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Magnesium-Blutwert: Bedeutung, Referenzbereich und Grenzen

Kurzantwort: Der Magnesium-Blutwert (Serum-Magnesium) liegt bei den meisten Laboren zwischen etwa 0,75 und 0,95 mmol/l, das entspricht 1,8 bis 2,3 mg/dl; jedes Labor gibt seinen eigenen Referenzbereich an. Nur rund 0,3 Prozent des Magnesiums im Körper schwimmen im Serum, der Rest steckt in Knochen, Muskeln und Gewebe. Ein normaler Wert schließt deshalb knappe Speicher nicht sicher aus. Ein Wert unter dem Referenzbereich heißt Hypomagnesiämie und gehört ärztlich abgeklärt, ein Wert darüber entsteht fast nur bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Muskelzuckungen, Krampfanfällen, Herzstolpern, Verwirrtheit oder plötzlichem Schwindel gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme; das sind laut Fachinformation Zeichen einer schweren Hypomagnesiämie.

Auf dem Laborzettel steht „Magnesium 0,72 mmol/l“ und daneben ein Sternchen. Der Wert misst das Magnesium im flüssigen Teil des Blutes, dem Serum. Trotzdem sagt er weniger über deine Versorgung aus, als viele erwarten.

Hier findest du, was der Wert misst, wo der Referenzbereich herkommt, welche Ursachen ihn drücken oder anheben und warum ein normaler Wert nicht automatisch „gut versorgt“ bedeutet.

Was der Blutwert misst

Laut der Übersichtsarbeit von Workinger und Kollegen aus dem Jahr 2018 liegen vom gesamten Magnesium im Körper nur 0,8 Prozent im Blut, 0,3 Prozent im Serum und 0,5 Prozent in den roten Blutkörperchen. 53 Prozent stecken in den Knochen, 27 Prozent in den Muskeln und 19 Prozent im übrigen Gewebe. Der Serumwert bildet also einen winzigen Ausschnitt ab.

Dazu kommt: Der Körper hält den Serumwert stabil. Sinkt die Zufuhr, holt er Magnesium aus dem Knochen nach. Bis zu einem Drittel des Knochenmagnesiums ist laut derselben Arbeit austauschbar. Der Blutwert kann deshalb wochenlang normal bleiben, während die Speicher schrumpfen.

Referenzbereich und Einheiten

Der gängige Referenzbereich von 0,75 bis 0,95 mmol/l stammt laut Costello und Kollegen (Advances in Nutrition, 2016) aus der US-Bevölkerungsstudie NHANES I von 1974. Er beschreibt, wie das Serum-Magnesium in einer als gesund eingestuften Bevölkerung verteilt war. Er wurde nicht an Krankheitsfolgen geeicht. Die Autoren fordern deshalb einen neuen, an klinischen Ergebnissen orientierten Bereich.

Labore rechnen in mmol/l oder mg/dl. Die Umrechnung: 1 mmol/l entspricht 2,43 mg/dl, weil ein Mol Magnesium 24,3 Gramm wiegt. Vergleiche deinen Wert immer mit dem Referenzbereich auf deinem eigenen Befund, denn Labore setzen die Grenzen unterschiedlich. Ob ein Wert für dich ein Problem ist, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt zusammen mit deinen Beschwerden und deinen Medikamenten.

Wenn der Wert zu niedrig ist

Ein Serumwert unter dem Referenzbereich heißt Hypomagnesiämie. Die Fachinformation von Pantozol Control (Pantoprazol) beschreibt, was dabei passieren kann: Müdigkeit, Tetanie, Delirium, Krämpfe, Schwindel und ventrikuläre Herzrhythmusstörungen, die schleichend beginnen und übersehen werden können. Ein Magnesiummangel kann zusätzlich Kalzium und Kalium im Blut absinken lassen.

Typische Ursachen laut Gebrauchsinformation eines Magnesiumpräparats und der Übersichtsarbeit von Workinger: harntreibende Mittel wie Thiazide und Furosemid, Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol, das Krebsmittel Cisplatin, Aminoglykosid-Antibiotika, Ciclosporin sowie Alkohol und Koffein, die die Ausscheidung über die Niere steigern. Als Risikogruppen nennt Workinger außerdem Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen und Osteoporose.

Zu Protonenpumpenhemmern liegt eine Meta-Analyse von Liao und Kollegen (2019) mit 15 Studien und 129.347 Teilnehmenden vor. Wer diese Magenschutzmittel nimmt, hatte ein 1,44-fach erhöhtes Risiko für eine Hypomagnesiämie. Die Studien waren allerdings sehr uneinheitlich, in Teilgruppen verschwand der Zusammenhang. Die Fachinformation spricht von „selten“ beobachteten Fällen schwerer Hypomagnesiämie nach mindestens drei Monaten Einnahme, meist nach einem Jahr.

