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Nahrungsergänzung bei Hashimoto: Selen, Jod, Vitamin D im Check

Kurzantwort: Selen ist das einzige Nahrungsergänzungsmittel mit belastbaren Studien bei Hashimoto. Es senkt messbar die TPO-Antikörper, in einer Meta-Analyse von 16 Studien nach drei Monaten um 271 Einheiten. Ob das Beschwerden, den Hormonbedarf oder die Lebensqualität bessert, konnte das Cochrane-Review von 2013 nicht belegen. Jodpräparate und Algenprodukte sind bei Schilddrüsenerkrankungen ohne ärztliche Rücksprache tabu. Vitamin D wird bei Mangel ergänzt, als Hashimoto-Therapie ist es nicht belegt. Kein Präparat ersetzt die Behandlung mit L-Thyroxin.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze L-Thyroxin nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Herzrasen, Zittern, starkem Schwitzen und ungewolltem Gewichtsverlust oder bei extremer Müdigkeit, Kälteempfinden und Schwellungen im Gesicht gehe zeitnah zur Ärztin. Haarausfall, brüchige Nägel und Knoblauchgeruch im Atem unter Selenpräparaten sind Zeichen einer Selenvergiftung: Präparat absetzen und Blutwert prüfen lassen.

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen die Schilddrüse, meist gegen das Enzym Thyreoperoxidase (TPO). Die Drüse entzündet sich chronisch und produziert mit der Zeit zu wenig Hormon.

Die Standardbehandlung ist der Ersatz des fehlenden Hormons mit Levothyroxin. Nahrungsergänzungsmittel versprechen, die Entzündung selbst zu bremsen. Hier findest du, was davon geprüft ist.

Warum Selen bei Hashimoto eine Rolle spielt

Selen ist Bestandteil von 25 Selenoproteinen im Körper. Dazu gehören die Enzyme, die Schilddrüsenhormone aktivieren und abbauen, und die Glutathionperoxidasen, die die Drüse vor oxidativem Stress schützen.

Das NIH Office of Dietary Supplements fasst die Datenlage in seinem Fact Sheet (Stand September 2025) so zusammen: Bei Frauen ist ein niedriger Selenstatus mit einem höheren Risiko für Schilddrüsenerkrankungen verbunden, bei Männern nicht. Klinische Studien zeigen, dass Selen bestimmte Schilddrüsenantikörper senken kann. Andere Studien fanden keinen Effekt auf Schilddrüsenfunktion oder Lebensqualität.

Was die Studien zu Selen zeigen

Die Meta-Analyse von Wichman und Kollegen (Thyroid, 2016) hat 16 kontrollierte Studien ausgewertet. Bei Patientinnen, die bereits Levothyroxin nahmen, lagen die TPO-Antikörper nach drei Monaten Selen im Mittel 271 Einheiten niedriger als in der Kontrollgruppe. Der Effekt hielt nach sechs und zwölf Monaten an. Bei unbehandelten Patientinnen sank der Wert nach drei Monaten um 512 Einheiten, nach sechs und zwölf Monaten war kein Unterschied mehr messbar.

Die Autoren bewerten die Qualität der Evidenz als gering. Und sie halten fest: Ob die gesunkenen Antikörper mit klinisch relevanten Verbesserungen zusammenhängen, bleibt zu zeigen. Teilnehmende mit Selen berichteten zudem häufiger Nebenwirkungen als die Kontrollgruppe.

Das Cochrane-Review von van Zuuren und Kollegen (2013) hatte vier Studien mit 463 Teilnehmenden gefunden, alle mit unklarem bis hohem Verzerrungsrisiko. Keine Studie erfasste die Lebensqualität, keine die Änderung der Levothyroxin-Dosis. Eine einzelne kleine Studie mit 36 Teilnehmenden berichtete ein besseres Wohlbefinden unter 200 µg Natriumselenit. Die Cochrane-Autoren konnten keine Empfehlung ableiten.

Der Antikörperwert ist also ein Laborwert, der unter Selen sinkt. Dass du dich dadurch besser fühlst oder weniger Hormon brauchst, ist bis heute nicht belegt.

