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Nahrungsergänzung zum Zunehmen: Was bei Untergewicht hilft

Kurzantwort: Zunehmen braucht Energie und Protein, keine Vitamine. Kein Vitamin und kein Mineralstoff trägt in der EU eine zugelassene Aussage zur Gewichtszunahme. Was bei Untergewicht belegt wirkt, steht in der S3-Leitlinie „Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter“: angereicherte Mahlzeiten, Zwischenmahlzeiten und bei Mangelernährung Trinknahrung mit mindestens 300 kcal und 20 % Protein täglich. Für den Aufbau von Muskelmasse dürfen Proteine mit „Zunahme an Muskelmasse“ werben. Wer trotz normalem Essen abnimmt, klärt zuerst die Ursache ärztlich.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ungewollter Gewichtsverlust ist ein Warnzeichen und gehört abgeklärt, bevor du mit Präparaten gegensteuerst. Bei Gewichtsverlust mit Nachtschweiß, Fieber, Blut im Stuhl, anhaltendem Erbrechen, Schluckstörungen oder starkem Durst gehe sofort zur Ärztin. Bei einer Essstörung sind Gewichtsprodukte kein Ersatz für Behandlung. Wer nach längerem Hungern wieder isst, braucht ärztliche Begleitung wegen des Refeeding-Syndroms.

Untergewicht ist in Deutschland selten, aber es gibt Gruppen, in denen es häufig ist. Laut Mikrozensus 2025 des Statistischen Bundesamts haben 2,2 % der Erwachsenen einen Body-Mass-Index unter 18,5. Bei den 18- bis 20-Jährigen sind es 9,3 %, bei den 20- bis 25-Jährigen 5,7 %, bei den über 75-Jährigen 2,4 %. Junge Erwachsene und Hochbetagte sind damit die beiden Gruppen, für die Zunehmen am ehesten ein Thema ist.

Hier findest du, was die Fachgesellschaften zu Energie und Protein sagen, welche Rolle Trinknahrung spielt und warum Vitaminpräparate beim Zunehmen nicht helfen.

Was Zunehmen physiologisch braucht

Gewicht entsteht aus Energieüberschuss. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt als Richtwert für die Energiezufuhr bei Erwachsenen zwischen 25 und 51 Jahren mit geringer Aktivität (PAL 1,4) 2.300 kcal pro Tag für Männer und 1.800 kcal für Frauen an; bei mittlerer Aktivität (PAL 1,6) sind es 2.700 und 2.100 kcal. Wer zunehmen will, muss über seinen tatsächlichen Verbrauch hinaus essen. Der entscheidende Kontrollwert ist laut DGE das aktuelle Körpergewicht.

Damit aus dem Überschuss Muskel und nicht nur Fett wird, braucht es Protein und Training. Die DGE-Referenz liegt bei 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren bei 1,0 g. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin setzt für ältere Menschen mindestens 1 g pro Kilogramm und 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht an, individuell angepasst.

Was Vitamine dabei können und was nicht

Vitamine und Mineralstoffe liefern keine Energie. In der EU-Verordnung 432/2012, die alle zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben auflistet, gibt es für keinen Mikronährstoff eine Aussage zu Gewichtszunahme oder Appetit. Vitamin B1, B2, B6, B12, Niacin und Biotin dürfen mit „normalem Energiestoffwechsel“ werben; das bedeutet, dass der Körper die Nährstoffe zur Energiegewinnung nutzt, und sagt nichts über Zunehmen aus. Ein Multivitamin macht nicht dicker.

Anders ist es bei einem echten Mangel, der Appetit und Nahrungsaufnahme stört. Das klärt ein Blutbild, und dann wird gezielt ergänzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: In Einzelfällen können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein; für die überwiegend gut versorgte Bevölkerung sind sie nicht notwendig.

