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Kurzantwort: Ein Vitamin-K-Mangel zeigt sich an der Blutgerinnung: blaue Flecken ohne erkennbaren Grund, Nasen- und Zahnfleischbluten, Blut im Urin oder Stuhl, lange Nachblutungen nach kleinen Verletzungen. Ärztlich zählt ein Messwert: die verlängerte Prothrombinzeit (Quick-Wert oder INR). Bei gesunden Erwachsenen ist der Mangel sehr selten. Betroffen sind Menschen, deren Darm Fett schlecht aufnimmt, etwa bei Zöliakie, Mukoviszidose oder Colitis ulcerosa, nach Magen-Darm-Operationen und unter bestimmten Medikamenten. Die wichtigste Risikogruppe sind Neugeborene, die in Deutschland deshalb dreimal 2 mg Vitamin K bekommen.
Vitamin K braucht die Leber, um vier Gerinnungsfaktoren zu bauen. Fehlt es, gerinnt das Blut langsamer. Daneben aktiviert Vitamin K das Knochenprotein Osteocalcin, weshalb die EU die Aussage „trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“ zulässt. Das NIH schreibt aber klar: Klinisch relevant ist ein Mangel erst, wenn die Prothrombinzeit deutlich steigt.
Dieser Text beschreibt die Symptome, die Blutwerte, die Ursachen und die Gruppen, bei denen ein Mangel überhaupt vorkommt. Welche Lebensmittel Vitamin K liefern, steht im Artikel Vitamin K Lebensmittel.
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ungewöhnliche Blutungen, große blaue Flecken ohne Stoß oder Blut im Stuhl gehören immer ärztlich abgeklärt, weil viele Ursachen infrage kommen. Wer Cumarin-Blutverdünner nimmt, ändert seine Vitamin-K-Zufuhr nur nach Rücksprache.
Symptome eines Vitamin-K-Mangels
Das klassische Zeichen ist die Blutung. Sie tritt nach NIH nur in schweren Fällen auf, weil der Körper Vitamin K sparsam recycelt und 30 bis 40 Prozent jeder Dosis behält. Typische Anzeichen sind:
- blaue Flecken, die ohne Stoß entstehen oder ungewöhnlich groß werden
- Nasenbluten und Zahnfleischbluten, das lange nicht stoppt
- Nachblutungen nach kleinen Schnitten oder beim Zahnarzt
- Blut im Urin oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- bei Frauen ungewöhnlich starke Regelblutungen
Bei Säuglingen sieht das anders aus: Blutungen aus dem Nabel, aus Nase oder Magen-Darm-Trakt, unter der Haut und im schlimmsten Fall im Gehirn. Ein Zusammenhang mit schwächeren Knochen ist biologisch plausibel, weil Osteocalcin ohne Vitamin K nicht aktiviert wird. Als Symptom im Alltag taugt das nicht, weil sich Knochendichte nicht spüren lässt.
Blutwerte: Wie der Mangel festgestellt wird
Der einzige klinisch genutzte Indikator ist die Prothrombinzeit, in Deutschland meist als Quick-Wert oder INR angegeben. Sie misst, wie lange das Blut zum Gerinnen braucht. Bei Vitamin-K-Mangel verlängert sie sich, weil die Prothrombin-Aktivität sinkt. Das NIH weist darauf hin, dass gewöhnliche Schwankungen der Zufuhr die Prothrombinzeit fast nie verändern. Wer sich normal ernährt, erreicht keine Zufuhr, die diesen Wert verschiebt.
Vitamin K1 lässt sich auch direkt im Blut messen. Bei Gesunden liegt der Nüchternwert zwischen 0,29 und 2,64 nmol pro Liter. Dieser Wert wird in der Praxis selten bestimmt, weil er schnell auf die letzten Mahlzeiten reagiert und keinen klinischen Grenzwert hat.
Ursachen und Risikogruppen bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen mit abwechslungsreicher Ernährung ist ein Mangel laut NIH fast unmöglich. Er beschränkt sich auf zwei Gruppen.
Fettaufnahmestörungen
Vitamin K ist fettlöslich. Wer Fett schlecht aufnimmt, nimmt auch Vitamin K schlecht auf. Das betrifft Mukoviszidose, Zöliakie, Colitis ulcerosa und das Kurzdarmsyndrom. Auch nach einer Magenverkleinerung kann der Vitamin-K-Status sinken, oft ohne sichtbare Zeichen. Diese Patienten brauchen laut NIH eine Kontrolle und in manchen Fällen ein Präparat.
