparate liegen.
Was die Leitlinie zur Ernährung sagt
Die Leitlinie schreibt die steigende Aknehäufigkeit in Industrieländern dem „westlichen Ernährungsstil“ zu. Als gesicherte Auslöser nennt sie hochverarbeitete Produkte mit hohem glykämischen Index und hoher glykämischer Last sowie Milch- und Molkenproteinprodukte. Als mögliche Auslöser: Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen, der Missbrauch anabol-androgener Steroide, orale Präparate mit Vitamin B6 oder B12 und Alkoholmissbrauch.
Die Empfehlung dazu fiel einstimmig (17 von 17 Stimmen): Auslöser sollen erläutert und nach individueller Beobachtung gemieden oder reduziert werden, ohne dass die Nährstoffversorgung leidet. Randomisierte Studien zeigen laut Leitlinie, dass eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index die Zahl entzündlicher Läsionen deutlich senken kann. In der Patienteninformation steht das so: weniger raffinierter Zucker, Weißmehl, Softdrinks und Molkeprodukte, stattdessen Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Fisch.
Zink: die einzige Präparate-Empfehlung
„Die Einnahme von Zink sollte empfohlen werden“, lautet die neue Empfehlung mit starkem Konsens (12 von 12 Stimmen). Studien zeigen laut Leitlinie einen positiven Einfluss auf die Erkrankung. Die Expertinnen und Experten setzen dabei üblicherweise Zinkgluconat mit 50 bis 100 mg bei Erwachsenen für drei Monate ein, unabhängig vom Zinkspiegel.
Diese Dosis gehört in ärztliche Begleitung. Die tolerierbare Obergrenze der EU liegt bei 25 mg Zink pro Tag, und das BfR schlägt für Präparate eine Höchstmenge von 6,5 mg pro Tagesdosis vor, weil der Abstand zwischen normaler Zufuhr und Obergrenze klein ist. Das NIH Office of Dietary Supplements beschreibt, was bei 50 mg und mehr über Wochen passieren kann: gehemmte Kupferaufnahme, geschwächte Immunfunktion, sinkendes HDL-Cholesterin. Wer Zink gegen Akne in Leitliniendosis nimmt, tut das deshalb mit Ärztin oder Arzt, für drei Monate, mit Rücksprache. Für Zink aus dem Drogerieregal gilt die Grenze von 6,5 mg.
Omega-3 und Vitamin D: kann erwogen werden
Zusätzlich zur Therapie „kann die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D erwogen werden“, so die Leitlinie mit Konsens (8 von 10 Stimmen, zwei Enthaltungen). Hintergrund: In Aknekollektiven wurden erniedrigte Omega-3- und Vitamin-D-Spiegel beschrieben, die Evidenz dafür bezeichnet die Leitlinie aber selbst als sehr limitiert.
Für Vitamin D gilt der DGE-Schätzwert von 20 µg pro Tag bei fehlender Eigenbildung in der Haut; wer regelmäßig draußen ist, braucht kein Präparat. Das BfR setzt für Vitamin D in Präparaten 20 µg pro Tagesdosis als Höchstmenge an. Eine Aknedosis darüber hinaus ist nirgends belegt.
Wenn das Präparat die Pickel macht: Vitamin B12 und B6
Die Leitlinie führt Vitamin B12 in ihrer Tabelle der Auslöser akneiformer Eruptionen auf, neben Glukokortikoiden, Lithium und Jodid. Orale Präparate mit B6 und B12 stehen zudem unter den möglichen Triggern. Eine Arbeit in Science Translational Medicine von 2015 fand einen Mechanismus: Vitamin B12 verändert die Genaktivität der Hautbakterien, die an der Akneentstehung beteiligt sind.
Praktisch heißt das: Wer Multivitamine, B-Komplex-Präparate oder hochdosiertes B12 nimmt und gleichzeitig unreine Haut bekommt, sollte das der Ärztin sagen. Das BfR schlägt für B12 in Präparaten 25 µg pro Tagesdosis vor. Prüfe beim Kauf, ob dein Produkt darüber liegt.
Was der Cochrane-Review zu Diäten und Teebaumöl fand
Ein Cochrane-Review von 2015 wertete 35 randomisierte Studien mit 3.227 Teilnehmenden zu ergänzenden Akne-Therapien aus. Eine Studie mit 43 Teilnehmenden zeigte unter einer Diät mit niedriger glykämischer Last nach zwölf Wochen 7,6 entzündliche Läsionen weniger als in der Kontrollgruppe. Für Teebaumöl auf der Haut fand eine Studie mit 60 Teilnehmenden 7,5 Läsionen weniger als unter Placebo. Beides stufen die Autorinnen und Autoren als Evidenz niedriger Qualität ein. Für Kräuterpräparate, Akupunktur und Schröpfen fanden sie keine belastbaren Belege.
So gehst du sinnvoll vor
Die Leitlinie ordnet Ernährung und Präparate als Begleitung der verschreibungspflichtigen Therapie ein und empfiehlt die Umsetzung mit Hausärztin, Ernährungsmedizin oder Ökotrophologie. Für dich heißt das in dieser Reihenfolge: Hochglykämische Lebensmittel und Molkeprodukte reduzieren, B-Vitamin-Präparate prüfen, Zink nur in Absprache und zeitlich begrenzt. Wer unter unreiner Haut leidet, die Narben hinterlässt oder auf Pflege nicht anspricht, gehört in dermatologische Behandlung.
Häufige Fragen
Welches Nahrungsergänzungsmittel hilft bei unreiner Haut?
Die Akne-Leitlinie 2026 empfiehlt Zink ergänzend zur Therapie und nennt Omega-3 und Vitamin D als Option. Alles andere ist nicht belegt.
Wie viel Zink bei Akne?
Die Leitlinie nennt 50 bis 100 mg Zinkgluconat für drei Monate unter ärztlicher Begleitung. Das liegt über der EU-Obergrenze von 25 mg; Präparate ohne Rücksprache sollten höchstens 6,5 mg enthalten.
Kann Vitamin B12 Pickel verursachen?
Ja, die Leitlinie führt B12 als Auslöser akneiformer Eruptionen und hochdosierte B6/B12-Präparate als mögliche Trigger.
Hilft eine zuckerarme Ernährung gegen unreine Haut?
Randomisierte Studien zeigen, dass eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index entzündliche Läsionen reduziert. Die Leitlinie nennt sie in ihrer Patienteninformation.
Macht Milch unreine Haut?
Milch- und Molkenproteinprodukte gelten laut Leitlinie als gesicherte Auslöser. Gemieden werden soll, was nach individueller Beobachtung die Haut verschlechtert.
Ist Vitamin A gegen Akne sinnvoll?
Als Präparat nein. Retinoide gegen Akne sind Arzneimittel und werden ärztlich verordnet; für Vitamin A in Präparaten schlägt das BfR höchstens 0,2 mg pro Tag vor.
Quellen
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft — S2k-Leitlinie Therapie der Akne, AWMF-Registernummer 013-017, Version 3.0, Langfassung, Stand August 2026, abgerufen am 11.09.2026
- Cao H et al. — Complementary therapies for acne vulgaris, Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, CD009436, abgerufen am 11.09.2026
- Kang D et al. — Vitamin B12 modulates the transcriptome of the skin microbiota in acne pathogenesis, Science Translational Medicine 2015, abgerufen am 11.09.2026
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln, abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.






