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Kurzantwort: Schwangere brauchen laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung 300 mg Magnesium am Tag, genauso viel wie nicht schwangere Frauen. Ein Präparat für alle Schwangeren ist nicht belegt: Die Cochrane-Auswertung von 2014 mit zehn Studien und 9.090 Frauen fand keine ausreichend hochwertigen Belege für einen Nutzen. Bei Wadenkrämpfen sind die Ergebnisse widersprüchlich, eine vorbeugende Wirkung gegen Präeklampsie ist laut Leitlinie nicht gezeigt. Wer trotzdem ergänzt, bleibt nach Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung bei höchstens 250 mg am Tag und spricht mit der Frauenärztin.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein Medikament nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Brustschmerzen oder Atemnot in der zweiten Schwangerschaftshälfte gehe sofort zur Ärztin oder in die Klinik; die Leitlinie nennt das als Vorboten einer Präeklampsie.
Magnesium gehört in vielen Praxen zur Standardempfehlung in der Schwangerschaft, gegen Wadenkrämpfe, gegen vorzeitige Wehen, für die Entwicklung des Kindes. Die Studienlage ist dünner, als diese Routine vermuten lässt. Zwei Cochrane-Auswertungen und die deutsche Leitlinie zu Bluthochdruck in der Schwangerschaft haben das Thema geprüft.
Hier findest du den Bedarf laut DGE, die Zahlen aus den Cochrane-Auswertungen, was Magnesiumsulfat in der Klinik von Tabletten aus der Drogerie unterscheidet und welche Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel gilt.
Wie viel Magnesium Schwangere brauchen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Referenzwerte für Magnesium 2021 überarbeitet. Der Schätzwert für eine angemessene Zufuhr liegt bei 300 mg am Tag für Frauen ab 19 Jahren, und er bleibt in der Schwangerschaft und Stillzeit bei 300 mg. Einen Zuschlag für die Schwangerschaft gibt es beim Magnesium nicht. Männer brauchen 350 mg.
Die DGE schreibt außerdem, dass ein Magnesiummangel bei üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten selten ist.
Was die Cochrane-Auswertung von 2014 fand
Makrides und Kollegen werteten für Cochrane zehn randomisierte Studien mit 9.090 Frauen und ihren Kindern aus. Die Frauen bekamen Magnesium als Oxid, Citrat, Gluconat, Aspartat oder Stearat, in Dosen von 128 mg bis 4 g am Tag, beginnend zwischen der 6. und 28. Woche.
Ergebnis über alle Studien: kein Unterschied bei der Sterblichkeit rund um die Geburt (Risikoverhältnis 1,10), bei zu kleinen Kindern für das Schwangerschaftsalter (0,76) und bei Präeklampsie (0,87). Frauen mit Magnesium mussten seltener während der Schwangerschaft ins Krankenhaus (0,65) und ihre Kinder hatten seltener einen Apgar-Wert unter 7 nach fünf Minuten (0,34). Nur zwei der zehn Studien waren von hoher Qualität, und in diesen beiden zeigte sich bei den Hauptzielen Sterblichkeit, Wachstum und Präeklampsie kein Unterschied. Das Fazit der Autoren: Es gibt nicht genug hochwertige Belege, dass Magnesium in der Schwangerschaft nützt.
Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft
Für Wadenkrämpfe gibt es eine eigene Cochrane-Auswertung von Luo und Kollegen aus dem Jahr 2020 (PMID 33275278) mit acht kleinen Studien und 576 Frauen. Die Ergebnisse zu Magnesium waren widersprüchlich: In einer Studie mit 69 Frauen berichteten nach der Behandlung mehr Frauen, gar keine Krämpfe mehr zu haben, in anderen Auswertungen machte Magnesium wenig oder keinen Unterschied. Die Sicherheit der Belege war niedrig oder sehr niedrig.
Die allgemeine Cochrane-Auswertung zu Muskelkrämpfen (Garrison und Kollegen, 2020, PMID 32956536) kam zum selben Bild: Alle fünf Studien mit schwangeren Frauen, 408 Teilnehmerinnen, hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Ob Magnesium Schwangeren gegen Krämpfe hilft, ist damit offen.
