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Magnesium L-Threonat Wirkung: Gehirn, Gedächtnis, Schlaf im Check

Kurzantwort: Magnesium-L-Threonat wird als Magnesium fürs Gehirn verkauft, weil es in einer Rattenstudie von 2010 den Magnesiumgehalt im Gehirn erhöhte und Lernen und Gedächtnis verbesserte. Beim Menschen gibt es drei kleine Studien: 44 Ältere mit Gedächtnisproblemen schnitten nach zwölf Wochen in Kognitionstests besser ab, 109 gesunde Chinesen verbesserten sich in einem Gedächtnistest, 80 Erwachsene mit Schlafproblemen hatten nach drei Wochen bessere Tiefschlafwerte. Alle drei sind klein, bei einer arbeiten Mitautoren beim Hersteller. Die EFSA hat Threonat 2024 als sicher bewertet, bis 250 mg Magnesium am Tag. Eine EU-Aussage zu Gedächtnis oder Gehirn gibt es nicht.

Threonat ist das Salz der Threonsäure. Hergestellt wird Magnesium-L-Threonat laut EFSA aus Ascorbinsäure, also Vitamin C, und Calciumcarbonat, wobei das Calcium anschließend gegen Magnesium getauscht wird. In den USA läuft es unter dem Markennamen Magtein. Kein anderes Magnesiumpräparat wird mit so konkreten Versprechen beworben: schärferes Gedächtnis, besserer Schlaf, Schutz vor Demenz.

Dieser Text geht die Studien der Reihe nach durch, nennt Teilnehmerzahlen und Dosis und erklärt, warum ein Gramm Threonat nur 72 bis 83 mg Magnesium enthält. Zu den allgemeinen Wirkungen von Magnesium gibt es den Artikel Magnesium: Wofür es gut ist.

Hinweis: Dieser Text informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Gedächtnisprobleme, die den Alltag stören, gehören ärztlich abgeklärt, bevor ein Präparat versucht wird. Die EFSA hat Magnesium-L-Threonat für Erwachsene bewertet, ausdrücklich nicht für Schwangere und Stillende. Bei eingeschränkter Nierenfunktion nur nach Rücksprache.

Was Magnesium-L-Threonat ist

Magnesium-L-Threonat besteht laut EFSA-Gutachten zu 7,2 bis 8,3 Prozent aus Magnesium. Der Rest ist Threonsäure. Ein Gramm des Salzes liefert also 72 bis 83 mg Magnesium. Zum Vergleich: Magnesiumcitrat enthält rund 16 Prozent, Magnesiumoxid rund 60 Prozent. Wer 250 mg Magnesium aus Threonat nehmen will, braucht etwa 3 Gramm davon.

In der EU war Threonat lange nicht zugelassen. Die EFSA hat es im Januar 2024 als neuartiges Lebensmittel bewertet, die Zulassung folgte mit der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2694 vom 17. Oktober 2024. Erlaubt sind bis zu 3.000 mg Magnesium-L-Threonat am Tag, das entspricht rund 250 mg Magnesium und 2.730 mg Threonat, für Erwachsene außer Schwangeren und Stillenden. Die EFSA stützte ihr Urteil auf zwei Rattenstudien und eine Humanstudie mit 51 Erwachsenen, die zeigten, dass das Salz im Darm zerfällt und das Magnesium aufgenommen wird. Das Präparat darf höchstens ein Prozent Oxalsäure enthalten, bis 30 mg am Tag hielt die EFSA das für unbedenklich.

Die Rattenstudie von 2010

Alles begann 2010 mit einer Arbeit im Fachblatt Neuron. Eine Arbeitsgruppe am Massachusetts Institute of Technology gab Ratten das damals neu entwickelte Magnesium-L-Threonat. Der Magnesiumgehalt im Gehirn stieg, die Tiere lernten schneller, ihr Arbeits-, Kurz- und Langzeitgedächtnis besserte sich, und die Dichte der Synapsen im Hippocampus nahm zu. Auch alte Ratten profitierten.

Aus dieser Studie stammt das Versprechen „Magnesium fürs Gehirn“. Sie ist sorgfältig gemacht, sie ist aber eine Rattenstudie. Ob Menschen mit Threonat mehr Magnesium ins Gehirn bekommen als mit anderen Salzen, hat sie nicht geprüft.

Gedächtnis: zwei Humanstudien

44 Ältere mit Gedächtnisproblemen

2016 erschien im Journal of Alzheimer’s Disease die erste kontrollierte Humanstudie. 44 Erwachsene zwischen 50 und 70 Jahren mit leichter kognitiver Einschränkung nahmen zwölf Wochen lang das Threonat-Präparat MMFS-01 oder Placebo, 23 gegen 21 Personen. Die Threonat-Gruppe verbesserte sich in einem zusammengesetzten Kognitionswert deutlich, die Effektstärke lag bei 0,91. Bei Schlaf und Angst konnten die Autoren wegen eines starken Placeboeffekts keinen Unterschied feststellen. 44 Teilnehmer sind für eine Aussage über Gedächtnisschutz sehr wenig.

