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Nahrungsergänzung zur Wundheilung: Was Cochrane belegt sieht

Kurzantwort: Für die Wundheilung braucht der Körper Protein, Energie, Vitamin C und Zink; ein Mangel daran verzögert sie. Ob zusätzliche Präparate bei gut versorgten Menschen Wunden schneller schließen, ist nicht belegt. Der Cochrane-Review von 2024 zu Druckgeschwüren fand für Energie-, Protein- und Mikronährstoff-Supplemente eine leicht höhere Heilungsrate bei niedriger Evidenzsicherheit und für Zink, Vitamin C und Arginin einzeln sehr unsichere Belege. Die S3-Leitlinie zur Ernährung im Alter empfiehlt Ernährungsmaßnahmen bei Mangelernährung und Druckgeschwüren. In der EU dürfen Vitamin C mit „normaler Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut“ und Zink mit „Erhaltung normaler Haut“ werben, mehr nicht.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Eine Wunde, die nicht kleiner wird, gehört in ärztliche Behandlung. Bei Rötung, die sich ausbreitet, Überwärmung, Eiter, übelriechendem Sekret, Fieber oder Schüttelfrost gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme. Bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Venenschwäche werden chronische Wunden nach Leitlinie behandelt; Präparate sind dort höchstens Begleitung. Nimm Zink über der tolerierbaren Obergrenze von 25 mg pro Tag nur unter ärztlicher Aufsicht.

Nach einer Operation, bei einem Druckgeschwür oder einem offenen Bein greifen viele zu Zink oder Vitamin C. Die Antwort auf die Frage, ob das hilft, hat zwei Teile. Nährstoffmangel bremst die Heilung, das ist unstrittig. Ob mehr als genug etwas bringt, haben Cochrane und die Fachgesellschaften geprüft, mit ernüchterndem Ergebnis.

Hier findest du, welche Nährstoffe die Wundheilung braucht, was die Studien zu Präparaten zeigen und wann eine Ernährungsmaßnahme nach Leitlinie vorgesehen ist.

Welche Nährstoffe die Heilung braucht

Zink ist laut NIH Office of Dietary Supplements an der Aktivität hunderter Enzyme, an der Protein- und DNA-Synthese und an der Wundheilung beteiligt. Vitamin C wird für den Aufbau von Kollagen gebraucht, dem Gerüst neuer Haut; die zugelassene EU-Aussage lautet „Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei“. Für Zink heißt sie „Zink trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“. Beide Aussagen beschreiben eine normale Funktion und keine beschleunigte Heilung.

Protein liefert die Aminosäuren für neues Gewebe. Die DGE-Referenz für Erwachsene liegt bei 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren bei 1,0 g; die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter“ setzt für ältere Menschen mindestens 1 g pro Kilogramm an. Mangelernährung erhöht laut dieser Leitlinie das Risiko für Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen und Druckgeschwüre.

Was der Cochrane-Review 2024 gefunden hat

Der Cochrane-Review „Nutritional interventions for preventing and treating pressure ulcers“ wertete 33 randomisierte Studien mit 7.920 Teilnehmenden aus. Zur Behandlung bestehender Druckgeschwüre: Supplemente mit Energie, Protein und Mikronährstoffen erhöhten den Anteil geheilter Geschwüre von 253 auf 366 pro 1.000 Behandelte (drei Studien, 577 Teilnehmende), bei niedriger Evidenzsicherheit. Kollagen-Supplemente verkleinerten die Wundfläche in einer Studie mit 74 Teilnehmenden um 1,8 cm² mehr als Placebo, bei moderater Sicherheit. Arginin mit Mikronährstoffen verkleinerte die Fläche um rund 16 %, ohne die Zahl geheilter Wunden zu erhöhen.

Für Zink, Vitamin C, verschiedene Arginin-Dosen, Omega-3-Fettsäuren und Protein allein war die Evidenz sehr unsicher. Zur Vorbeugung fanden die Autorinnen und Autoren wenig bis keinen Unterschied durch Supplemente. Ihr Fazit: Der Nutzen von Ernährungsinterventionen bei Druckgeschwüren ist ungewiss, es gibt möglicherweise wenig oder keinen Unterschied zur Standardernährung.

