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Kurzantwort: Vitamin E ist ein fettlösliches Antioxidans. Es fängt freie Radikale in den Zellmembranen ab, und die EU erlaubt genau eine Aussage dazu: „Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.“ Mehr ist nicht belegt. Große Studien mit zusammen über 100.000 Teilnehmern haben geprüft, ob Vitamin-E-Präparate vor Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs oder Demenz schützen. Sie fanden keinen Schutz, bei 400 IE täglich sogar 17 Prozent mehr Prostatakrebs. Den Bedarf von 8 mg (DGE) bis 13 mg (EFSA) am Tag deckt Essen mit Nüssen, Samen und Pflanzenöl.
Vitamin E ist ein Sammelname für acht Verbindungen: vier Tocopherole und vier Tocotrienole. Nur Alpha-Tocopherol deckt den Bedarf des Menschen, die Leber sortiert die anderen Formen aus und scheidet sie aus. Natürliches Alpha-Tocopherol (RRR-Form) ist doppelt so wirksam wie synthetisches (all-rac): 1 mg RRR entspricht 2 mg all-rac, in Internationalen Einheiten 1,49 IE natürlich gegenüber 2,22 IE synthetisch pro Milligramm.
Kaum ein Vitamin wurde so gründlich in großen Studien getestet, und kaum eines hat so viele Hoffnungen enttäuscht. Dieser Text nennt die Studien mit Teilnehmerzahl und Ergebnis. Welche Lebensmittel den Bedarf decken, steht im Artikel Vitamin E Lebensmittel.
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer Gerinnungshemmer oder Acetylsalicylsäure nimmt, bespricht Vitamin-E-Präparate mit der Ärztin oder dem Arzt, weil hohe Dosen die Blutgerinnung zusätzlich hemmen. Männer ab 55 Jahren sollten laut BfR nicht unkontrolliert Vitamin E ergänzen.
Was Vitamin E im Körper macht
Alpha-Tocopherol sitzt in den Zellmembranen und schützt dort die mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor freien Radikalen. Das ist die Antioxidans-Wirkung, die als einzige von der EU als Health Claim zugelassen ist. Daneben beschreibt das NIH weitere Aufgaben: Vitamin E wirkt an der Immunfunktion mit, an Zellsignalen und am Ablesen von Genen. Es hemmt das Enzym Proteinkinase C, das an der Vermehrung von Muskelzellen der Gefäßwände, Blutplättchen und Immunzellen beteiligt ist. Die Endothelzellen der Gefäße setzen unter Vitamin E mehr Prostacyclin frei, das die Gefäße weitet und das Verklumpen der Blutplättchen bremst.
Aus diesen Mechanismen entstand in den 1990er-Jahren die Hoffnung, Vitamin E könne Herzinfarkte verhindern. Die Studien dazu folgen im nächsten Abschnitt.
Herz und Gefäße: die großen Studien
Die HOPE-Studie gab fast 10.000 Patienten mit Gefäßerkrankung oder Diabetes viereinhalb Jahre lang 400 IE Vitamin E am Tag. Es gab weder weniger Herzinfarkte noch weniger Schlaganfälle oder Todesfälle. In der Verlängerung HOPE-TOO über insgesamt sieben Jahre hatten die Vitamin-E-Nehmer 13 Prozent mehr Herzinsuffizienz.
Die Women’s Health Study gab knapp 40.000 gesunden Frauen zehn Jahre lang 600 IE jeden zweiten Tag. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Krebsfälle unterschieden sich nicht von der Placebogruppe. Die Physicians‘ Health Study II gab knapp 15.000 Ärzten acht Jahre lang 400 IE jeden zweiten Tag. Auch hier kein Schutz vor Herz-Kreislauf-Ereignissen, aber mehr Hirnblutungen.
Eine Meta-Analyse von 2005 rechnete 19 Studien zusammen und fand ab 400 IE täglich eine höhere Gesamtsterblichkeit, der Anstieg begann bereits ab 150 IE.
Krebs: die SELECT-Studie
SELECT sollte zeigen, ob Selen und Vitamin E Prostatakrebs verhindern. 35.533 gesunde Männer nahmen 400 IE synthetisches Vitamin E am Tag oder Placebo. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, die Auswertung von 2011 im Fachblatt JAMA zeigte das Gegenteil des Erhofften: 620 Prostatakrebsfälle unter Vitamin E gegenüber 529 unter Placebo, ein um 17 Prozent höheres Risiko oder 1,6 zusätzliche Fälle pro 1.000 Personenjahre. Das BfR warnt deshalb in seinen Höchstmengenempfehlungen, dass eine unkontrollierte Ergänzung bei Männern ab 55 das Prostatakrebsrisiko erhöhen kann.
