Fish Oil Capsules

Nahrungsergänzung Omega-3 sinnvoll? Was große Studien zeigen

Kurzantwort: Omega-3-Kapseln sind für gesunde Menschen, die ein- bis zweimal pro Woche fetten Fisch essen, nicht nötig. Die EFSA nennt als angemessene Zufuhr 250 mg EPA und DHA pro Tag, eine Menge in der Größenordnung dessen, was laut DGE ein bis zwei Portionen fetter Fisch pro Woche liefern. Das Cochrane-Review von 2020 mit 86 Studien und 162.796 Teilnehmenden fand für Omega-3-Präparate wenig bis keinen Effekt auf Sterblichkeit und Herzinfarkt. In der VITAL-Studie mit 25.871 Personen senkte 1 g Fischöl täglich weder Herz-Kreislauf-Ereignisse noch Krebs. Sinnvoll ist ein Präparat, wenn kein Fisch gegessen wird, für Schwangere (200 mg DHA) und nach ärztlicher Verordnung bei stark erhöhten Triglyceriden.

Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Setze ein verordnetes Omega-3-Arzneimittel oder einen Blutverdünner nie eigenmächtig ab. Bei Herzstolpern, unregelmäßigem oder rasendem Puls, Atemnot oder Schwindel unter Omega-3-Präparaten gehe zeitnah zur Ärztin, das können Zeichen von Vorhofflimmern sein. Wer Blutverdünner nimmt oder eine Operation vor sich hat, bespricht hoch dosiertes Fischöl vorher mit der Praxis, weil es die Blutungsneigung erhöhen kann.

Omega-3 gehört zu den meistverkauften Nahrungsergänzungsmitteln. Das Versprechen: Schutz für Herz, Gehirn und Gefäße. Die großen Studien der letzten Jahre haben dieses Versprechen für gesunde Menschen mit Kapseln weitgehend nicht bestätigt.

Hier findest du, welche Menge Behörden empfehlen, was die größten Studien gemessen haben, wo ein echtes Risiko liegt und für wen ein Präparat trotzdem sinnvoll ist.

Wie viel Omega-3 der Körper braucht

Omega-3-Fettsäuren gibt es in zwei Formen. Alpha-Linolensäure (ALA) steckt in Leinöl, Rapsöl und Walnüssen. Die langkettigen Fettsäuren EPA und DHA stecken in fettem Fisch und Algenöl. Der Körper baut aus ALA nur kleine Mengen EPA und DHA.

Die EFSA hat 2010 in ihrer Stellungnahme zu Referenzwerten für Fette festgelegt: 250 mg EPA plus DHA pro Tag als angemessene Zufuhr für Erwachsene, dazu 100 bis 200 mg DHA zusätzlich in Schwangerschaft und Stillzeit. Für ALA gilt ein Wert von 0,5 Prozent der Energiezufuhr. Die DGE übernimmt den ALA-Wert und empfiehlt Schwangeren 200 mg DHA täglich, über ein bis zwei Portionen fetten Fisch pro Woche oder ein Präparat, wenn kein Fisch gegessen wird.

Die Größenordnung ist mit Fisch erreichbar: Laut DGE decken ein bis zwei Portionen fetter Fisch pro Woche die 200 mg DHA, die Schwangere täglich brauchen. Wer regelmäßig Fisch isst, braucht keine Kapsel.

Was das Cochrane-Review 2020 zeigt

Abdelhamid und Kollegen haben 86 randomisierte Studien mit 162.796 Teilnehmenden ausgewertet, alle mindestens zwölf Monate lang. Das Ergebnis für langkettige Omega-3-Fettsäuren, meist als Kapseln: wenig bis kein Effekt auf die Gesamtsterblichkeit (Risikoverhältnis 0,97, hohe Sicherheit der Evidenz, 143.693 Teilnehmende), auf Herz-Kreislauf-Ereignisse (0,96), Schlaganfall (1,02) und Herzrhythmusstörungen (0,99). Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit lag mit 0,92 knapp niedriger. Die Dosen in den Studien reichten von 0,5 g bis über 5 g pro Tag.

VITAL: 25.871 Menschen, ein Gramm täglich

Die VITAL-Studie (Manson und Kollegen, New England Journal of Medicine 2019) hat 25.871 Amerikaner ab 50 beziehungsweise 55 Jahren über im Mittel 5,3 Jahre begleitet. Die Hälfte bekam 1 g Fischöl täglich, die andere Placebo. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse traten bei 386 Personen unter Omega-3 und bei 419 unter Placebo auf, ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Krebs wurde bei 820 gegen 797 Personen diagnostiziert, ebenfalls kein Unterschied.

