Hausmittel gegen Ohrenschmerzen: Was hilft, was schadet

Kurz gesagt: Bei Ohrenschmerzen helfen Wärme von außen, abschwellende Nasentropfen und Schmerzmittel. Nichts ins Ohr geben – weder Zwiebelsaft noch Öl noch Wattestäbchen. Bei einem Loch im Trommelfell kann das ernsthaften Schaden anrichten.

Die alte Regel gilt weiterhin: Ins Ohr gehört nichts, was größer ist als der eigene Ellbogen.

Woher der Schmerz kommt

Meist steckt eine Mittelohrentzündung dahinter, häufig im Anschluss an einen Schnupfen. Die Verbindung zwischen Nase und Mittelohr – die Ohrtrompete – schwillt zu, der Druckausgleich fällt aus.

Andere Ursachen sind Entzündungen des Gehörgangs, Zahnprobleme, Kiefergelenkbeschwerden oder ein Fremdkörper.

Bei Kindern ist die Ohrtrompete kürzer und flacher – deshalb sind Mittelohrentzündungen dort so häufig.

Was hilft

Wärme von außen. Ein warmes Tuch, ein Kirschkernkissen oder eine Rotlichtlampe mit Abstand. Wohltuend, solange es nicht zu heiß ist.

Zwiebelwickel. Klein gehackte Zwiebel in ein Tuch, kurz erwärmen und außen ans Ohr legen – nicht hineintropfen. Ein altes Hausmittel ohne Studienbeleg, aber ohne Risiko, solange nichts ins Ohr gelangt.

Abschwellende Nasentropfen. Sie öffnen die Ohrtrompete und verbessern die Belüftung. Höchstens eine Woche anwenden.

Schmerzmittel. Ibuprofen oder Paracetamol in altersgerechter Dosierung.

Oberkörper hoch lagern beim Schlafen.

Viel trinken.

Was man keinesfalls tun sollte

Nichts ins Ohr tropfen. Ist das Trommelfell verletzt, gelangen Flüssigkeit und Keime ins Mittelohr. Weder Öl noch Zwiebelsaft noch Alkohol gehören hinein.

Keine Wattestäbchen. Sie schieben Ohrenschmalz tiefer und können das Trommelfell verletzen.

Keine Ohrkerzen. Ihr Nutzen ist nicht belegt, Verbrennungen und Verletzungen sind dokumentiert.

Nicht schnäuzen mit zugehaltener Nase – das treibt Sekret ins Mittelohr.

Wann zum Arzt

Bei Kindern unter zwei Jahren, bei hohem Fieber, bei Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr, bei Schwerhörigkeit, Schwindel, Nackensteife, Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr – und immer, wenn die Beschwerden länger als zwei bis drei Tage anhalten oder sich verschlechtern.

Eine Schwellung hinter dem Ohr kann auf eine Entzündung des Warzenfortsatzes hindeuten – ein Notfall.

Antibiotika

Die meisten Mittelohrentzündungen heilen ohne Antibiotikum aus. Leitlinien empfehlen bei unkomplizierten Verläufen zunächst abwartendes Beobachten mit Schmerzbehandlung.

Antibiotika kommen bei kleinen Kindern, schwerem Verlauf oder ausbleibender Besserung zum Einsatz.

Wie das Ohr aufgebaut ist

Das Ohr besteht aus äußerem Gehörgang, Mittelohr mit Trommelfell und Gehörknöchelchen sowie Innenohr mit Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan. Schmerzen entstehen meist im äußeren Gehörgang oder im Mittelohr. Die Unterscheidung entscheidet über die Behandlung.

Das Mittelohr ist über die Ohrtrompete mit dem Rachen verbunden, wodurch der Druck ausgeglichen wird. Bei einer Erkältung schwillt diese Verbindung an und der Druckausgleich stockt. Genau daraus entstehen viele Beschwerden.

Bei Kindern verläuft die Ohrtrompete flacher und kürzer, weshalb Mittelohrentzündungen dort deutlich häufiger sind. Mit dem Wachstum ändert sich das. Deshalb nehmen die Fälle mit dem Alter ab.

Warum manche Hausmittel gefährlich sind

Öl, Zwiebelsaft oder Tropfen dürfen nicht ins Ohr gegeben werden, wenn das Trommelfell verletzt sein könnte. Bei einem Riss gelangen Flüssigkeiten ins Mittelohr und können Schaden anrichten. Ob das Trommelfell intakt ist, lässt sich von außen nicht beurteilen.

