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Kurzantwort: Das erste Symptom eines Vitamin-A-Mangels ist Nachtblindheit: Die Augen brauchen im Dunkeln deutlich länger, weil der Sehfarbstoff Rhodopsin fehlt. Danach trocknen Bindehaut und Hornhaut aus (Xerophthalmie), im schlimmsten Fall bis zur dauerhaften Erblindung. Dazu kommen häufigere und schwerere Infekte, vor allem Atemwege und Durchfall, sowie eine Blutarmut. Im Blut gilt ein Retinolwert von 20 µg/dl (0,70 µmol/l) oder weniger als mäßiger, 10 µg/dl (0,35 µmol/l) oder weniger als schwerer Mangel. In Deutschland ist ein echter Mangel selten und betrifft fast nur Menschen, deren Darm Fett nicht aufnehmen kann.
Vitamin A steckt als Retinol in Leber, Fisch, Eiern und Milchprodukten und als Provitamin Beta-Carotin in Karotten, Paprika, Kürbis und grünem Blattgemüse. Der Körper lagert es in der Leber ein, oft für Monate. Deshalb zeigt sich ein Mangel spät und schleichend.
Dieser Text geht die Symptome in der Reihenfolge durch, in der sie auftreten, nennt die Blutwerte, die Ursachen und die Gruppen, bei denen ein Mangel in Deutschland überhaupt vorkommt. Die Zahlen stammen vom NIH, der DGE und der EFSA.
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nachtblindheit, trockene Augen und häufige Infekte haben viele Ursachen. Ob ein Vitamin-A-Mangel dahintersteckt, klärt ein Blutbild bei deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nimm kein hochdosiertes Vitamin A auf Verdacht, es lagert sich in der Leber ab und schadet in der Schwangerschaft dem Kind.
Die Symptome in ihrer Reihenfolge
1. Nachtblindheit
Vitamin A ist Baustein von Rhodopsin, dem lichtempfindlichen Eiweiß in der Netzhaut. Fehlt es, reagiert die Netzhaut bei schwachem Licht schlechter. Betroffene sehen in der Dämmerung, im Kino oder beim nächtlichen Aufstehen kaum noch etwas. Das NIH nennt Nachtblindheit als erstes klinisches Zeichen, das auftritt, wenn der Retinolspiegel im Blut schon länger niedrig ist und die Reserven im Auge aufgebraucht sind.
2. Trockene Augen bis zur Xerophthalmie
Vitamin A hält die Bindehaut und die Hornhaut feucht und intakt. Bei anhaltendem Mangel trocknen beide aus. Die Hornhaut nimmt Schaden, am Ende steht eine dauerhafte Erblindung. Das NIH nennt den Vitamin-A-Mangel eine der häufigsten vermeidbaren Ursachen für Blindheit bei Kindern. Weltweit betrifft die Xerophthalmie laut WHO-Zahlen 9,8 Millionen Schwangere.
3. Häufigere und schwerere Infekte
Vitamin A ist an der Immunfunktion beteiligt und erhält die Schleimhäute. Bei chronischem Mangel verlaufen Masern und Durchfallerkrankungen schwerer. 2013 starben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen 94.500 Kinder an Durchfall und 11.200 an Masern, weil ihnen Vitamin A fehlte.
4. Blutarmut und Lungenprobleme
Ein chronischer Mangel ist laut NIH mit Blutarmut, gestörter Lungenentwicklung und Lungenentzündungen verbunden. Müdigkeit und Blässe können deshalb dazukommen, sind aber unspezifisch.
Was nicht dazugehört
Trockene, schuppige Haut wird oft als Mangelsymptom genannt. In der Aufzählung des NIH steht trockene Haut als Folge einer chronischen Überdosierung, nicht als Zeichen eines Mangels. Wer wegen Hautproblemen Vitamin A einnimmt, riskiert das Gegenteil.
Blutwerte: Ab wann Ärzte von Mangel sprechen
Gemessen wird Retinol im Serum oder Plasma. Das NIH nennt als Schwellen:
- 20 µg/dl (0,70 µmol/l) oder weniger: häufig ein mäßiger Mangel
- 10 µg/dl (0,35 µmol/l) oder weniger: schwerer Mangel
Der Wert hat zwei Tücken. Er sinkt erst, wenn die Leberspeicher fast leer sind, ein beginnender Mangel bleibt also unsichtbar. Und akute wie chronische Infektionen drücken den Retinolspiegel, ohne dass ein echter Mangel vorliegt. Die Praxis bewertet den Wert deshalb zusammen mit Symptomen und Ernährung.
Wer in Deutschland gefährdet ist
Das NIH schreibt, dass ein ausgeprägter Vitamin-A-Mangel in Ländern mit hohem Einkommen selten ist. Die Ausnahmen haben fast alle mit der Fettverdauung zu tun, denn Vitamin A ist fettlöslich.
Mukoviszidose
Bis zu 90 Prozent der Betroffenen haben eine Bauchspeicheldrüsenschwäche und nehmen Fett schlecht auf. Studien aus Australien und den Niederlanden fanden bei 2 bis 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Mukoviszidose einen Vitamin-A-Mangel. Die Standardbehandlung umfasst deshalb lebenslang Vitamin A unter ärztlicher Kontrolle.
Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie
Etwa ein Viertel der Kinder mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hat einen Vitamin-A-Mangel, bei Erwachsenen steigt das Risiko mit der Krankheitsdauer. Auch bei neu diagnostizierter Zöliakie fehlt manchmal Vitamin A. Eine glutenfreie Ernährung behebt das nicht immer.