Ein Nebenbefund: Herzinfarkte waren unter Omega-3 seltener (Risikoverhältnis 0,72). Da das kein vorab festgelegter Hauptendpunkt war, gilt es als Hinweis für weitere Forschung und bleibt vorerst unbelegt.

Das Risiko: Vorhofflimmern bei hohen Dosen

Gencer und Kollegen (Circulation, 2021) haben sieben große Studien mit 81.210 Patientinnen und Patienten auf Vorhofflimmern ausgewertet. Unter Omega-3-Präparaten war das Risiko um 25 Prozent erhöht. Bei Dosen über 1 g pro Tag stieg es um 49 Prozent, bei Dosen bis 1 g um 12 Prozent.

Die Europäische Arzneimittelagentur hat daraus Konsequenzen gezogen. Seit dem 8. November 2023 informiert ein Rote-Hand-Brief Ärztinnen und Apotheker über das dosisabhängig erhöhte Risiko für Vorhofflimmern unter Omega-3-Säureethylester-Arzneimitteln, am höchsten bei 4 g pro Tag. Vorhofflimmern gilt dort seitdem als häufige Nebenwirkung. Tritt es auf, wird das Mittel dauerhaft abgesetzt. Das betrifft Arzneimittel, die Studien dahinter liefen aber mit denselben Fettsäuren, die auch in hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln stecken.

Wann ein Präparat sinnvoll ist

Drei Situationen bleiben. Erstens: Wer keinen Fisch isst, deckt die 250 mg EPA und DHA über Algenöl oder Fischölkapseln. Zweitens: Schwangere und Stillende, die keinen Fisch essen, sollen laut DGE 200 mg DHA als Präparat nehmen. Drittens: Bei stark erhöhten Triglyceriden verordnen Ärztinnen hoch dosierte Omega-3-Arzneimittel. Die Studie REDUCE-IT von 2019 fand mit 4 g gereinigtem EPA täglich bei 8.179 Herzpatienten mit erhöhten Triglyceriden weniger Herzereignisse, aber auch mehr Krankenhausaufenthalte wegen Vorhofflimmern. Das ist eine ärztliche Entscheidung.

Zur Sicherheit: Die EFSA hat 2012 ergänzende Aufnahmen bis 5 g EPA und DHA pro Tag für Erwachsene als unbedenklich eingestuft und diesen Wert für DHA allein (1 g) im Januar 2026 bestätigt. Diese Obergrenze dient der Sicherheit; als Zufuhrempfehlung ist sie nicht gedacht.

Häufige Fragen

Ist Nahrungsergänzung mit Omega-3 sinnvoll?

Für gesunde Menschen, die Fisch essen, nach Cochrane und VITAL nicht. Sinnvoll bei Fischverzicht, in der Schwangerschaft ohne Fisch und nach ärztlicher Verordnung bei hohen Triglyceriden.

Wie viel Omega-3 pro Tag?

Die EFSA nennt 250 mg EPA plus DHA für Erwachsene. Schwangere brauchen laut DGE zusätzlich 200 mg DHA.

Schützen Omega-3-Kapseln vor Herzinfarkt?

In der VITAL-Studie mit 1 g täglich nicht signifikant. Das Cochrane-Review von 2020 fand über 86 Studien wenig bis keinen Effekt auf Sterblichkeit und Herzereignisse.

Kann Omega-3 schaden?

Bei Dosen über 1 g täglich stieg in einer Meta-Analyse das Risiko für Vorhofflimmern um 49 Prozent. Die EMA hat Vorhofflimmern 2023 als häufige Nebenwirkung von Omega-3-Arzneimitteln eingestuft.

Reicht Leinöl als Omega-3-Quelle?

Leinöl liefert ALA. Der Körper wandelt davon nur einen kleinen Teil in EPA und DHA um. Wer keinen Fisch isst, deckt EPA und DHA über Algenöl.

Wie viel Omega-3 ist zu viel?

Die EFSA stuft bis 5 g EPA plus DHA täglich als unbedenklich ein. Das Vorhofflimmern-Risiko steigt aber schon oberhalb von 1 g messbar.

Quellen

Redaktion vitalatlas.de — hier wird zusammengetragen, was Fachgesellschaften, Behörden und Studien zu Vitaminen und Mineralstoffen sagen. Der Text ersetzt keine ärztliche Beratung.


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