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Kurz gesagt: Vitamin K macht das Blut weder dicker noch dünner. Es ist der Baustein, den die Leber braucht, um Gerinnungsfaktoren herzustellen. Ohne Vitamin K gerinnt das Blut schlechter; mit ausreichend Vitamin K funktioniert die Gerinnung normal — mehr als normal wird sie dadurch nicht.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was Vitamin K im Körper tut
Der Buchstabe K steht für Koagulation, also Gerinnung. Das Vitamin wurde in den 1930er-Jahren genau deshalb entdeckt: Tiere ohne diesen Stoff bluteten unstillbar.
In der Leber werden mehrere Gerinnungsfaktoren gebildet. Damit sie funktionieren, müssen sie chemisch verändert werden — und für diesen Schritt ist Vitamin K nötig. Fehlt es, entstehen die Faktoren zwar, bleiben aber wirkungslos.
Daraus folgt: Ein Mangel führt zu einer verlängerten Gerinnungszeit. Ein Überschuss führt nicht zum Gegenteil, weil der Vorgang gesättigt ist, sobald genug Vitamin K vorliegt.
K1 und K2 im Unterschied
Vitamin K1 — Phyllochinon — steckt vor allem in grünem Blattgemüse: Grünkohl, Spinat, Brokkoli, Petersilie. Es ist die Hauptquelle in der Ernährung und wirkt überwiegend in der Leber.
Vitamin K2 — Menachinon — entsteht durch Bakterien. Es kommt in fermentierten Lebensmitteln vor, besonders reichlich im japanischen Natto, außerdem in Käse und Quark. Auch die Darmflora bildet es in geringen Mengen.
K2 wirkt stärker außerhalb der Leber: in Knochen und Gefäßwänden. Dort aktiviert es Eiweiße, die Kalzium binden und einlagern.
Warum K2 mit Knochen und Gefäßen in Verbindung gebracht wird
Zwei dieser Eiweiße sind gut untersucht. Osteocalcin bindet Kalzium im Knochen; das Matrix-Gla-Protein hemmt die Ablagerung von Kalzium in Gefäßwänden.
Daraus leitet sich die Überlegung ab, K2 könne die Knochendichte unterstützen und Gefäßverkalkung entgegenwirken. Untersuchungen dazu laufen seit Jahren; die Ergebnisse sind uneinheitlich, und eine belastbare Empfehlung für eine Einnahme zu diesem Zweck gibt es bisher nicht.
Wer entsprechende Präparate erwägt, sollte das mit der behandelnden Praxis besprechen — vor allem wegen des nächsten Punkts.
Die Wechselwirkung, auf die es ankommt
Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ — bekannt unter Wirkstoffnamen wie Phenprocoumon und Warfarin — wirken, indem sie genau den Vitamin-K-Kreislauf blockieren. Sie heißen deshalb Vitamin-K-Antagonisten.
Wer solche Medikamente nimmt und zusätzlich Vitamin K aufnimmt, schwächt ihre Wirkung ab. Das ist keine theoretische Gefahr: Der INR-Wert sinkt, und das Risiko für ein Blutgerinnsel steigt.
Entscheidend ist dabei nicht der Verzicht, sondern die Gleichmäßigkeit. Wer regelmäßig Grünkohl isst, wird darauf eingestellt. Wer einmal im Monat eine große Portion isst, bringt den Wert durcheinander.
Vitamin-K-Präparate sind unter dieser Therapie nicht ohne ärztliche Rücksprache einzunehmen.
Für die neueren direkten oralen Gerinnungshemmer gilt diese Wechselwirkung nicht — sie greifen an anderer Stelle an.
Wie viel man braucht
Die Referenzwerte liegen für Erwachsene je nach Alter und Geschlecht bei etwa 60 bis 80 Mikrogramm täglich. Diese Menge liefert eine normale Mischkost problemlos; eine Portion Grünkohl übertrifft sie um ein Vielfaches.
Ein Mangel ist bei Erwachsenen selten. Er kommt vor bei schweren Darmerkrankungen, bei stark eingeschränkter Fettverdauung und nach langer Antibiotikatherapie.
Neugeborene sind die Ausnahme: Sie haben geringe Vorräte, weshalb in Deutschland bei den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3 Vitamin K gegeben wird.
Was das Blut tatsächlich dünner macht
Der Ausdruck ist ohnehin irreführend — Medikamente verändern nicht die Zähflüssigkeit, sondern hemmen die Gerinnung.