Augen und Gehirn
Einen belegten Nutzen gibt es bei der altersbedingten Makuladegeneration, allerdings nur in Kombination. In der AREDS-Studie mit 3.640 Teilnehmern senkte eine Mischung aus 400 IE Vitamin E, 500 mg Vitamin C, 15 mg Beta-Carotin, 80 mg Zink und 2 mg Kupfer bei Menschen mit fortgeschrittener Vorstufe das Risiko, dass die Krankheit weiter fortschreitet, um rund 25 Prozent über fünf Jahre. Auf den Grauen Star hatte die Mischung keinen Einfluss. Welchen Anteil Vitamin E allein daran hat, lässt sich aus der Studie nicht ablesen.
Bei Alzheimer verzögerten 2.000 IE am Tag in einer Studie von 1997 den Verlauf bei Patienten mit mittelschwerer Erkrankung, die Teilnehmer stürzten aber häufiger. Bei leichter kognitiver Störung fand eine Studie von 2005 mit derselben Dosis keinen Effekt auf den Übergang zu Alzheimer.
Bedarf, Mangel und Obergrenze
Die DGE hat ihren Schätzwert 2024 auf 8 mg am Tag für alle Erwachsenen gesenkt, Stillende brauchen 13 mg. Die EFSA nennt 13 mg für Männer und 11 mg für Frauen. Beides ist mit einer Handvoll Sonnenblumenkerne oder Mandeln und einem Esslöffel Pflanzenöl erreicht.
Ein Mangel ist bei Gesunden sehr selten, weil der Körper Vitamin E im Fettgewebe speichert. Betroffen sind Frühgeborene unter 1.500 Gramm und Menschen, deren Darm Fett nicht aufnimmt, etwa bei Morbus Crohn, Mukoviszidose oder Gallenstau. Die Zeichen: Nervenschäden in Armen und Beinen, Gangunsicherheit, Muskelschwäche, Netzhautschäden und eine schwächere Immunabwehr.
Die EFSA hat 2024 die Obergrenze auf 300 mg am Tag festgelegt, gerechnet über alle Formen. Der kritische Effekt ist die gestörte Blutgerinnung. Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 30 mg pro Tagesdosis. Aus Lebensmitteln sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Wechselwirkungen
Ab etwa 400 IE am Tag verstärkt Vitamin E die Wirkung von Gerinnungshemmern wie Warfarin und Phenprocoumon. In einer Studie bremste eine Kombination aus Vitamin E, C, Selen und Beta-Carotin den HDL-Anstieg unter Simvastatin plus Niacin. Bei Chemo- und Strahlentherapie ist unklar, ob Antioxidanzien die Behandlung stören, deshalb gilt: vorher fragen.
Häufige Fragen
Wofür ist Vitamin E gut?
Es schützt die Fettsäuren in den Zellmembranen vor freien Radikalen. Das ist die einzige von der EU zugelassene Aussage.
Hilft Vitamin E der Haut?
Die EU hat für Vitamin E keine Haut-Aussage zugelassen. Ein Nutzen von Präparaten für gesunde Haut ist nicht belegt.
Schützt Vitamin E das Herz?
Nein. HOPE, die Women’s Health Study und die Physicians‘ Health Study II mit zusammen über 60.000 Teilnehmern fanden keinen Schutz.
Wie viel Vitamin E am Tag?
Die DGE nennt 8 mg für Erwachsene, die EFSA 13 mg für Männer und 11 mg für Frauen. Die EFSA-Obergrenze liegt bei 300 mg.
Kann man Vitamin E überdosieren?
Aus Lebensmitteln nicht. Präparate ab 400 IE erhöhen das Blutungsrisiko und bei Männern das Prostatakrebsrisiko.
Ist natürliches Vitamin E besser als synthetisches?
Natürliches RRR-Alpha-Tocopherol ist doppelt so wirksam wie synthetisches all-rac. Auf dem Etikett steht die Form meist als „D-Alpha“ (natürlich) oder „DL-Alpha“ (synthetisch).
Quellen
- National Institutes of Health — Vitamin E Fact Sheet for Health Professionals
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Vitamin E (Stand 2024)
- EFSA NDA Panel — Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin E, EFSA Journal 2024 (PubMed)
- Klein et al. — Vitamin E and the risk of prostate cancer: SELECT, JAMA 2011 (PubMed)
Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.