Frühgeborene
Frühgeborene kommen mit geringen Leberspeichern zur Welt, ihr Retinolspiegel bleibt oft das ganze erste Jahr niedrig. In Ländern mit hohem Einkommen tritt ein klinischer Mangel bei Säuglingen laut NIH aber nur bei Aufnahmestörungen auf.
Sehr einseitige Ernährung
Wer weder Leber, Fisch, Eier und Milchprodukte noch orangefarbenes oder grünes Gemüse isst, kann unter den Referenzwert rutschen. Ein Sonderfall sind Genvarianten des Enzyms BCMO1, das Beta-Carotin in Vitamin A umwandelt. Sie senken die Umwandlungsrate, die Datenlage dazu ist laut NIH begrenzt.
Wie viel Vitamin A du brauchst
Die DGE empfiehlt seit 2020 850 µg Retinolaktivitätsäquivalent (RAE) für Männer und 700 µg für Frauen am Tag, ab 65 Jahren 800 µg für Männer. Schwangere brauchen 800 µg, Stillende 1.300 µg. Ein Mikrogramm RAE entspricht 1 µg Retinol oder 12 µg Beta-Carotin.
| Lebensmittel | Portion | Vitamin A (µg RAE) |
|---|---|---|
| Rinderleber, gebraten | 85 g | 6.582 |
| Süßkartoffel, mit Schale gebacken | 1 Stück | 1.403 |
| Spinat, gekocht | 90 g (½ Tasse) | 573 |
| Karotten, roh | 60 g (½ Tasse) | 459 |
| Hering, eingelegt | 85 g | 219 |
| Rote Paprika, roh | 75 g (½ Tasse) | 117 |
| Mango | 1 Stück | 112 |
| Ei, gekocht | 1 Stück | 75 |
Die Werte stammen aus der NIH-Tabelle. Retinol aus tierischen Lebensmitteln nimmt der Körper zu 75 bis 100 Prozent auf, Beta-Carotin aus Gemüse meist nur zu 10 bis 30 Prozent. Kochen und ein Teelöffel Öl verbessern die Ausbeute. Eine ausführliche Liste steht im Artikel Vitamin A Lebensmittel.
Behandlung: Warum die Dosis ärztlich gehört
Ein nachgewiesener Mangel wird mit Vitamin-A-Präparaten behandelt, die Dosis richtet sich nach Ursache und Blutwert. Das ist Sache der Ärztin oder des Arztes, aus zwei Gründen.
Erstens speichert der Körper Vitamin A. Die EFSA hat 2024 die tolerierbare Höchstmenge von 3.000 µg RE am Tag für Erwachsene bestätigt, kritischer Effekt sind Fehlbildungen beim Ungeborenen. Wer schwanger ist oder werden will, soll laut EFSA auf Leberprodukte verzichten. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 0,2 mg vor und rät Schwangeren, Vitamin A nur nach ärztlicher Rücksprache zu ergänzen.
Zweitens macht eine Überdosierung ähnliche Beschwerden wie ein Mangel. Chronisch zu viel Vitamin A führt laut NIH zu trockener Haut, Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Depression und auffälligen Leberwerten. Akut, bei mehr als dem 100-Fachen des Bedarfs, drohen Kopfschmerz, Sehstörungen, Übelkeit und Schwindel.
Häufige Fragen
Was ist das erste Anzeichen für Vitamin-A-Mangel?
Nachtblindheit. Die Netzhaut braucht Vitamin A für den Sehfarbstoff Rhodopsin, bei Mangel versagt zuerst das Sehen im Dämmerlicht.
Welcher Blutwert zeigt einen Vitamin-A-Mangel?
Retinol im Serum. 20 µg/dl (0,70 µmol/l) oder weniger gilt als mäßiger, 10 µg/dl (0,35 µmol/l) oder weniger als schwerer Mangel.
Macht Vitamin-A-Mangel Haarausfall?
In der Symptomliste des NIH steht Haarausfall nicht. Belegt ist eher das Gegenteil: Zu viel Vitamin A kann Haare ausfallen lassen.
Wie häufig ist der Mangel in Deutschland?
Selten. Das NIH beschreibt ihn in Ländern mit hohem Einkommen als Ausnahme, die vor allem Menschen mit Fettaufnahmestörungen betrifft. Weltweit hatten 2013 29 Prozent der Kinder unter fünf Jahren in 138 ärmeren Ländern einen Mangel.
Reichen Karotten gegen den Mangel?
Eine halbe Tasse rohe Karotten liefert 459 µg RAE, also mehr als die Hälfte des Tagesbedarfs. Beta-Carotin wird aber nur zu 10 bis 30 Prozent aufgenommen und braucht Fett dazu.
Wie schnell bessern sich die Symptome?
Das hängt von Ursache und Behandlung ab. Belastbare Zeitangaben nennen NIH und DGE nicht. Eine dauerhaft geschädigte Hornhaut erholt sich nicht mehr.
Quellen
- National Institutes of Health — Vitamin A and Carotenoids Fact Sheet for Health Professionals
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Vitamin A
- EFSA NDA Panel — Scientific opinion on the tolerable upper intake level for preformed vitamin A and β-carotene, EFSA Journal 2024 (PubMed)
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln (PDF)
Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.







