Inhalt
Kurzantwort: Vitamin D3 K2 Tropfen kombinieren Cholecalciferol mit Menachinon-7. Die Idee: Vitamin D erhöht das Kalzium im Blut, Vitamin K soll es in die Knochen lenken. Das BfR hat 2025 festgestellt, dass es für diese Kombination nur sehr wenige Studien gibt und keine davon die Sicherheit untersucht hat. Für gesunde Erwachsene nennt die DGE 20 µg (800 IE) Vitamin D am Tag bei fehlender Sonne, das BfR empfiehlt in Präparaten höchstens 20 µg Vitamin D und 25 µg K2. Wer Blutverdünner vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon nimmt, darf K2 nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
D3 plus K2 ist eines der meistverkauften Kombipräparate. Die Tropfenform verspricht einfache Dosierung, typisch sind 1.000 IE pro Tropfen, manche Produkte enthalten ein Vielfaches. Was die Zugabe von K2 bringt, ist weniger klar, als die Werbung nahelegt.
Dieser Text erklärt die Theorie hinter der Kombination, was das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner Stellungnahme vom September 2025 dazu sagt, welche Dosis sinnvoll ist und für wen die Tropfen riskant sind.
Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer gerinnungshemmende Medikamente wie Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin nimmt, darf Vitamin-K-Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Vor einer Dauereinnahme höherer Vitamin-D-Dosen sollte der 25-Hydroxyvitamin-D-Wert im Blut bestimmt werden.
Was in den Tropfen steckt
Vitamin D3 ist Cholecalciferol, die Form, die auch die Haut unter Sonne bildet. Vitamin K2 steht meist für Menachinon-7 (MK-7), das aus Bakterien gewonnen wird und in fermentierten Lebensmitteln wie Natto vorkommt. Beide Vitamine sind fettlöslich, deshalb sind die Tropfen in Öl gelöst.
Auf dem Etikett steht die Menge pro Tropfen, oft in Internationalen Einheiten. Die Umrechnung: 40 IE entsprechen 1 µg. Ein Tropfen mit 1.000 IE enthält 25 µg Vitamin D3, ein Produkt mit 5.000 IE bereits 125 µg. Die vom BfR bewerteten Produkte enthielten bis zu 200 µg K2 pro Dosis.
Die Theorie hinter der Kombination
Das BfR beschreibt den Gedanken so: Vitamin D erhöht den Kalziumspiegel im Serum, indem es die Aufnahme aus dem Darm steigert. Vitamin K aktiviert zwei Eiweiße, Osteocalcin und das Matrix-Gla-Protein. Osteocalcin baut Kalzium in den Knochen ein, das Matrix-Gla-Protein bindet Kalzium in den Gefäßen und soll Verkalkungen verhindern.
Daraus leiten Hersteller ab, dass Vitamin D ohne K2 Gefäße verkalken lasse. Diese Folgerung ist nicht belegt. Bei Dosen im Rahmen der Referenzwerte reguliert der Körper das Kalzium selbst, die DGE empfiehlt Vitamin D seit Jahren ohne K2-Zusatz.
Was Studien zur Kombination zeigen
Das BfR hat die verfügbaren Studien zu kombinierten D3-K2-Präparaten durchgesehen. Das Ergebnis: Es gibt nur sehr wenige, die meisten mit kleinen Gruppen und kurzer Laufzeit. Untersucht wurden Dosierungen von 10 bis 90 µg Vitamin D und 50 bis 720 µg MK-7 am Tag.
Die Studien zielten auf Knochendichte oder auf die Aktivierung der Vitamin-K-abhängigen Eiweiße. Keine einzige untersuchte die Sicherheit. Berichtet wurden keine Nebenwirkungen, aber nur eine Studie lief mit gesunden Menschen. Die übrigen betrafen Patientinnen nach Organtransplantation, mit Nierenerkrankungen oder Dialyse. Ob sich die Ergebnisse auf Gesunde übertragen lassen, ist laut BfR unklar.
Für die Frage, ob die Kombination mehr bringt als Vitamin D allein, gibt es damit keine belastbare Antwort.
Dosierung: Was DGE und BfR nennen
| Wert | Vitamin D3 | Vitamin K2 |
|---|---|---|
| DGE-Referenzwert Erwachsene (bei fehlender Sonne) | 20 µg (800 IE) | Vitamin K gesamt: 60 µg Frauen, 70 µg Männer (Schätzwert) |
| BfR-Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln | 20 µg (800 IE) | 25 µg |
| Tolerierbare Obergrenze aus allen Quellen (EFSA) | 100 µg (4.000 IE) | keine festgelegt |
Viele Tropfen überschreiten beide BfR-Werte pro Tagesdosis deutlich. Das ist nicht verboten, weil die BfR-Vorschläge keine Gesetzeskraft haben. Es bedeutet aber, dass du mit einem 5.000-IE-Tropfen täglich das Sechsfache der Referenzmenge einnimmst.