Protein und Kreatin: die einzigen Präparate mit Beleg

Zwei Aussagen sind in der EU zugelassen und passen zum Zunehmen: „Proteine tragen zu einer Zunahme an Muskelmasse bei“ für Lebensmittel, die eine Proteinquelle sind, und „Kreatin erhöht die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining“ bei 3 g pro Tag für Erwachsene mit intensiver Belastung. Proteinpulver ist damit ein legitimer Weg, die Zufuhr zu erhöhen, wenn du mit Lebensmitteln nicht auf deine Menge kommst. Kreatin lässt das Gewicht zusätzlich durch Wassereinlagerung steigen; diese Zunahme besteht aus Wasser.

Die Leitlinie empfiehlt älteren Menschen mit Sarkopenie, die nicht trainieren können, proteinreiche Supplemente, um Muskelmasse und Kraft zu erhalten. Wer trainieren kann, soll trainieren und gleichzeitig genug Energie und Protein aufnehmen.

Trinknahrung: bei Mangelernährung Empfehlungsgrad A

Für Menschen mit Mangelernährung oder Risiko dafür ist die Datenlage klar. Die S3-Leitlinie empfiehlt mit Grad A, älteren Personen orale bilanzierte Diäten, also Trinknahrung, anzubieten, um die Energie- und Nährstoffaufnahme zu steigern und das Körpergewicht zu steigern oder zu erhalten. Die Produkte sollen mindestens 300 kcal pro Tag liefern und proteinreich sein, mindestens 20 % der Energie aus Protein. Vorher und parallel: angereicherte Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten, ebenfalls mit Grad A, um Energie- und Proteinaufnahme zu steigern.

Trinknahrung ist ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und gehört bei Erkrankung in ärztliche Begleitung. Sie ist auch frei erhältlich, aber ohne Mangelernährung fehlt der Grund dafür.

So gehst du beim Zunehmen vor

Erstens Ursache klären, wenn das Gewicht ungewollt gesunken ist. Zweitens Energie erhöhen: energiedichte Lebensmittel wie Nüsse, Öle, Vollmilchprodukte und Hülsenfrüchte, dazu angereicherte Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten, wie die Leitlinie sie für ältere Menschen empfiehlt. Drittens Protein sichern, aus Lebensmitteln oder bei Bedarf aus Pulver. Viertens Krafttraining, damit der Überschuss in Muskel geht. Ein Vitaminpräparat kommt in dieser Liste nur vor, wenn ein Mangel nachgewiesen ist.

Häufige Fragen

Welche Nahrungsergänzung hilft beim Zunehmen?

Protein, wenn du die Menge aus Lebensmitteln nicht schaffst, und bei Mangelernährung Trinknahrung nach ärztlicher Verordnung. Vitamine und Mineralstoffe helfen nur bei nachgewiesenem Mangel.

Machen Vitamintabletten dick?

Nein. Sie liefern keine Energie, und in der EU gibt es für kein Vitamin eine zugelassene Aussage zu Gewicht oder Appetit.

Wie viele Kalorien zum Zunehmen?

Mehr als dein Verbrauch. Die DGE-Richtwerte für Erwachsene liegen je nach Aktivität bei 1.800 bis 3.000 kcal; die Kontrolle ist die Waage.

Wie viel Protein zum Zunehmen?

Mindestens der DGE-Referenzwert von 0,8 g pro Kilogramm, ab 65 Jahren 1,0 g. Die S3-Leitlinie nennt für ältere Menschen mindestens 1 g pro Kilogramm.

Ab wann ist man untergewichtig?

Ab einem BMI unter 18,5. Das trifft laut Mikrozensus 2025 auf 2,2 % der Erwachsenen in Deutschland zu, bei den 18- bis 20-Jährigen auf 9,3 %.

Hilft Trinknahrung beim Zunehmen?

Ja, bei Mangelernährung mit Empfehlungsgrad A der S3-Leitlinie, mindestens 300 kcal und 20 % Protein täglich, ärztlich begleitet.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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