Präeklampsie, Eklampsie und Magnesiumsulfat
Die S2k-Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft“ (AWMF 015-018, Stand Juli 2024) hält in Statement 3.S13 fest: Ein vorbeugender Effekt gegen Präeklampsie ist für Magnesium, Selen, Vitamine, Kalzium, NO-Donatoren oder Fischöl nach aktueller Studienlage nicht gezeigt. Magnesiumtabletten schützen also nicht vor Schwangerschaftsbluthochdruck.
Etwas anderes ist Magnesiumsulfat als Infusion. Dieselbe Leitlinie nennt es in Empfehlung 8.E28 als Mittel der Wahl zur Vorbeugung und Behandlung der Eklampsie, also von Krampfanfällen bei schwerer Präeklampsie. Es wird in der Klinik intravenös gegeben, mit Überwachung der Atmung und einem Gegenmittel (Calciumgluconat) in Reichweite. Mit Magnesium aus der Drogerie hat das nichts zu tun.
Präparate: Höchstmenge und Verträglichkeit
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 mg Magnesium am Tag, verteilt auf zwei oder mehr Portionen. Eine gesonderte Höchstmenge für Schwangere gibt es nicht. Ab welcher Menge Durchfall auftritt, ist individuell; die Gebrauchsinformation von Magnesium Verla N Dragées nennt weiche Stühle und Durchfall als gelegentliche Nebenwirkung, bei der die Tagesdosis gesenkt werden sollte.
Dieselbe Gebrauchsinformation erlaubt die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit, wenn der Arzt sie für notwendig hält, und verweist auf Erfahrungen mit mehr als 1.000 Schwangerschaftsausgängen ohne Hinweis auf Fehlbildungen. Anwendungsgebiet ist ein nachgewiesener Magnesiummangel. Welche Dosis für dich richtig ist, entscheidet deine Ärztin, vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Sodbrennen: Magnesium als Antazidum
Viele Schwangere nehmen Magnesium unbewusst gegen Sodbrennen: Kautabletten wie Rennie enthalten 680 mg Calciumcarbonat und 80 mg Magnesiumcarbonat. Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum Embryotox der Charité stuft Antazida als Mittel der Wahl für die kurzzeitige symptomatische Behandlung des Refluxes ein; Fehlbildungen wurden bei der verbreiteten Anwendung nicht bekannt. Die Gebrauchsinformation von Rennie nennt für die Schwangerschaft eine Dauer von höchstens zwei Wochen und rät, große Mengen Milch dazu zu meiden.
Häufige Fragen
Braucht jede Schwangere ein Magnesiumpräparat?
Nein. Die DGE nennt 300 mg am Tag, gleich viel wie außerhalb der Schwangerschaft, und Cochrane fand keinen belegten Nutzen einer Ergänzung für alle.
Hilft Magnesium gegen vorzeitige Wehen?
In der Cochrane-Auswertung mussten Frauen mit Magnesium seltener ins Krankenhaus (drei Studien, 1.158 Frauen). Das war kein Hauptziel der Auswertung, und die Autoren sehen insgesamt keinen ausreichenden Beleg. Eine Wehenhemmung mit Tabletten ist nicht belegt.
Wie viel Magnesium darf ich in der Schwangerschaft nehmen?
Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR höchstens 250 mg am Tag. Ein Arzneimittel bei nachgewiesenem Mangel dosiert die Ärztin.
Kann Magnesium Präeklampsie verhindern?
Nein. Die Leitlinie zu hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen stellt fest, dass ein vorbeugender Effekt nicht gezeigt ist.
Was hilft gegen Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft?
Die Studienlage zu Magnesium ist widersprüchlich, mit niedriger Sicherheit der Belege. Besprich anhaltende Krämpfe mit der Frauenärztin, statt auf eigene Faust zu dosieren.
Darf ich in der Stillzeit Magnesium nehmen?
Der DGE-Wert bleibt bei 300 mg am Tag. Die Gebrauchsinformation von Magnesium Verla erlaubt die Anwendung in der Stillzeit, wenn der Arzt sie für notwendig hält; Auswirkungen auf gestillte Kinder wurden nicht beobachtet.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Magnesium, überarbeitet 2021, abgerufen am 11.09.2026
- Makrides M, Crosby DD, Bain E, Crowther CA — Magnesium supplementation in pregnancy, Cochrane Database of Systematic Reviews 2014 (PubMed, PMID 24696187), abgerufen am 11.09.2026
- AWMF/DGGG — S2k-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie, Version 7.0, Stand Juli 2024 (PDF), abgerufen am 11.09.2026
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln (PDF), abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.







