2026 - Blood test samples

Mineralstoffe im Blut: Referenzwerte und was sie aussagen

Kurzantwort: Mineralstoffe im Blut werden als Elektrolyte im Serum gemessen: Natrium liegt bei Erwachsenen etwa zwischen 135 und 145 mmol/l, Kalium zwischen 3,7 und 5,1 mmol/l, Calcium zwischen 2,15 und 2,50 mmol/l, Magnesium zwischen 0,73 und 1,06 mmol/l. Für Eisen wird meist Ferritin bestimmt, für Zink und Selen das Serum. Jedes Labor legt eigene Referenzbereiche fest. Und ein normaler Blutwert schließt einen Mangel nicht aus, weil Magnesium und Calcium fast vollständig in Zellen und Knochen stecken.

Wichtig: Dieser Text erklärt Laborwerte und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Beurteile deinen Befund nur mit den Referenzbereichen des Labors, das ihn erstellt hat, und ändere Medikamente oder Präparate nie eigenmächtig. Bei Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, ausgeprägter Muskelschwäche, Verwirrtheit, Krampfanfällen oder anhaltendem Erbrechen gehe sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme; dahinter kann eine schwere Elektrolytstörung stecken.

Auf dem Laborzettel stehen sie meist untereinander: Natrium, Kalium, Calcium, manchmal Magnesium, Phosphat und Eisen. Neben jedem Wert ein Referenzbereich, dahinter vielleicht ein Pfeil nach oben oder unten. Was diese Zahlen bedeuten, hängt vom jeweiligen Mineralstoff ab, denn nicht jeder ist im Blut gut messbar.

Hier findest du die üblichen Referenzbereiche mit Einheit, die Aussagekraft jedes Werts und die Grenzen der Messung. Die Bereiche stammen aus dem Leistungsverzeichnis des Zentrallabors der Medizinischen Hochschule Hannover (Version 7.0, Juni 2025); die Einordnung aus den Fragen und Antworten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Warum jedes Labor eigene Bereiche hat

Ein Referenzbereich beschreibt, in welchem Bereich die Werte von 95 Prozent gesunder Menschen liegen. Er hängt vom Messverfahren, vom Gerät und von der untersuchten Bevölkerung ab. Deshalb nennt das eine Labor für Kalium 3,5 bis 5,0 mmol/l, das andere 3,7 bis 5,1 mmol/l. Beide sind richtig, aber nur für die eigenen Messungen. Ein Wert knapp außerhalb des Bereichs ist zudem noch keine Diagnose; 5 Prozent der Gesunden liegen per Definition außerhalb.

Die Elektrolyte: Natrium, Kalium, Chlorid

Mineralstoff Referenzbereich Serum (MHH, Erwachsene) Was der Wert zeigt
Natrium 135 bis 145 mmol/l Wasserhaushalt, Verdünnung oder Eindickung des Bluts
Kalium 3,7 bis 5,1 mmol/l Reizleitung an Herz und Muskel
Chlorid 95 bis 105 mmol/l Säure-Basen-Haushalt, meist zusammen mit Natrium

Natrium und Kalium sind die Werte, auf die Ärztinnen zuerst schauen, weil Abweichungen schnell gefährlich werden. Kalium ist laut DGE mitverantwortlich für die Weiterleitung von Nervenimpulsen, für Muskelkontraktion, Herzfunktion und Blutdruckregulation. Der Natriumwert sagt weniger über die Salzzufuhr aus als über den Wasserhaushalt: Bei Flüssigkeitsmangel steigt er, bei Überwässerung sinkt er.

Beide Werte reagieren auf Medikamente. Entwässernde Mittel, Blutdrucksenker und Abführmittel verschieben Kalium und Natrium. Eine Blutabnahme mit gestauter Vene oder langes Stehenlassen der Probe lässt Kalium aus den Zellen austreten und den Wert fälschlich steigen.

Calcium und Magnesium: Warum das Blut wenig verrät

Mineralstoff Referenzbereich Serum (MHH) Anteil im Blut
Calcium gesamt 2,15 bis 2,50 mmol/l (bis 60 Jahre) fast 100 % in Knochen und Zähnen
Calcium ionisiert 1,15 bis 1,35 mmol/l nur der freie, wirksame Anteil
Magnesium 0,73 bis 1,06 mmol/l (Männer), 0,77 bis 1,03 mmol/l (Frauen) rund 1 % außerhalb der Zellen
Phosphat 0,81 bis 1,45 mmol/l überwiegend in Knochen

Die DGE beschreibt das Problem für Calcium so: Der Knochen speichert Calcium und gibt es bei Bedarf ans Blut ab. Die Konzentration im Blut bleibt deshalb auch bei zu geringer Zufuhr zunächst im Normalbereich. Der Körper baut lieber Knochen ab, als den Blutwert sinken zu lassen. Ein normaler Calciumwert sagt also nichts über die Knochendichte.