Dazu gehören Gerinnungshemmer wie die genannten sowie Mittel, die die Blutplättchen hemmen, etwa Acetylsalicylsäure. Auch bestimmte Nahrungsmittel und Präparate wie Ingwer, Knoblauch, Ginkgo und hoch dosiertes Fischöl werden in diesem Zusammenhang genannt; ihre Wirkung ist deutlich schwächer und im Alltag meist ohne Bedeutung.
Wer Gerinnungshemmer nimmt, sollte solche Präparate dennoch ansprechen.
Woher der Mythos stammt
Die Vorstellung, Vitamin K verdicke das Blut, entsteht aus einer Verkürzung: Weil Vitamin-K-Antagonisten das Blut „verdünnen“, schließt man umgekehrt, Vitamin K müsse es verdicken.
Der Schluss ist nachvollziehbar, aber falsch. Ein Medikament, das einen Vorgang blockiert, hat nicht zwangsläufig einen Stoff als Gegenspieler, der denselben Vorgang über das Normalmaß hinaus verstärkt.
Die Gerinnung ist ein geregeltes System. Sie ist entweder ausreichend versorgt oder nicht — eine Steigerung durch Überversorgung sieht das System nicht vor.
Vitamin K in der Ernährung
Die reichhaltigsten Quellen für K1 sind grüne Blätter, weil das Vitamin an der Photosynthese beteiligt ist. Je dunkler das Grün, desto mehr steckt darin.
- Sehr viel: Grünkohl, Spinat, Petersilie, Mangold, Rosenkohl, Brokkoli
- Mittel: Kopfsalat, Erbsen, Pflanzenöle wie Raps- und Sojaöl
- K2 vor allem: Natto, Hartkäse, Weichkäse, Quark, Eigelb, Leber
Vitamin K ist fettlöslich. Ein Löffel Öl im Salat verbessert die Aufnahme spürbar — Blattgemüse ohne Fett zu essen verschenkt einen Teil.
Wann eine Einnahme sinnvoll sein kann
Bei bestimmten Erkrankungen des Verdauungstrakts, bei stark eingeschränkter Fettaufnahme und nach langen Antibiotikagaben kann ein Mangel entstehen. In diesen Fällen entscheidet die ärztliche Beurteilung, nicht die eigene Recherche.
Für gesunde Erwachsene mit normaler Ernährung ist eine zusätzliche Einnahme nicht begründet. Wer Kombinationspräparate mit Vitamin D und K2 erwägt, sollte wissen, dass die Datenlage zu diesem Zusammenspiel bislang nicht eindeutig ist.
Der INR-Wert kurz erklärt
Wer Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ nimmt, kennt diesen Wert. Er beschreibt, wie lange das Blut zum Gerinnen braucht — im Verhältnis zu einem Normwert.
Ein INR von 1 entspricht normaler Gerinnung. Unter Therapie wird meist ein Bereich zwischen 2 und 3 angestrebt; je nach Indikation kann er abweichen. Steigt der Wert darüber, wächst das Blutungsrisiko, fällt er darunter, das Risiko für Gerinnsel.
Vitamin K senkt den INR. Genau deshalb geht es um Gleichmäßigkeit — nicht darum, grünes Gemüse zu meiden.
Häufige Fragen
Macht Vitamin K2 das Blut dicker?
Nein, es ermöglicht die normale Gerinnung.
Was ist der Unterschied zwischen K1 und K2?
K1 stammt aus grünem Gemüse, K2 aus fermentierten Lebensmitteln.
Muss man bei Marcumar auf Grünkohl verzichten?
Nein, aber gleichmäßig essen.
Gilt das auch für neuere Gerinnungshemmer?
Nein, dort besteht diese Wechselwirkung nicht.
Wie viel Vitamin K braucht man?
Etwa 60 bis 80 Mikrogramm täglich.
Warum bekommen Neugeborene Vitamin K?
Weil ihre Vorräte gering sind.
Woher kommt der Mythos?
Aus dem falschen Umkehrschluss zu Gerinnungshemmern.
Welche Lebensmittel enthalten viel Vitamin K?
Grünkohl, Spinat, Petersilie und Brokkoli.
Was ist der INR-Wert?
Ein Maß für die Gerinnungszeit; unter Therapie meist zwischen 2 und 3.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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- Vitamin K Lebensmittel: Tabelle mit K1- und K2-Gehalt pro Portion
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