Wie viel Selen sicher ist

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Schätzwert 60 µg pro Tag für Frauen und 70 µg für Männer. Die Cochrane-Studie mit dem berichteten Effekt auf das Wohlbefinden nutzte 200 µg Natriumselenit pro Tag, das Dreifache des Tagesbedarfs.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt seit 2023 für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 40 µg Selen pro Tagesdosis. Die EFSA hat 2023 die tolerierbare Gesamtzufuhr für Erwachsene auf 255 µg pro Tag festgelegt. Ausschlaggebend war die SELECT-Studie, in der 330 µg pro Tag zu Haarausfall führten.

Wer Selen über Monate hoch dosiert, sollte den Blutwert kontrollieren lassen. Chronisch zu viel Selen zeigt sich laut NIH an Haarausfall, brüchigen Nägeln, Knoblauchgeruch im Atem, metallischem Geschmack, Übelkeit und Nervenstörungen. Paranüsse sind so selenreich, dass die DGE höchstens zwei Stück pro Tag empfiehlt.

Jod: der heikle Punkt

Jod braucht die Schilddrüse für die Hormonproduktion. Bei einer erkrankten Schilddrüse kann eine hohe Jodzufuhr die Funktion aus dem Gleichgewicht bringen. Die DGE schreibt deshalb bei jeder Jodsupplementation: Bei Schilddrüsenerkrankungen vorher ärztliche Rücksprache.

Besonders riskant sind Algenpräparate. Das BfR hat in seiner Stellungnahme 044/2026 vom 5. August 2026 Jodgehalte von bis zu 10.000 mg pro Kilogramm Trockenmasse bei Braunalgen dokumentiert. Kelp-Kapseln mit Knotentang oder Blasentang enthalten 150 bis 1.800 mg pro Kilogramm. Das BfR nennt Personen mit Schilddrüsenerkrankungen ausdrücklich als empfindliche Gruppe, bei der solche Jodspitzen eine Überfunktion auslösen können. Jodiertes Speisesalz in normaler Menge ist davon nicht betroffen.

Vitamin D und andere Präparate

Vitamin D wird bei Hashimoto oft empfohlen. Ob es den Verlauf der Erkrankung beeinflusst, ist nicht belegt. Ein nachgewiesener Mangel wird trotzdem behandelt, weil er Knochen und Muskeln schadet. Das BfR nennt für Nahrungsergänzungsmittel 20 µg Vitamin D pro Tag als Höchstmenge.

Für Zink, Eisen, Vitamin B12 oder Magnesium gilt dasselbe Prinzip: Ein Blutbild zeigt, ob etwas fehlt. Ein normaler Wert braucht kein Präparat, ein niedriger wird gezielt behandelt.

Häufige Fragen

Hilft Selen bei Hashimoto?

Es senkt die TPO-Antikörper, das ist in 16 Studien gezeigt. Ein Nutzen für Beschwerden, Hormonbedarf oder Lebensqualität ist nicht belegt.

Wie viel Selen darf ich nehmen?

Das BfR nennt 40 µg pro Tag als Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel. Die Studiendosis von 200 µg liegt weit darüber und gehört unter ärztliche Kontrolle mit Blutwertmessung.

Darf ich bei Hashimoto Jod nehmen?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Algen- und Kelp-Präparate solltest du laut BfR meiden, weil ihr Jodgehalt um das Tausendfache schwankt.

Sollte ich Vitamin D nehmen?

Bei nachgewiesenem Mangel ja. Als Behandlung der Hashimoto-Entzündung ist Vitamin D nicht belegt.

Kann ich L-Thyroxin durch Selen ersetzen?

Nein. Keine Studie hat gezeigt, dass Selen die Hormondosis senkt. Das Cochrane-Review fand dazu gar keine Daten.

Woran erkenne ich zu viel Selen?

An Haarausfall, brüchigen Nägeln, Knoblauchgeruch im Atem und metallischem Geschmack. Dann Präparat absetzen und den Selenwert im Blut messen lassen.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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