Wenn der Wert zu hoch ist

Gesunde Nieren scheiden überschüssiges Magnesium aus. Ein erhöhter Serumwert (Hypermagnesiämie) entsteht deshalb fast nur, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist und gleichzeitig viel Magnesium zugeführt wird. Eine Fallserie aus Japan (Yamaguchi und Kollegen, 2019, PMID 30136128) beschreibt vier Patienten über 65 mit Nierenfunktionsstörung, die Magnesiumoxid als Abführmittel bekamen; einer starb. Die Gebrauchsinformation von Rennie Kautabletten, die Magnesiumcarbonat enthalten, verlangt bei eingeschränkter Nierenfunktion regelmäßige Kontrollen von Kalzium, Phosphat und Magnesium im Blut.

Warum ein normaler Wert nicht alles sagt

Costello und Kollegen sprechen von „subklinischem Magnesiummangel“: Die Speicher sind knapp, der Serumwert liegt trotzdem innerhalb von 0,75 bis 0,95 mmol/l. Workinger nennt als Faustregel aus der Literatur: Liegt das Serum-Magnesium unter 0,85 mmol/l und die Ausscheidung im 24-Stunden-Urin unter 80 mg am Tag, lohnt ein Blick auf Risikofaktoren und Beschwerden.

Alternativen zum Serumwert gibt es, aber keine ist Standard. Magnesium in den roten Blutkörperchen wird oft als besser bezeichnet, die Studien dazu sind laut Workinger widersprüchlich. Der 24-Stunden-Urin schwankt stark mit der Nierenfunktion. Deine Ärztin entscheidet, ob ein zweiter Test sinnvoll ist.

Wann der Wert gemessen wird und was danach passiert

Die Fachinformation von Pantozol Control empfiehlt, bei geplanter längerer Einnahme eines Protonenpumpenhemmers oder bei Kombination mit Digoxin oder Diuretika den Magnesiumspiegel vor Beginn und regelmäßig während der Einnahme zu messen. Workinger nennt als weitere Anlässe für eine Messung Wadenkrämpfe, Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Diabetes, Herzerkrankungen und die Einnahme von Diuretika oder Magenschutzmitteln.

Zeigt der Befund einen Mangel, nennt die Gebrauchsinformation von Magnesium Verla N Dragées als Anwendungsgebiet „therapiebedürftige Magnesiummangelzustände“ und „nachgewiesenen Magnesiummangel“ als Ursache von Wadenkrämpfen. Dosis und Dauer legt die Ärztin fest, abhängig von Ursache und Nierenfunktion. Für Nahrungsergänzungsmittel ohne Befund empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung höchstens 250 mg Magnesium am Tag, verteilt auf zwei oder mehr Portionen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Magnesium 0,7 mmol/l im Blut?

Der Wert liegt unter dem gängigen Referenzbereich von 0,75 bis 0,95 mmol/l. Ob das behandelt werden muss, hängt von Beschwerden, Medikamenten und Nierenfunktion ab. Das beurteilt deine Ärztin.

Kann der Blutwert normal sein und trotzdem ein Mangel vorliegen?

Ja. Nur 0,3 Prozent des Körpermagnesiums befinden sich im Serum, und der Körper füllt es aus dem Knochen nach. Costello und Kollegen nennen das subklinischen Mangel.

Ist der Magnesiumwert im Vollblut genauer?

Er erfasst zusätzlich das Magnesium in den roten Blutkörperchen. Laut Workinger sind die Studien dazu widersprüchlich, ein anerkannter Referenzbereich fehlt.

Welche Medikamente senken den Magnesiumwert?

Die Gebrauchsinformation von Magnesium Verla nennt Diuretika, Protonenpumpenhemmer, Cisplatin, Aminoglykoside, Amphotericin B, Ciclosporin, EGF-Rezeptorantagonisten und Pentamidin.

Wie oft sollte der Wert unter Magenschutzmitteln kontrolliert werden?

Die Fachinformation von Pantozol Control nennt eine Messung vor Beginn und „regelmäßig während der PPI-Einnahme“ bei längerer Behandlung. Das Intervall legt der Arzt fest.

Zeigt der Wert, ob Magnesium gegen meine Wadenkrämpfe hilft?

Nein. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen ohne Mangel wirkte Magnesium in der Cochrane-Auswertung von 2020 (PMID 32956536) nicht besser als Placebo. Ein niedriger Wert ist der Fall, in dem eine Behandlung überhaupt sinnvoll ist.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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