Medikamente
Cumarin-Blutverdünner wie Phenprocoumon und Warfarin blockieren Vitamin K gezielt, das ist ihr Wirkprinzip. Antibiotika zerstören Darmbakterien, die Vitamin K bilden, Cephalosporine hemmen zusätzlich die Wirkung von Vitamin K im Körper. Ein Präparat ist laut NIH meist erst nötig, wenn die Antibiotikagabe über mehrere Wochen läuft und die Zufuhr gleichzeitig niedrig ist. Gallensäurebinder wie Cholestyramin und der Abnehmwirkstoff Orlistat senken die Aufnahme fettlöslicher Vitamine.
Neugeborene: die wichtigste Risikogruppe
Vitamin K gelangt kaum über die Plazenta zum Kind, Muttermilch enthält wenig davon, und die Gerinnungsfaktoren sind bei der Geburt niedrig. Die Folge heißt Vitamin-K-Mangelblutung (VKMB). Sie tritt früh in der ersten Woche auf, klassisch am zweiten bis siebten Lebenstag oder spät zwischen der zweiten und zwölften Woche. Die späte Form trifft fast nur voll gestillte Kinder und endet oft als Hirnblutung.
Die Zahlen ohne Prophylaxe stammen aus einer Kohorte in Malaysia: mindestens 1 von 4.000 Kindern mit klassischer und 1 von 8.000 mit später Blutung. In Deutschland bekommen Neugeborene nach der Leitlinie der Kinderärzte dreimal 2 mg Vitamin K oral, bei der U1, U2 und U3, oder einmal 1 mg als Spritze. Unter diesem Schema zählte eine deutsche Erhebung zwischen 1997 und 2002 nur 8 späte Blutungen bei 2,28 Millionen Kindern. Alle acht hatten eine unerkannte Gallenstauung und wurden gestillt. Die Leitlinie stammt von 2016 und wird derzeit überarbeitet.
Bedarf und Vorbeugung
Die DGE nennt als Schätzwert 70 µg am Tag für Männer und 60 µg für Frauen, ab 51 Jahren 80 und 65 µg. Die EFSA setzt 1 µg pro Kilogramm Körpergewicht an, also 70 µg für alle Erwachsenen. Eine Portion gekochter Spinat oder Grünkohl liefert ein Vielfaches davon.
Aus grünem Gemüse nimmt der Körper Vitamin K allerdings schlecht auf: Aus Spinat kommen nur 4 bis 17 Prozent dessen an, was eine Tablette liefert. Ein Löffel Öl zum Gemüse verbessert das. Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR höchstens 80 µg K1 und 25 µg K2 pro Tagesdosis. Eine Obergrenze gibt es nicht, weil weder aus Lebensmitteln noch aus Präparaten Nebenwirkungen bekannt sind. Das synthetische Vitamin K3 (Menadion) ist die Ausnahme: Es ist nach Leberschäden in Laborstudien aus Präparaten verschwunden. Wer Cumarine nimmt, hält seine Zufuhr konstant und spricht Präparate ab, mehr dazu im Artikel Vitamin K2 Lebensmittel.
Häufige Fragen
Welche Symptome hat ein Vitamin-K-Mangel?
Blutungen: blaue Flecken ohne Stoß, Nasen- und Zahnfleischbluten, Nachblutungen, Blut im Urin oder Stuhl. Sie treten erst bei schwerem Mangel auf.
Wie wird ein Vitamin-K-Mangel festgestellt?
Über die Prothrombinzeit (Quick-Wert oder INR). Ist sie ohne Blutverdünner verlängert, spricht das für einen Mangel.
Wer bekommt einen Vitamin-K-Mangel?
Neugeborene ohne Prophylaxe, Menschen mit Fettaufnahmestörungen wie Zöliakie oder Mukoviszidose und Patienten unter Cumarinen, Gallensäurebindern oder langer Antibiotikagabe.
Warum bekommen Babys Vitamin K?
Weil Plazenta und Muttermilch wenig liefern und ohne Prophylaxe etwa 1 von 4.000 Kindern eine Blutung erleidet. In Deutschland gibt es dreimal 2 mg oral bei U1, U2 und U3.
Kann man Vitamin K überdosieren?
Für K1 und K2 sind keine Nebenwirkungen bekannt, deshalb gibt es keine Obergrenze. Nur das synthetische K3 ist wegen Leberschäden aus Präparaten verschwunden.
Hilft Vitamin K gegen Osteoporose?
Die EU erlaubt die Aussage „Erhaltung normaler Knochen“. Frakturdaten stammen vor allem aus japanischen Studien mit 45 mg MK-4 am Tag, einer Arzneimitteldosis, die kein Präparat in der EU liefert.
Quellen
- National Institutes of Health — Vitamin K Fact Sheet for Health Professionals
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Vitamin K
- AWMF-Leitlinie 024-022 — Prophylaxe von Vitamin-K-Mangelblutungen bei Neugeborenen (Stand 2016)
- EFSA NDA Panel — Dietary reference values for vitamin K, EFSA Journal 2017 (PubMed)
Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.