Für Magnesium gilt dasselbe in verschärfter Form. Laut DGE gibt es keinen geeigneten Biomarker für den Magnesiumstatus, weil 99 Prozent des Magnesiums in Zellen liegen, vor allem in Knochen und Muskeln. Die Serumkonzentration wird in einem engen Bereich gehalten und sinkt erst nach mehr als 80 Tagen unzureichender Versorgung. Bei chronisch latenter Unterversorgung bleibt der Wert stabil. Symptome eines Mangels zeigen sich laut DGE erst unter 0,5 mmol/l; ab über 2 mmol/l treten Zeichen einer Magnesiumvergiftung auf, etwa Übelkeit, Erbrechen und Hautrötung.

Eisen: Der Serumwert allein reicht nicht

Serumeisen schwankt im Tagesverlauf und mit den Mahlzeiten. Die DGE empfiehlt deshalb, den Eisenstatus über mehrere Marker gemeinsam zu beurteilen. Das Zentrallabor der MHH nennt als Bereiche:

Wert Referenzbereich (MHH) Aussage
Ferritin Männer 27 bis 365 µg/l; Frauen 16 bis 50 Jahre 13 bis 148 µg/l Eisenspeicher
Serumeisen 6 bis 35 µmol/l Momentaufnahme, stark schwankend
Transferrinsättigung 15 bis 45 % Transport, Beladung des Transportproteins

Ferritin hat eine Tücke: Es steigt bei Entzündungen und Infekten an und kann dann einen Mangel verdecken. Deshalb wird oft zusätzlich das Entzündungseiweiß CRP bestimmt. Ein Eisenmangel mit Blutarmut zeigt sich zusätzlich am Hämoglobin im kleinen Blutbild.

Zink, Selen, Jod

Für Zink nennt die MHH einen Serumbereich von 9 bis 18 µmol/l, für Selen im Plasma 0,60 bis 1,50 µmol/l bei Erwachsenen. Beide Werte werden nicht routinemäßig bestimmt. Die DGE weist darauf hin, dass ein Zinkmangel keine spezifischen Symptome hat; als Nachweis gilt die Besserung nach Zinkgabe. Jod wird über die Ausscheidung im Urin beurteilt statt im Blut, weil rund 90 Prozent des aufgenommenen Jods innerhalb von 24 Stunden dort landen.

Wann eine Bestimmung sinnvoll ist

Natrium, Kalium und Calcium gehören zu vielen Routineuntersuchungen, etwa vor Operationen oder bei Nieren- und Herzerkrankungen. Magnesium, Zink und Selen werden gezielt bestimmt, wenn ein Verdacht besteht: bei chronischen Durchfällen, Malabsorption, hohem Alkoholkonsum, Nierenerkrankungen oder Medikamenten wie Diuretika. Ferritin ist der übliche Test bei Müdigkeit, starker Menstruation oder vegetarischer Ernährung. Welche Werte in deinem Fall sinnvoll sind, legt die Ärztin fest.

Häufige Fragen

Welche Mineralstoffe werden im Blut gemessen?

Routinemäßig Natrium, Kalium, Calcium und Chlorid. Bei Bedarf Magnesium, Phosphat, Eisen mit Ferritin, seltener Zink und Selen.

Kann der Magnesiumwert normal sein und trotzdem ein Mangel bestehen?

Ja. Laut DGE bleibt der Serumwert bei chronisch latenter Unterversorgung stabil, weil nur 1 Prozent des Magnesiums außerhalb der Zellen liegt.

Warum wird bei Eisen Ferritin und nicht Eisen gemessen?

Ferritin zeigt die Speicher, Serumeisen nur den Augenblick. Bei Entzündungen ist Ferritin allerdings falsch hoch.

Was bedeutet ein Pfeil auf dem Laborzettel?

Der Wert liegt außerhalb des Bereichs dieses Labors. Ob das relevant ist, hängt vom Ausmaß, vom Verlauf und von deinen Beschwerden ab.

Muss ich für die Blutabnahme nüchtern sein?

Für Serumeisen ist das sinnvoll, weil Mahlzeiten den Wert verändern. Für Natrium, Kalium und Calcium meist nicht. Frag das Labor oder die Praxis.

Lässt sich Jod im Blut messen?

Die Versorgung wird über den Urin beurteilt. Bei Schilddrüsenfragen misst die Ärztin stattdessen TSH und die Schilddrüsenhormone.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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