Wattestäbchen schieben Ohrenschmalz tiefer und verletzen die empfindliche Haut des Gehörgangs. Beides begünstigt Entzündungen. Fachgesellschaften raten seit Jahren davon ab.

Ohrenkerzen sind unwirksam und können Verbrennungen und Wachsrückstände im Gehörgang verursachen. Behörden haben davor gewarnt. Der behauptete Unterdruck existiert nicht.

Was Ohrenschmalz leistet

Ohrenschmalz schützt den Gehörgang, hält ihn geschmeidig und transportiert Schmutz nach außen. Der Gehörgang reinigt sich selbst, weil die Haut langsam nach außen wächst. Eine Reinigung von innen ist deshalb unnötig.

Ein Pfropf entsteht meist erst durch Hineinschieben oder bei sehr engen Gehörgängen. Er verursacht dumpfes Hören und Druckgefühl. Entfernt wird er in der Praxis mit Spülung oder Absaugung.

Für zu Hause gibt es Tropfen, die Schmalz aufweichen, allerdings nur bei intaktem Trommelfell. Sie sollten nicht bei Schmerzen angewendet werden. Im Zweifel gilt: erst untersuchen lassen.

Ohrenschmerzen beim Fliegen und Tauchen

Beim Start und vor allem beim Sinkflug ändert sich der Umgebungsdruck schnell, während der Druckausgleich über die Ohrtrompete Zeit braucht. Schlucken, Gähnen und Kaugummi helfen. Bei Erkältung ist der Ausgleich erschwert.

Abschwellende Nasentropfen kurz vor dem Sinkflug können helfen, sind aber nur für wenige Tage geeignet. Bei Kindern hilft Trinken oder ein Schnuller. Schlafende Kinder sollten vor dem Sinkflug geweckt werden.

Beim Tauchen ist der Druckausgleich Teil der Ausbildung und muss aktiv erfolgen. Wer erkältet ist, sollte nicht tauchen. Ein Barotrauma des Ohres ist eine häufige Tauchverletzung.

Wann Antibiotika sinnvoll sind

Die meisten Mittelohrentzündungen bei Kindern heilen ohne Antibiotikum aus, weshalb Leitlinien zunächst abwartendes Beobachten mit Schmerzbehandlung empfehlen. Ausnahmen sind sehr junge Kinder, schwere Verläufe und beidseitige Entzündungen. Diese Kriterien sind klar beschrieben.

Bei einer Gehörgangsentzündung werden dagegen häufig antibiotische Tropfen eingesetzt, weil sie direkt wirken. Auch hier entscheidet die Untersuchung. Selbstbehandlung ist ungeeignet.

Schmerzmittel gehören in beiden Fällen zur Behandlung, weil Schmerz nicht ausgehalten werden muss. Für Kinder gibt es geeignete Wirkstoffe in altersgerechter Dosierung. Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht.

Warnzeichen

Hohes Fieber, starke Schmerzen, Schwindel, Erbrechen oder eine Schwellung hinter dem Ohr sind Gründe für eine sofortige Untersuchung. Auch Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr gehört sofort abgeklärt. Dahinter können Komplikationen stecken.

Ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr ist ein Notfall und sollte am selben Tag untersucht werden. Je früher behandelt wird, desto besser die Aussichten. Abwarten verschlechtert sie.

Bei Säuglingen und Kleinkindern gilt generell eine niedrigere Schwelle, weil sie Beschwerden nicht benennen können. Ständiges Greifen ans Ohr, Trinkverweigerung und Unruhe sind Hinweise. Im Zweifel lieber einmal zu viel vorstellen.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Häufige Fragen

Wärme oder Kälte?

Meist wird Wärme als angenehmer empfunden. Bei Entzündungen des äußeren Gehörgangs kann Kühlen besser tun.

Wie lange dauern Ohrenschmerzen?

Bei einer Mittelohrentzündung meist zwei bis drei Tage.

Darf man mit Ohrenschmerzen fliegen?

Besser nicht – der Druckausgleich funktioniert nicht und die Schmerzen verstärken sich.

Helfen Ohrentropfen aus der Apotheke?

Nur nach ärztlicher Untersuchung, weil das Trommelfell intakt sein muss.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Darf man Öl ins Ohr geben?

Nein, nicht bei möglicherweise verletztem Trommelfell.

Sind Ohrenkerzen wirksam?

Nein, sie sind unwirksam und riskant.

Braucht jede Mittelohrentzündung ein Antibiotikum?

Nein, viele heilen ohne aus.

Quellen

Das passt dazu

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