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Kurzantwort: Ein Mineralstoffpräparat ohne Jod ist sinnvoll, wenn deine Schilddrüse empfindlich auf zusätzliches Jod reagiert. Das BfR rät bei Hashimoto-Thyreoiditis ausdrücklich, auf jodhaltige Nahrungsergänzungs- und Vitaminpräparate zu verzichten; eine jodarme Ernährung oder der Verzicht auf Jodsalz sind dagegen nicht nötig. Auch bei Schilddrüsenautonomie und Morbus Basedow gehört zusätzliches Jod in ärztliche Hand. Für Schilddrüsengesunde gibt es keinen Grund, Jod zu meiden: Rund 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland liegen unter dem Bedarf.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze Schilddrüsenmedikamente nie eigenmächtig ab und ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache. Bei Herzrasen, Herzstolpern oder deutlichem Blutdruckanstieg nach Beginn eines jodhaltigen Präparats sprich sofort mit deiner Ärztin; das BfR nennt diese Beschwerden als Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion, die ein Jodüberschuss bei empfindlichen Menschen auslösen kann.
„Mineralstoffe ohne Jod“ ist eine Suchanfrage von Menschen mit einer Schilddrüsendiagnose, die trotzdem Magnesium, Zink oder Selen nehmen möchten. Viele Kombipräparate enthalten Jod, oft 100 bis 150 Mikrogramm, ohne dass es auf der Vorderseite steht.
Hier findest du, für wen der Verzicht auf Jod in Präparaten laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und DGE gilt, für wen er schadet, und worauf du beim Etikett achtest.
Wer Jod in Präparaten meiden sollte
Das BfR beantwortet die Frage in seinen Fragen und Antworten zur Jodversorgung (Stand Februar 2021) so: Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften weder einen Jodverzicht noch eine jodarme Ernährung, und auch jodiertes Speisesalz bleibt erlaubt. Auf zusätzliche Jodaufnahmen, etwa durch jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate, soll aber verzichtet werden.
Als besonders empfindlich gegenüber einem Jodüberschuss nennt das BfR ältere Menschen, die im Jodmangel aufgewachsen sind und eine funktionelle Autonomie der Schilddrüse entwickelt haben. Bei ihnen kann zusätzliches Jod eine Überfunktion auslösen. Auch bei Morbus Basedow zählt das BfR eine Überfunktion zu den möglichen Folgen eines Jodexzesses.
Die DGE ergänzt in ihren Referenzwerten: Bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vor einer Jod-Supplementation eine ärztliche Rücksprache erfolgen. Das ist die Regel, die für alle drei Gruppen gilt.
Wer Jod nicht meiden sollte
Für Schilddrüsengesunde ist der Jodverzicht ein Fehler. Die Daten des Robert Koch-Instituts zeigen laut BfR, dass etwa 30 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland weniger Jod aufnehmen als den geschätzten mittleren Bedarf. Bei Kindern sank die Zufuhr seit der Erhebung 2003 bis 2006 um 13 Prozent. Der Grund: jodarme Böden und immer weniger Jodsalz in verarbeiteten Lebensmitteln, laut BfR nur noch bei 10 Prozent der industriell hergestellten Backwaren.
Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf. Die DGE nennt 220 und 230 Mikrogramm am Tag und empfiehlt zusätzlich ein Präparat mit 100 bis 150 Mikrogramm nach Rücksprache mit der Frauenärztin.
Wie viel Jod du brauchst und wo die Grenze liegt
| Alter | Empfohlene Jodzufuhr (DGE, Stand 2025) |
|---|---|
| Säuglinge bis 12 Monate | 80 µg |
| 1 bis unter 7 Jahre | 90 µg |
| 7 bis unter 13 Jahre | 120 µg |
| ab 13 Jahren und Erwachsene | 150 µg |
| Schwangere | 220 µg |
| Stillende | 230 µg |
Nach oben gilt in Deutschland eine tolerierbare Gesamtzufuhr von 500 Mikrogramm am Tag für Erwachsene, aus Lebensmitteln und Präparaten zusammen. Die EFSA hält 600 Mikrogramm für unbedenklich; Deutschland setzt die Grenze wegen der vielen älteren Menschen mit Schilddrüsenautonomie tiefer. Für Kinder gelten 200 (1 bis 3 Jahre) bis 500 Mikrogramm (15 bis 17 Jahre). Als Jodexzess gilt eine Zufuhr über 1.000 Mikrogramm am Tag.
Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR eine Höchstmenge von 100 Mikrogramm Jod pro Tagesdosis, für Schwangere und Stillende 150 Mikrogramm.
Was auf der Packung zu prüfen ist
Zugesetztes Jod muss in der Nährwerttabelle eines Präparats stehen, mit Menge und Prozent des Referenzwerts von 150 Mikrogramm. Ein Multimineral mit „100 % NRV“ enthält also 150 Mikrogramm Jod, das 1,5-Fache der BfR-Höchstmenge. Wer Jod meiden soll, prüft die Tabelle auf der Rückseite.
Eine zweite Jodquelle versteckt sich hinter Begriffen wie Kelp, Kombu, Wakame, Braunalge oder „Meeresmineralien“. Getrocknete Meeresalgen enthalten laut BfR bis zu 5.500 Mikrogramm Jod pro Gramm. Schon 1 bis 10 Gramm können die Obergrenze von 500 Mikrogramm um ein Vielfaches überschreiten. Algen mit mehr als 20 mg Jod pro Kilogramm müssen einen Warnhinweis tragen, dass zu viel Jod die Schilddrüsenfunktion stören kann.
Welche Mineralstoffe ohne Jod sinnvoll sind
Ein Präparat ohne Jod löst nur das Jodproblem. Ob du die übrigen Mineralstoffe brauchst, ist eine eigene Frage. Das BfR nennt für Nahrungsergänzungsmittel Höchstmengen von 250 mg Magnesium (auf zwei Portionen verteilt), 500 mg Calcium, 6,5 mg Zink, 40 Mikrogramm Selen und 500 mg Kalium pro Tag. Eisen (6 mg) sollen Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Schwangere nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen.
Selen wird bei Schilddrüsenerkrankungen oft genannt. Die EU erlaubt die Aussage, dass Selen zu einer normalen Schilddrüsenfunktion beiträgt. Mehr ist damit nicht gesagt. Die Dosis besprichst du mit der Ärztin, die deine Werte kennt.
Nimmst du Levothyroxin, halte laut Zulassungstext des Medikaments und dem US-amerikanischen NIH mindestens 4 Stunden Abstand zu Calcium- und Eisenpräparaten, sonst sinkt die Aufnahme des Schilddrüsenhormons.
Häufige Fragen
Muss ich bei Hashimoto Jodsalz meiden?
Nein. Das BfR schreibt, dass weder Jodverzicht noch jodarme Ernährung empfohlen werden und Jodsalz erlaubt bleibt. Nur jodhaltige Präparate sollen wegfallen.
Welche Mineralstoffe gibt es ohne Jod?
Einzelpräparate mit Magnesium, Calcium, Zink oder Selen enthalten kein Jod, solange es nicht zugesetzt ist. Bei Kombipräparaten entscheidet die Nährwerttabelle.
Wie erkenne ich Jod in Nahrungsergänzungsmitteln?
An der Zeile „Jod“ in der Nährwerttabelle und an Zutaten wie Kelp, Kombu, Wakame, Kaliumjodid oder Meeresalgenpulver.
Ist Jod in Multivitaminen gefährlich?
Für Schilddrüsengesunde nicht: 100 bis 150 Mikrogramm liegen weit unter der Obergrenze von 500 Mikrogramm. Bei Hashimoto, Autonomie oder Basedow entscheidet die Ärztin.
Wer braucht zusätzliches Jod?
Schwangere und Stillende (100 bis 150 Mikrogramm als Präparat laut DGE) und Säuglinge, die ausschließlich selbst zubereitete Breie bekommen (etwa 50 Mikrogramm).
Darf ich bei Schilddrüsenunterfunktion Jod nehmen?
Steckt eine Hashimoto-Thyreoiditis dahinter, rät das BfR von jodhaltigen Präparaten ab. Bei anderen Ursachen entscheidet die behandelnde Ärztin.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge, FAQ vom 20.02.2020, aktualisiert 09.02.2021 (PDF), abgerufen am 11.09.2026
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Jod, Stand der Ableitung 2025, abgerufen am 11.09.2026
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln (PDF), abgerufen am 11.09.2026
- EUR-Lex — Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, abgerufen am 11.09.2026
Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.