Diabetischer Fuß und chronische Wunden

Das NIH ODS führt zur Wundheilung eine randomisierte Studie mit Zink bei diabetischem Fußulkus und einen Cochrane-Review von 2020 zu Ernährungsinterventionen bei diabetischen Fußgeschwüren auf. Die deutsche S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden bei Diabetes, arterieller Verschlusskrankheit und Venenschwäche (2023) klammert Ernährung ausdrücklich aus und verweist auf die Leitlinien zu Mangelernährung. Ein eigener Zink- oder Vitaminrat für chronische Wunden steht in ihr nicht.

Was die Leitlinie zur Ernährung im Alter empfiehlt

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (Version 2.1, 2025) formuliert zwei Empfehlungen mit Grad B: Älteren Menschen mit Mangelernährung oder Risiko dafür und Dekubitusrisiko sollten Ernährungsmaßnahmen angeboten werden, um das Risiko zu senken. Bei bestehendem Druckgeschwür sollten sie Ernährungsmaßnahmen bekommen, um Energie- und Nährstoffzufuhr zu sichern und die Wundheilung zu unterstützen. Gemeint sind angereicherte Mahlzeiten, Zwischenmahlzeiten und Trinknahrung mit mindestens 300 kcal und 20 % Protein pro Tag. Die Leitlinie stützt sich dabei auf denselben Cochrane-Review und bewertet die Evidenz insgesamt als sehr unsicher.

Zink: Dosis und Grenze

Die tolerierbare Obergrenze der EU liegt bei 25 mg Zink pro Tag, das BfR schlägt für Präparate 6,5 mg pro Tagesdosis vor. Das NIH ODS beschreibt bei 50 mg und mehr über Wochen eine gehemmte Kupferaufnahme, geschwächte Immunfunktion und sinkendes HDL-Cholesterin. Höhere Zinkdosen gehören in ärztliche Hände. Für Vitamin C schlägt das BfR 250 mg pro Tagesdosis vor; der DGE-Referenzwert liegt bei 95 bis 110 mg.

Was das für dich heißt

Bei einer normalen Wunde und normaler Ernährung fehlt der Beleg für ein Präparat. Iss ausreichend Protein, Gemüse und Obst, und die Bausteine sind da. Bei Untergewicht, Appetitlosigkeit, hohem Alter, Diabetes oder einer chronischen Wunde sieht es anders aus: Dann prüft die Ärztin den Ernährungszustand und verordnet, falls nötig, Trinknahrung oder gezielte Nährstoffe. Das ist der Weg, den die Leitlinie beschreibt.

Häufige Fragen

Welche Nahrungsergänzung hilft bei der Wundheilung?

Bei Mangelernährung Trinknahrung mit Energie und Protein, nach Leitlinie. Für Zink oder Vitamin C allein ist der Nutzen laut Cochrane 2024 sehr unsicher.

Hilft Zink bei der Wundheilung?

Ein Zinkmangel verzögert die Heilung. Ob zusätzliches Zink ohne Mangel hilft, ist nicht belegt; die Obergrenze liegt bei 25 mg pro Tag.

Wie viel Vitamin C für die Wundheilung?

Der DGE-Referenzwert von 95 bis 110 mg pro Tag deckt die Kollagenbildung. Eine höhere Dosis hat in Wundstudien keinen gesicherten Effekt gezeigt.

Hilft Kollagenpulver bei Wunden?

Eine Studie mit 74 Teilnehmenden zeigte bei Druckgeschwüren eine um 1,8 cm² kleinere Wundfläche, moderate Evidenzsicherheit. Für andere Wunden fehlen Belege.

Was sollte man nach einer Operation essen?

Genug Energie und Protein, mindestens 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren 1 g. Bei Mangelernährung empfiehlt die Leitlinie Trinknahrung.

Wann ist eine Wunde ein Fall für die Ärztin?

Wenn sie nicht kleiner wird oder Rötung, Eiter, Fieber oder Schmerzen zunehmen. Bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen sofort.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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