Sinnvoll ist ein gemessener Ausgangswert. Die DGE strebt für 25-Hydroxyvitamin-D mindestens 50 nmol/l an. Wer darunter liegt, bespricht mit der Ärztin Dosis und Dauer. Wer darüber liegt, braucht im Sommer meist nichts, weil die Haut bei regelmäßiger Sonne genug bildet.
Bolusdosen: Wöchentlich oder alle 20 Tage
Einige Produkte sehen vor, alle 7, 10 oder 20 Tage eine sehr hohe Dosis zu nehmen, bis zu 500 µg (20.000 IE) Vitamin D mit 200 µg K2. Das BfR hat genau diese Schemata bewertet und rät davon ab. Hohe Bolusdosen erreichen Blutspiegel, die in Studien mit mehr Stürzen und Brüchen verbunden waren, und das Risiko von Einnahmefehlern ist hoch: täglich statt alle 20 Tage.
Die Empfehlung des BfR: bei Bedarf täglich ein niedrig dosiertes Präparat, Bolusgaben nur auf ärztliche Anweisung und unter Kontrolle.
Für wen die Tropfen riskant sind
Menschen mit Blutverdünnern
Cumarin-Blutverdünner wie Phenprocoumon oder Warfarin wirken, indem sie Vitamin K blockieren. Vitamin K2 hebt diese Wirkung laut BfR etwa 3,5-mal stärker auf als Vitamin K1. Schwankende K2-Mengen bringen die Gerinnung aus dem Takt. Das BfR fordert deshalb auf jedem Vitamin-K-Präparat einen Warnhinweis für diese Gruppe. Neuere Gerinnungshemmer wie Apixaban oder Rivaroxaban arbeiten unabhängig von Vitamin K.
Menschen mit hohem Kalzium oder Nierensteinen
Vitamin D steigert die Kalziumaufnahme. Bei bekannter Hyperkalzämie, Nebenschilddrüsenüberfunktion oder Nierensteinen gehört jede Vitamin-D-Gabe in ärztliche Hand.
Schwangere und Kinder
Für beide Gruppen gelten eigene Referenzwerte. Hochdosierte Kombipräparate sind für sie nicht untersucht.
Häufige Fragen
Wie viele Tropfen Vitamin D3 K2 am Tag?
Das hängt vom Gehalt pro Tropfen ab. Rechne auf µg um (40 IE = 1 µg) und vergleiche mit den 20 µg der DGE. Ein Tropfen mit 1.000 IE liefert 25 µg und liegt damit schon leicht über dem Referenzwert.
Brauche ich K2, wenn ich Vitamin D nehme?
Belegt ist das nicht. Die DGE empfiehlt Vitamin D ohne K2-Zusatz. Das BfR fand keine Studie, die den Zusatznutzen bei Gesunden sicher zeigt.
Kann ich D3 K2 Tropfen dauerhaft nehmen?
Bei Dosen im Rahmen der BfR-Höchstmengen ja. Bei höheren Dosen gehört ein Blutwert dazu, weil Vitamin D gespeichert wird und sich über Monate aufbaut.
Wann am Tag einnehmen?
Zu einer fetthaltigen Mahlzeit, weil beide Vitamine fettlöslich sind. Eine Tageszeit mit belegtem Vorteil gibt es nicht.
Sind D3 K2 Tropfen mit Marcumar erlaubt?
Nur nach ärztlicher Rücksprache. K2 schwächt Cumarin-Blutverdünner ab und kann die Einstellung verschieben.
Tropfen oder Tabletten: Was ist besser?
Studien zum Vergleich der Darreichungsformen fehlen. Beide liefern das Vitamin, Tropfen lassen sich feiner dosieren, Tabletten sind in der Menge eindeutiger.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Stellungnahme 31/2025 zu hohen Einzeldosen Vitamin D und Kombinationen mit Vitamin K2 (PDF)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — Referenzwerte Vitamin D
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe (PDF)
- National Institutes of Health — Vitamin K Fact Sheet for Health Professionals
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Vitamin C und Zink: Was die Kombination fürs Immunsystem bringt
- Vitamin K Lebensmittel: Tabelle mit K1- und K2-Gehalt pro Portion
- Vitamin C hochdosiert: Was 1.000 mg bringen und was sie riskieren
Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.