109 Gesunde in China

2022 nahmen 109 gesunde Chinesen zwischen 18 und 65 Jahren 30 Tage lang 2 Gramm „Magtein PS“ oder Placebo. Die Threonat-Gruppe schnitt in einem Gedächtnistest besser ab. Das Präparat enthielt neben Threonat auch Phosphatidylserin, Vitamin C und Vitamin D. Welcher Bestandteil den Effekt trug, lässt sich nicht trennen.

Schlaf: die Studie von 2024

2024 erschien in Sleep Medicine X eine Studie mit 80 Erwachsenen zwischen 35 und 55 Jahren, die über Schlafprobleme klagten. Sie nahmen 21 Tage lang 1 Gramm Magnesium-L-Threonat oder Placebo und trugen einen Oura-Ring. Die Threonat-Gruppe hatte bessere Werte für Tiefschlaf und REM-Schlaf und berichtete ein besseres Befinden am Tag. Mitautoren der Studie arbeiten beim Hersteller AIDP. Ein Gramm Threonat entspricht dabei nur rund 75 mg Magnesium, weniger als in einer Handvoll Kürbiskerne. Was zu Magnesium und Schlaf insgesamt bekannt ist, steht im Artikel Magnesium für die Nacht.

Was belegt ist und was nicht

Für Magnesium als Nährstoff erlaubt die EU zehn Aussagen, darunter „trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“ und „trägt zur normalen psychischen Funktion bei“. Sie gelten für Threonat wie für jedes andere Magnesiumsalz. Eine Aussage zu Gedächtnis, Lernen, Konzentration oder Demenz hat die EU für keine Magnesiumform zugelassen.

Ob Threonat beim Menschen mehr Magnesium ins Gehirn bringt als Citrat oder Bisglycinat, hat keine Studie direkt gemessen. Die drei Humanstudien vergleichen Threonat mit Placebo, nie mit einem günstigeren Magnesiumsalz. Solange dieser Vergleich fehlt, bleibt offen, ob der Effekt am Threonat liegt oder am Magnesium. Für Menschen, die mit Magnesium ohnehin gut versorgt sind, gibt es keinen Beleg, dass Threonat das Gedächtnis verbessert.

Dosierung und Nebenwirkungen

Die Humanstudien nutzten 1 bis 2 Gramm Threonat am Tag, also 75 bis 165 mg Magnesium. Die EFSA-Obergrenze liegt bei 3 Gramm Threonat oder 250 mg Magnesium, die auch das BfR als Höchstmenge für Präparate nennt. Nebenwirkungen entsprechen denen anderer Magnesiumsalze: Durchfall, Übelkeit, Bauchkrämpfe. Threonat ist deutlich teurer als Citrat, weil so viel Salz für so wenig Magnesium nötig ist. Wer nur den Magnesiumbedarf decken will, fährt mit Citrat oder Bisglycinat günstiger.

Häufige Fragen

Was bringt Magnesium-L-Threonat?

Es liefert Magnesium mit allen zehn zugelassenen Wirkungen. Ein Zusatznutzen fürs Gehirn ist bei Ratten gezeigt, beim Menschen nur in drei kleinen Studien gegen Placebo.

Wie viel Magnesium-L-Threonat am Tag?

Die EFSA erlaubt bis 3.000 mg am Tag, das sind rund 250 mg Magnesium. Die Studien nutzten 1 bis 2 Gramm.

Hilft Magnesium-L-Threonat beim Schlafen?

In einer herstellernahen Studie mit 80 Erwachsenen besserten sich nach drei Wochen Tiefschlaf- und REM-Werte. Eine unabhängige Wiederholung fehlt.

Ist Magnesium-L-Threonat in der EU zugelassen?

Ja, seit der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2694 vom Oktober 2024, für Erwachsene außer Schwangeren und Stillenden.

Wann Magnesium-L-Threonat einnehmen?

Eine Studie zum Zeitpunkt gibt es nicht. Wie bei jedem Magnesium gilt: zum Essen und auf mehrere Portionen verteilt.

Ist Threonat besser als Bisglycinat?

Ein direkter Vergleich existiert nicht. Bisglycinat liefert pro Gramm etwa doppelt so viel Magnesium und kostet weniger.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion vitalatlas.de — sie schreibt hier über Vitamine, Mineralstoffe und was die Forschung dazu sagt.


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